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Spanischer Fußball Historische Perfektion

 ·  Ihr dritter Triumph hat etwas Atemberaubendes: Spaniens Fußball ist auf einer Ebene angekommen, der man nicht mehr allein mit den Maßstäben des Sports gerecht werden kann. Die kollektive und individuelle Perfektion des Spiels ist gelungen.

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© REUTERS

Fußball ist nicht als eine Form der schönen Künste erfunden worden. Sondern als ein eher grober englischer Zeitvertreib. Doch nach 150 Jahren ist er in Gestalt des spanischen Fußballs auf einer Ebene angekommen, der man nicht mehr allein mit den Maßstäben des Sports gerecht werden kann.

Was der FC Barcelona vor einem Jahr im Finale der Champions League gegen Manchester United vormachte, hat am Sonntag Spaniens Nationalteam, dessen Kern eine Schnittmenge mit dem Barca-Team bildet, wiederholt: den Beweis, dass die taktische und technische, die offensive und defensive, die kollektive und individuelle Perfektion dieses Spiels gelingen kann.

Und zwar auch dort, wo man es nie für möglich hielt: im Finale eines großen Turniers. Dort, wo man es mit der stärksten Gegenwehr zu tun bekommt, mit dem Höchstmaß an Verhinderung von Kunst.

Deshalb hat das, was Spanien im Finale der EM vormachte, die Leistungen des Teams aus dem EM-Finale 2008 gegen Deutschland und dem WM-Finale 2010 gegen die Niederlande noch übertroffen. Damals waren es verdiente, aber zähe Siege; nun war es eine Demonstration der Leichtigkeit und Inspiration.

Eine Dynastie des schönen Fußballs

Die Art, wie die Tore gegen eine starke, tapfere italienische Elf herausgespielt wurden; die Präzision, mit der die knallharte defensive Organisation und das seidenweiche Aufbauspiel ineinander griffen; die Leichtigkeit, mit der die Kombinationen zum Tor hin urplötzlich beschleunigten - all das hatte etwas Atemraubendes.

Mit diesem Sieg hat Spanien Historisches geschafft: als das erste Team, das drei große Turniere nacheinander gewann. Und das erste, das den Titel des Europameisters erfolgreich verteidigt hat. Spanien 2012, das ist nicht nur einfach eine erfolgreiche Generation, wie man sie immer wieder einmal erlebt im Fußball, nicht nur der genetische Glücksfall, Spieler wie Xavi oder Iniesta zu besitzen; es ist auch nicht allein die Frucht der berühmten Barca-Schule - es ist mehr als das: eine Dynastie des schönen Fußballs, wie es sie in Europa noch nie gab.

Die Art des Fußballs, die sie entwickelt und perfektioniert haben, wird von vielen nachzuahmen versucht - und von keinem erreicht. Herausforderer wie Deutschland, die sich vor und während der EM als reif für die Wachablösung betrachteten oder sich das zumindest einredeten, durften am Sonntagabend erleben, wie weit entfernt sie in Wirklichkeit noch kreisen vom Fixstern des Fußballs.

In den entscheidenden Momenten kaltblütig

Das gilt vor allem für die Defensive - eine gern übersehene Stärke der Spanier und Schwäche der Deutschen. Spanien hat in den zehn K.o.-Spielen auf dem Weg zu seinen drei Titeln kein einziges Gegentor erhalten - Deutschland kassierte in neun K.o.-Spielen bei diesen drei Turnieren dreizehn Gegentreffer.

Mannschaften, die weltweit stilprägend wirkten, gab es schon mehrmals in der Fußballhistorie. Doch sind die Begründer solcher Schulen dann meist von anderen überholt worden, die das Kopierte weiterentwickelten. Nicht die Spanier, sie bleiben die Meister ihrer eigenen Fußballklasse. Weil sie nicht nur die beste Systematik und Ausbildung haben, nicht nur die Weltspitze in Technik und Taktik.

Sondern weil sie auch jene Spezies von Spielern besitzen, die im entscheidenden Moment kaltblütig werden, die dann die kostbare Mischung von Leidenschaft und kühler Perfektion finden. Und die deshalb in den wichtigsten Spielen ihre beste Form zeigen. Das unterscheidet sie von ihren Vorgängern im spanischen Nationalteam - und von ihren aktuellen Herausforderern im deutschen.

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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