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Griechenland-Kommentar Zumindest an Toren sparen sie gern

 ·  Selbst wenn die Griechen das EM-Spiel verlören, sollten sie ins Halbfinale einziehen. Das findet zumindest Alexis Tsipras. In Deutschland stößt der Vorschlag auf Ablehnung. Einer plädiert aber doch für ein Eigentor.

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© REUTERS Sparunwilliger Nichtkrawattenträger: Alexis Tsipras

Alexis Tsipras, der sparunwillige Chef der griechischen Linksradikalen (Syriza), hat den deutschen Massenmedien vor dem Spiel Deutschlands gegen Griechenland bei der Europameisterschaft am Freitag (20.45 Uhr / Live im ZDF und im F.A.Z.-Ticker) wieder einmal reichlich Entrüstungsfutter geliefert. Selbst wenn die Griechen gegen Deutschland verlieren sollten, werde es niemand wagen, sie von dem Turnier auszuschließen, wurde der smarte Nichtkrawattenträger soeben von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zitiert.

„Die Kosten für Europa wären viel zu hoch. Wenn Griechenland fällt, wären als Nächstes Portugal, Italien und Spanien an der Reihe. Daran kann niemand ein Interesse haben.“ Auch griechische Medien kritisierten das deutsche Vormachtstreben bei der EM. Die Deutschen müssten einsehen, „dass sie nicht allein sind auf dem Kontinent“, hieß es in der Syriza-Parteizeitung „Lefta yparchoun“.

In Deutschland stießen Tsipras’ Äußerungen dagegen fast durchweg auf Ablehnung. Regierungssprecher Seibert teilte mit, die Kanzlerin empfinde die Diskussion „zum jetzigen Zeitpunkt als nicht hilfreich“. Der CSU-Ortsverband Bayreuth nannte den Gedanken, dass Griechenland bei einer Niederlage gegen Deutschland trotzdem ins Halbfinale einziehen könnte, „abstrus“.

Der bayerische Ministerpräsident Seehofer bezeichnete es in einem Gastbeitrag für den „Bayernkurier“ als „Skandal“, dass Griechenland überhaupt antrete. „Die Griechen hätten nie zugelassen werden dürfen.“ Ein Weiterkommen sei ausgeschlossen: „Mit uns Bayern ist das nicht zu machen.“ Der FDP-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Brüderle, kritisierte, Griechenland wolle zwar keine Tore schießen, jedoch weiter im Wettbewerb bleiben. „Beides geht aber nicht. Der Ball liegt jetzt eindeutig bei den Griechen.“

EM-Quiz (4): Sind Sie bereit für Griechenland?

Bundesfinanzminister Schäuble wollte eine Ansteckungsgefahr für Portugal, Italien und Spanien nicht ausschließen, sollte es zum „Grexit“ kommen, fügte aber hinzu, Deutschland sei „auf diese Entwicklung vorbereitet“. Die Piraten bezogen keine Position und forderten eine breite Bürgerbeteiligung.

Unterstützung erhielt Tsipras nur von der Bundestagsfraktion der Linken und von Helmut Schmidt. Der Vorsitzende der Linksfraktion, Gysi, forderte in einem Gespräch mit der „Passauer Neuen Presse“ ein stärkeres deutsches Engagement bei der Aufbauhilfe für Griechenland, etwa durch ein Eigentor. Altkanzler Schmidt erinnerte an die besondere Verantwortung Deutschlands in Europa. „Wer seine Vergangenheit nicht kennt, kann die Zukunft nicht verstehen.“

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Jahrgang 1973, politischer Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Istanbul.

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