Home
http://www.faz.net/-hfm-70bkk
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Fußball-Nationalmannschaft Ein Schnellkurs für das EM-Projekt

 ·  Bundestrainer Joachim Löw kann erst in Danzig mit dem Feintuning des Teams beginnen. Die Zeit drängt. Und gleich drei deutsche Anführer sind angeschlagen.

Artikel Bilder (4) Lesermeinungen (3)
© dpa Begehrt bei Fans und Bundestrainer: Bastian Schweinsteiger

Seit nunmehr drei Wochen arbeitet die Nationalmannschaft an ihrer EM-Form. 26 Trainingseinheiten und zwei Testspiele hat das Team von Bundestrainer Joachim Löw seit dem Treffen am 11. Mai absolviert. Das ist viel gemeinsame Zeit - und doch auch zu wenig. Mit dem kompletten Kader nämlich hat Löw erst ein paarmal üben können. Weil die acht Bayern erst so spät ins zweite Trainingslager in Südfrankreich anreisten, blieben dort nur zweieinhalb Arbeitstage mit den Kollegen.

Ein Schnellkurs, der nicht genügt. Weder Löws Ansprüchen noch den Anforderungen, die in Polen und in der Ukraine auf das Team zukommen werden. Die „alles entscheidende Woche“, das hat Löw mehrfach betont, beginnt deshalb jetzt: an diesem Montag mit der Anreise ins EM-Quartier nach Danzig. Dort bietet sich bis zum Auftakt am Samstag gegen Portugal noch einmal die Gelegenheit, über mehrere Tage komplett und konzentriert an der EM-Form zu feilen.

Im Mittelpunkt wird mannschaftstaktisches Verhalten stehen. Wie wichtig kollektive Organisation in Offensive und Defensive ist, hat Löws Team in der Vergangenheit bewiesen. Hier hatte sich die deutsche Elf einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Nationen erarbeitet. Von den gelernten Automatismen profitiert das Team, dessen Stamm seit der WM 2010 weitgehend unverändert zusammenspielt, noch immer.

Löw betont deshalb zu Recht, dass das Ausgangsniveau höher ist als bei vergangenen Turnieren, zumal der große Bayern-Block vieles leichter machen dürfte. Doch wie alles andere bedarf auch die Abstimmung der Auffrischung. Und weil Löw mit seinem Trainingsplan schon im Verzug ist, wird für manches nicht so viel Zeit wie gewünscht bleiben. Zum Beispiel für Standardsituationen - mal wieder.

Die Zeit drängt auch beim zweiten großen Thema vor dem Start. Gleich drei deutsche Anführer hatten oder haben mit Blessuren zu kämpfen: Per Mertesacker, Bastian Schweinsteiger und Miroslav Klose. Alle drei spielen in Löws Überlegungen eine wichtige Rolle, doch in Top-Verfassung wird keiner ins Turnier gehen. Löw muss deshalb während der Woche noch einmal genau hinsehen: Wer ist von Anfang an dabei, und wie sollen die Einsätze danach dosiert werden?

Bei Mertesacker ist die Tendenz klar: Er ist schon wieder voll belastbar. Dass es ihm erkennbar an Spielpraxis mangelt, ist für Löw kein Hindernis, ihn wieder zum Abwehrchef zu bestellen. Klose hingegen musste zuletzt immer mal wieder aussetzen. Er wirkt zwar grundsätzlich einsatzbereit, doch Löw zweifelt, ob er dem hohen Spielrhythmus eines solchen Turniers gewachsen ist.

Lahm auf links oder rechts?

Am schwierigsten wird es bei Schweinsteiger. Die gute Nachricht ist: Er soll am Montag wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Ob er aber nach einem solchen Kaltstart seine Rolle als Chef im Mittelfeld ohne weiteres ausfüllen kann, wirkt doch sehr fraglich. Löw muss abwägen: Traut er Schweinsteiger zu, im Laufe des Turniers noch eine wichtige Figur zu werden, muss er ihn eigentlich von Beginn an bringen.

Schweinsteiger oder Kroos? Klose oder Gomez? Das sind nach Lage der Dinge die einzigen Personalien, in denen sich im Vergleich zur Startelf im Israel-Spiel noch etwas bewegen könnte. Bleibt eine letzte Frage: auf welcher Seite Philipp Lahm verteidigen soll. Löws Tendenz scheint zu links zu gehen. Gegen Portugal aber könnte der Kapitän doch auf der rechten Seite gefragt sein. Dort gilt es den besten Mann der Portugiesen zu bremsen: Cristiano Ronaldo.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1974, Sportredakteur.

Jüngste Beiträge

Vorbei an Ronaldo

Von Peter Penders

Ein Dortmunder stand in dieser Saison in der Champions League in allen Spielen von An- bis Abpfiff auf dem Platz und wird noch einen weiteren Rekord aufstellen. Der Bundestrainer ist darüber wohl am meisten verblüfft - oder erleichtert. Mehr 4