Die Franzosen haben sich auf Wayne Rooney verlassen können. Weil England die Ukraine 1:0 besiegte, konnte sich die Equipe Tricolore am Dienstag in Kiew eine 0:2-Niederlage leisten und dennoch als Gruppenzweiter ins Viertelfinale der EM einziehen. Dort treffen die Franzosen auf die Spanier. Die Schweden, für die Zlatan Ibrahimovic (54.) und Sebastian Larsson (90.) trafen, waren vorher schon ausgeschieden.
Frankreich zeigte eine enttäuschende Leistung. Viele hochbegabte Einzelkönner, verspielt, ineffektiv und nur in Maßen zum Zusammenspiel bereit. In den ersten zehn Minuten gingen die Schweden und Franzosen aufeinander los, als handelte es sich bei ihrem Aufeinandertreffen um ein K.o.-Spiel und nicht um die letzte Gruppenbegegnung, die nur dann eine Bedeutung erhalten würde, falls in der anderen Partie, die Ukraine gegen England gewinnen würde. Die Schweden bekamen dreimal die Gelegenheit zum Führungstreffer, die Franzosen einmal.
Das Verblüffendste dabei, an keiner Gelegenheit der Skandinavier war ihr Star Zlatan Ibrahimovic beteiligt. Ola Toivonen hieß der Stürmer, der in der ersten Halbzeit die Blicke auf sich zog. Nach drei Minuten verfehlte der 25 Jahre alte Angreifer des PSV Eindhoven mit einem Kopfball das Tor von Hugo Lloris nur knapp, in der zehnten Minute traf er das Außennetz.
In diesem Moment regte sich erstmals in dieser Partie der Verdacht, dass Toivonen nicht zu den geschicktesten Stürmern in Europa zählen könnte. In bester Postion vor dem französischen Tor, legte er sich den Ball ohne Not so weit nach rechts vor, dass der Schusswinkel sehr ungünstig wurde. Er umdribbelte dann zwar noch gezwungenermaßen den französischen Torwart Lloris, aber nun fast an der Torauslinie angekommen, konnte er den Ball nicht mehr zwischen die Pfosten bugsieren.
Auch den Rest der ersten Halbzeit bestimmte Toivonen das Geschehen im schwedischen Angriff - durch sein permanentes ins Abseits laufen. Kaum ein Steilpass war den Schweden mehr möglich, weil ihre Spitze längst schon gestartet war und sich mehrere Meter hinter der französischen Abwehrlinie aufhielt. So gerieten die Franzosen kaum noch einmal unter Druck.
Da ihnen ein 0:0 auf jeden Fall zum Einzug ins Viertelfinale genügte, suchten sie nicht gerade zielstrebig den Weg zum gegnerischen Tor. In der achten Minute hämmerte Ribery den Ball aus spitzem Winkel auf Isaakson, der schwedische Torwart riss die Fäuste hoch und die Sache war erledigt. Das war schon der Höhepunkt an französischer Torgefährlichkeit in Halbzeit eins. In der zweiten Halbzeit wollten dann auch die schwedischen Nationalspieler ihren 20.000 Fans einen Beitrag zu einem angenehmen Aufenthalt in Kiew leisten.
Bis dahin konnten sich die Anhänger lediglich an langbeinigen Ukrainerinnen, billigem Bier und schönem Wetter erfreuen. Trainer Hamren trug mit zwei Maßnahmen zum Gelingen bei. Er erklärte Toivonen die Abseitsregel und er brachte Flügelstürmer Wilhelmsson ins Spiel. Plötzlich war Leben in der skandinavischen Offensive. Und plötzlich spiele Ibrahimovic richtig mit.
In der 54. Minute zeigte er sein großes Können, als er eine weite Flanke von rechts mit einem spektakulären Seitfallzieher zum 1:0 ins Tor schoss. Mellberg und Wilhelmsson hatten noch große Chancen zu erhöhen, scheiterten jedoch knapp, ehe Larsson kurz vor dem Abpfiff mit dem zweiten Streich noch zuschlug. Doch auch das 2:0 reichte ihm und seiner Elf nicht mehr zum Weiterkommen. Die Franzosen konnten dagegen mit dem enttäuschenden Ergebnis gut leben, ihnen war ja England zu Hilfe gekommen.
Schweden: Isaksson - Granqvist, Mellberg, Jonas Olsson, Martin Olsson - Svensson (79. Holmén), Källström - Larsson, Ibrahimovic, Bajrami (46. Wilhelmsson) - Toivonen (78. Wernbloom)
Frankreich: Lloris - Debuchy, Rami, Mexès, Clichy - Nasri (77. Menez), Diarra, M’Vila (83. Giroud) - Ben Arfa (59. Malouda), Ribéry - Benzema
Schiedsrichter: Proença (Portugal)
Zuschauer: 63.010
Tore: 1:0 Ibrahimovic (54.), 2:0 Larsson (90.+1)
Gelbe Karten: Holmén, Svensson / Mexès