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Russland gegen Polen Spannung und Spannungen

 ·  Die russischen Fußballspieler machen Freude, die russischen Fans machen Sorgen. Vor dem auch politisch brisanten Duell mit Gastgeber Polen steht die Warschauer Polizei vor ihrer größten Herausforderung.

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© REUTERS Ein bisschen Kommunismus geht immer: Fröhliche russische Anhänger vergangenen Freitag in Breslau

Mit seinen Profis hat der russische Fußball derzeit nur Freude. Sie spielten die Tschechen beim 4:1 zeitweise an die Wand. Und der 21 Jahre alte Alan Dsagojew, der zwei Tore erzielte, muss bisher als die Entdeckung dieser Europameisterschaft gelten. Gastgeber Polen, an diesem Dienstag Gegner der Russen im zweiten Gruppenspiel in Warschau, ist beeindruckt, sieht das aber als Chance, weniger unter nervlichem Druck zu stehen als vor dem 1:1 im Eröffnungsspiel gegen Griechenland. „Die Russen sind Favorit“, sagt der Mainzer Eugen Polanski. „Darin liegt unsere Chance.“

Die Russen sind Favorit - aber beileibe nicht Publikumsfavorit. Dafür ist ihr Auftreten zu wenig sensibel. Das gilt für Funktionäre wie Fans. Beim Auftaktspiel in Breslau waren aus dem russischen Block Affenlaute gegen den dunkelhäutigen tschechischen Verteidiger Theodor Gebre Selassie zu hören. Außerdem wurden Feuerwerkskörper gezündet, und Kameras hielten fest, wie Stadion-Ordner von russischen Fans attackiert wurden.

Die Tschechen reichten zwar keinen Protest ein, doch weil in Bezug auf Rassismus höchste Sensibilität bei diesem Turnier vorgegeben wurde, führte die öffentliche Aufmerksamkeit zu einer Erklärung des russischen Fußballverbandes, die allerdings eher halbherzig, weil allgemein gehalten blieb: „Wir appellieren an alle Fans, die in Polen sind: Denken Sie daran, dass Sie Ihr Land repräsentieren. Respektieren Sie sich selbst, Ihr Heimatland und Ihr Team.“ All das taten die Rassisten am Freitag ja schon, sie respektierten nur nicht einen Spieler des anderen Teams, wegen dessen Hautfarbe.

Auch die Sensibilität gegenüber den Empfindlichkeiten des Gastgeberlandes, in dem die Erinnerung an die Unterdrückung durch das sowjetische Regime noch lebendig ist, ließ zu wünschen übrig. So beschuldigte der russische Sportminister in der vergangenen Woche die Polen, Spannungen „künstlich zu vergrößern“.

„Dann können sie uns ja verhaften, wenn sie wollen“

Vorausgegangen war eine Warnung der polnischen Botschaft in Moskau im Vorfeld dieser Europameisterschaft an russische Fußballfans, dass das Tragen kommunistischer Zeichen in Polen zu negativen Reaktionen führen könne. Darauf drohte der Anführer der russischen Fanorganisation damit, „50.000 russische Fans aufzufordern, in roten T-Shirts mit Hammer und Zirkel“ durch Warschau zu ziehen: „Dann können sie uns ja verhaften, wenn sie wollen“.

Zu dem angekündigten Marsch werden nun mehr als 10.000 Russen in der polnischen Hauptstadt erwartet, der Dienstag ist schließlich ein nationaler Feiertag in Russland. Dadurch werde das Spiel in Warschau zur bisher größten Herausforderung für Polens Polizei, sagte Innenminister Jacek Cichocki am Montag.

Immerhin ein Kranz

Vor dem brisanten Duell zwischen Polen und Russen hat dieses politische Verkleidungstheater die Spannung weiter angeheizt. Das könnte für ein nervöses Spiel sorgen - was nicht unbedingt zum Vorteil der Polen sein müsste, die gegen Griechenland nervlich eingebrochen waren. Körperlich aber auch, und wenigstens hier verspricht man sich Besserung: Denn das Dach des Nationalstadions, wegen dessen Schließung einige Spieler über schwüle, schwer zu atmende Luft klagten, soll diesmal offen bleiben.

Am Rande des Eröffnungsspiels hatte es auch eine Minidemonstration einer Gruppe von Verschwörungstheoretikern gegeben, die Russland für den Absturz der polnischen Präsidentenmaschine mit 96 Toten vor zwei Jahren bei Smolensk verantwortlich macht. Wenigstens in diesem Punkt haben sich die russischen Offiziellen einmal sensibel gezeigt. Am Sonntag ließ der russische Fußballverband in Warschau einen Kranz zum Gedenken an die Opfer niederlegen.

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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