Als Miroslav Klose im Jahr 2002 bei der Fußball-Weltmeisterschaft erstmals bei einem wichtigen Turnier zum Einsatz kam und mit fünf Treffern gleich zweitbester WM-Torschütze wurde, war die personelle Dichte im Angriff der deutschen Nationalelf nicht zu übersehen. Neben Klose hatte der damalige Teamchef Völler noch die Angreifer Neuville, Jancker, Asamoah und Bierhoff aufgeboten. Das Anforderungsprofil richtete sich vor allem darauf, Leute in die vorderste Reihe zu schicken, die auf Zuspiel möglichst viele Tore schießen. Klose vollzog das in bester Knipser-Manier und erzielte bei der Premiere in Fernost an der Seite seiner Angreiferkollegen alle Treffer per Kopf.
Seither sind nicht nur zehn Jahre vergangen, auch die Offensivstrategie im Fußball hat sich nach und nach gewandelt. Bundestrainer Löw hat bei der Festlegung seines Kaders für die Europameisterschaft nun auf den Stürmer Cacau verzichtet und neben dem heute fast 34 Jahre alten Routinier Klose nur noch Mario Gomez als gelernten Angreifer vorgesehen. So heißt der Trend: Weniger ist mehr – zumindest bei den Stürmern.
Die Vereinsamung der Abteilung Attacke hängt eng zusammen mit der heutigen Aufwertung der verschiedenen Mittelfeldpositionen. In diesem Zwischenbereich auf dem Feld gibt es Spieler, die für defensive oder lenkende Aufgaben bereitstehen, spielerische Glanzpunkte in der Eroberung des gegnerischen Strafraums setzen oder starken Druck über die Außenbahnen entfalten können. Wer über eine breite Machtbasis im Mittelfeld verfügt, erhöht seine Chancen auf Torerfolge.
Vorteile für offensive Generalisten
Insgesamt hat Löw elf Profis für das Mittelfeld nominiert. Zu ihnen gehören Spieler wie Reus, Müller, Özil, Schürrle oder Podolski, die über die nötige Angriffslust und Sicherheit im Abschluss verfügen. Dagegen stirbt jener Stürmertyp aus, der vorne wartet, bis er mit einer passenden Vorlage bedient wird. Seine Rolle ist heute weitaus umfangreicher und aktiver: Ein Angreifer muss Spielzüge mitgestalten, den Ball auf schnellstem Weg in die Gefahrenzone des Gegners befördern, das Spielgerät aber auch halten können. Dafür sollte er dribbelstark und schnell sein. Ein Stürmer muss sich heute organisiert an der Defensivarbeit beteiligen – dann aber im entscheidenden Moment wieder ganz vorne Präsenz zeigen, vor des Gegners Tor.
Klose hat bewiesen, dass er diese vielfältigen Aufgaben noch im fortgeschrittenen Fußballalter erfüllen kann. Der Bundestrainer hat auch Reus ins Gespräch gebracht als Alternative im Angriff, vielleicht sogar für Gomez. Für sturmerprobte Spezialisten wird es immer schwerer – der Vorteil liegt derzeit bei den offensiv ausgerichteten Generalisten.
Man braucht zwar beides,...
Thomas Grünewald (tqmj)
- 30.05.2012, 11:19 Uhr
Das schreibt und liest sich gut, aber ...
Dennis Gartner (peritrast)
- 30.05.2012, 09:38 Uhr
Man braucht beides
Christoph Rohde (prediger1)
- 30.05.2012, 09:02 Uhr