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0:1 gegen England Auch der zweite Gastgeber raus

 ·  Auch die Ukraine ist aus der Fußball-Europameisterschaft ausgeschieden. Gegen England mit Wayne Rooney verliert Blochins Mannschaft und hadert mit dem Schiedsrichter.

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© REUTERS

Geschichte wiederholt sich doch. Wie vor vier Jahren, als die Schweiz und Österreich als Mitausrichter der Fußball-Europameisterschaft schon nach den Gruppenspielen ausschieden, traf es auch diesmal die beiden Gastgeber am Ende der Vorrunde.

Am Dienstagabend in Donezk folgte die Ukraine den Polen, die sich schon am Samstag von ihrem Heimturnier verabschiedet hatten. Anders aber als beim Nachbarn kam das Aus bei der 0:1-Niederlage gegen England durch ein Tor des nach einer Sperre zurückgekehrten Wayne Rooney (48. Minute) unter unglücklichen Umständen zustande.

Der ungarische Schiedsrichter Kassai erkannte einen regulären Treffer von Devic bei Terrys Rettungstat hinter der Torlinie (63.) nicht an. So wurde die bessere, weil aktivere Mannschaft in der Donbass-Arena gleich doppelt bestraft und schließlich wenigstens mit donnerndem Applaus vom Publikum verabschiedet.

England, das wegen der gleichzeitigen französischen Niederlage gegen Schweden Sieger der Gruppe D wurde, spielt nun am Sonntag in Kiew gegen Italien im Viertelfinale, die Ukraine schaut nur zu. Sie hatten gebangt und gehofft, und dann befürchteten sie das Schlimmste.

Andrij Schewtschenko, die Fußball-Ikone der Ukraine, konnte, als es losging, nicht mitmachen beim „größten Spiel in der Geschichte unseres Landes“, wie sein Kollege Andrej Woronin vor dem Duell mit den Engländern gesagt hatte. Dem mit 35 Jahren immer häufiger von Verletzungen geplagten Stürmerstar setzte eine Schwellung des Kniegelenks so zu, dass die von Trainer Oleg Blochin vorher auf „fünfzig zu fünfzig“ bezifferte Einsatzchance beim Anpfiff auf null gesunken war.

Böse Vorzeichen für die Blau-Gelben

Der mit Sprechchören gefeierte „Schewa“, zweifacher Torschütze beim märchenhaften 2:1-Auftaktsieg über Schweden, saß also zunächst auf der Bank beim letztmöglichen Anlauf, den Traum vom Viertelfinale für die Ukraine wahr werden zu lassen. Dazu drohte weiteres Ungemach: Die „Sbirna“ musste in Donezk, wo sie in der Donbass-Arena noch kein einziges Länderspiel gewonnen hat, antreten.

Böse Vorzeichen also für die Blau-Gelben, die hier schon vor vier Tagen Frankreich 0:2 unterlegen waren. Ganz anders stellte sich die Situation für die Engländer dar. Sie fieberten dem Comeback des in den ersten zwei EM-Begegnungen wegen einer Sperre vermissten Stürmerstar Wayne Rooney entgegen.

Endlich war der bullige Angreifer von Manchester United wieder da gefragt, wo er seine Stärken am besten zeigen kann: auf seinem Spielplatz Fußballstadion. Das beflügelte die ohnehin schon großen Hoffnungen der Engländer, das Viertelfinale und vielleicht noch mehr zu erreichen.

Gemeinsam mit Danny Welbeck, seinem 21 Jahre alten Klubkameraden bei Manchester United, sollte Rooney das Tor zur nächsten Runde öffnen. Welbeck als vorderste Spitze, Rooney gleich dahinter. Diesmal verjagte kein Gewitter wie noch am Freitag die Spieler zwischenzeitlich aus der modernsten Arena der Ukraine, diesmal ging es nur um den Spielfluss und nicht um einen Starkregenguss. Und das Spiel lief vor der Pause besser bei der Mannschaft von Trainer Oleg Blochin, die gegenüber der vorangegangenen Begegnung auf vier Positionen geändert worden war. Gussew und Jarmolenko sorgten für viel Tempo und Druck auf der rechten Seite, Garmasch und der Münchner Bayern-Profi Timoschtschuk bauten die Attacken klug auf, und in der Abwehr herrschte auch mehr Ordnung als zuletzt.

Kassai übersieht das Tor von Devic

Nur: Wann immer ein Tor hätte fallen können, waren die Ukrainer zu hektisch und fahrig im Abschluss. Jarmolenko kam einem Treffer am nächsten, doch sein Schuss (30.) war letztlich nicht präzise genug, um Torhüter Hart vor eine zu schwere Aufgabe zu stellen. England beschied sich 45 Minuten lang mit einem hausbackenen, defensiv grundierten, offensiv aber anspruchslosen Auftritt. Rooney sah man die einmonatige Spielpause deutlich an. Er besaß immerhin die beste Gelegenheit der Mannschaft von Trainer Roy Hodgson. Seinem Kopfball indes fehlte die nötige Genauigkeit (28.). So durfte beiderseits weiter gehofft und gezittert werden - bis die Engländer in der 48. Minute jubeln konnten.

Torhüter Pjatow ließ eine Flanke von Kapitän Gerrard, bester Spieler seines Teams, durch die Hände rutschen, und Rooney entdeckte seinen Torinstinkt mit einem Kopfballtreffer aus kurzer Entfernung wieder. Dass fünfzehn Minuten später nicht auch Devics Ausgleichstor anerkannt wurde, weil Terry den Ball erst hinter der Linie artistisch wegbefördert hatte, war Schiedsrichter Kassai und dem hinter Harts Tor postierten Torrichter Vad zuzuschreiben.

Sie nahmen die Szene zum Glück für England anders als in Wirklichkeit wahr. Danach versuchten die Ukrainer noch einmal alles, wechselten auch den angeschlagenen Schewtschenko ein (70.), konnten aber den „Fluch von Donezk“ aufs Neue nicht bannen.

England - Ukraine 1:0 (0:0)

England: Hart - Johnson, Terry, Lescott, Cole - Gerrard, Parker - Milner (70. Walcott), Young - Rooney (87. Oxlade-Chamberlain) - Welbeck (82. Carroll)
Ukraine: Pjatow - Gussew, Chatscheridi, Rakizki, Selin - Jarmolenko, Timoschtschuk, Konopljanka - Garmasch (78. Nasarenko) - Devic (70. Schewtschenko), Milewski (77. Butko)
Schiedsrichter: Kassai (Ungarn)
Zuschauer: 48.700
Tor: 1:0 Rooney (48.)
Gelbe Karten: Cole, Gerrard / Rakizki, Schewtschenko, Timoschtschuk

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