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1:0 gegen Tschechien Portugal bühnenreif ins Halbfinale

 ·  Tschechien fehlen die spielerischen Mittel, die überlegenen Portugiesen treffen das Tor nicht. Als alles auf ein 0:0 hinausläuft, zielt Ronaldo doch noch besser als zweimal zuvor - und verhilft Portugal ins EM-Halbfinale.

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© dpa Die portugiesische Krake greift zu: Ronaldo köpft Portugal ins Viertelfinale

Und wieder Cristiano Ronaldo – vielleicht wird die Europameisterschaft 2012 doch noch das Turnier eines Superstars. Der Torjäger von Real Madrid hat Portugal am Donnerstagabend in Warschau als erstem Team ins Halbfinale der EM verholfen.

Nach zwei Pfostentreffern gelang ihm in der 79. Minute der befreiende Siegtreffer zum 1:0 gegen Tschechien. Am Mittwoch treffen die Portugiesen im Halbfinale auf den Gewinner der Partie zwischen Spanien und Frankreich (20.45 Uhr / Live im F.A.Z.-Ticker).

Trainer Paulo Bento, der seinen 43. Geburtstag feierte, hatte vor der Partie erklärt: „Ich möchte dieses persönliche Glück in ein kollektives Glück verwandeln.“ Und das gelang ihm und seinem Team, das auch im vierten Turnierspiel mit derselben Startformation antreten und sich im Laufe der Partie immer besser einspielen konnte.

Dagegen machte sich für die tapfer verteidigenden Tschechen das Fehlen des lädierten Spielmacher Tomas Rosicky am Ende deutlich bemerkbar. Vor allem in der zweiten Halbzeit fehlten ihnen die spielerischen Mittel gegen die deutlich überlegenen Portugiesen.

Der tschechische Trainer Michal Bilek hatte angekündigt, sein Team werde sich nicht so naiv anstellen wie beim 1:4 beim EM-Auftakt gegen Russland und „die Taktik defensiver ausrichten, sonst werden uns Nani und Ronaldo bestrafen“. Das gelang den Tschechen zunächst auch ziemlich gut.

Ein kleiner Wutanfall von Ronaldo bei einer verschlampten Konterchance war die einzige nennenswerte Aktion der ersten Viertelstunde. Nach 15 Minuten wurden die gut sortierten Tschechen ein wenig mutiger, Innenverteidiger Michal Kadlec wagte einen Spurt über fünfzig Meter bis in den gegnerischen Strafraum, was jedoch ohne Wirkung blieb.

Portugal muss den Sand aus dem Getriebe pusten

Drei Minuten später rutschte Mittelstürmer Milan Baros um Zentimeter an Vladimir Daridas Hereingabe und damit am möglichen 1:0 vorbei – eine Führung, die zu diesem Zeitpunkt nicht einmal unverdient gewesen wäre für die agileren, aktiveren Tschechen.

Erst allmählich pusteten die Portugiesen den Sand aus dem Getriebe ihres Aufbauspiels. Nach 25 Minuten ging es endlich einmal flott durch die Mitte, Ronaldo kreuzte hinter Kadlec durch, bekam von Joao Moutinho den Ball in die Gasse gespielt, scheiterte jedoch mit seinem Schuss am bravourös haltenden Torwart Petr Cech – außerdem hatte Schiedsrichter Howard Webb Ronaldos Zweikampf gegen Kadlec als Stürmerfoul gewertet.

Ein lange Pass landet auf der rasierten Brust des Schönspielers

Doch der Superstar, der sich für seine Abendvorstellung mit viel Pomade hübsch gemacht hatte, steigerte sich nun langsam in bühnenreife Form. Die letzte Viertelstunde der ersten Halbzeit gehörte Ronaldo allein: Ein Fallrückzieher neben das Tor (33.), ein Freistoß aus 25 Metern, der sich im letzten Moment vom Tor wegdrehte (35.), und dann, in der Nachspielzeit, die schönste Szene der ersten Hälfte.

Ein herrlicher Diagonalpass von Raul Meireles landete nach fast vierzig Metern auf der rasierten Brust des Schönspielers Ronaldo, der den Ball wunderbar annahm, sich mit zwei Ballberührungen, den Ball immer noch in der Luft, vom Gegenspieler wegdrehte und dann aus spitzem Winkel Torwart Cech überwand, aber nur den rechten Pfosten traf.

Ein Freistoßaufsetzer landet am Außenpfosten

Nur wenige Sekunden nach der Pause hatte der frühere Bremer Hugo Almeida, zuvor für den verletzten Helder Postiga gekommen, die große Chance zum 1:0, setzte seinen Kopfball aber über die Latte.

In der 49. Minute kam Ronaldo seinem dritten Turniertreffer wieder sehr nahe, doch sein Freistoßaufsetzer aus 24 Metern prallte gegen den Außenpfosten. Es wurde mehr und mehr ein Spiel auf ein Tor, an dem sich nun aber mehr als nur ein Spieler beteiligte. Auch Nani zeigte seine Schusskraft und zwang Cech zu einer feinen Parade (57.).

Pilar, der „tschechische Messi“, findet keinen Kollegen

Und ganz plötzlich waren auch die Tschechen mit einem Konter zur Stelle – der künftige Wolfsburger Vaclav Pilar dribbelte sich am linken Flügel bis in den Strafraum, machte dann aber deutlich, warum er eben nur als der „tschechische Messi“ gilt: Er fand keinen seiner zwei mitgelaufenen Kollegen (60.).

Das blieb aber nur ein kurzes Intermezzo, nur vier Minuten später musste Cech schon wieder seine Klasse bei einem knallharten 18-Meter-Schuss von Moutinho zeigen.

Ronaldo wuchtet den Ball ins Netz gegen Cech

Doch allmählich wurde beim überlegenen Favoriten jene Art Verkrampfung spürbar, die sich einstellt, wenn man schon zu viele Chancen vergeben hat und es nun beim nächsten Mal besonders genau oder besonders wuchtig machen will. So jagte Meireles, von Ronaldo in guter Position bedient, den Ball allzu wild weit über das Tor (71.). Nächster Kandidat für den Chancentod des Abends war Nani (74.).

Doch dann war der Bann gebrochen, Moutinho spurtete am rechten Flügel bis zur Grundlinie durch, schlug eine feine Flanke, und Ronaldo wuchtete den Ball ins Netz. Cech brachte die Finger noch an den Kopfballaufsetzer, konnte den Ball aber nicht mehr entscheidend ablenken. Ohne Mühe brachten die Portugiesen den Vorsprung ins Ziel.

Tschechien - Portugal 0:1 (0:0)

Tschechien: Cech - Gebre Selassie, Sivok, Kadlec, Limbersky - Hübschman (86. Pekhart), Plasil - Jiracek, Darida (61. Rezek), Pilar - Baros
Portugal: Rui Patricio - Pereira, Bruno Alves, Pepe, Coentrão - Raul Meireles (88. Rolando), Miguel Veloso, João Moutinho - Nani (84. Custódio), Hélder Postiga (40. Hugo Almeida), Cristiano Ronaldo
Schiedsrichter: Webb (England)
Zuschauer: 55.590
Tor: 0:1 Cristiano Ronaldo (79.)
Gelbe Karten: Limbersky / Miguel Veloso, Nani

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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