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Fußball im Fernsehen „Klare Ansage der Uefa“

 ·  Eine Szene vorher aufzeichnen und dann in die Live-Sendung einspielen: „Darf man das?“ Fragen an den preisgekrönten Live-Regisseur Volker Weicker, der bei der Fußball-WM 2002 Regie führte.

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© dpa Der lockere Herr Löw – vor dem Spiel, nicht während der Partie, wie Fernsehzuschauer denken konnten

In der EM-Partie zwischen Deutschland und Holland sind etwa zwanzig Minuten gespielt. Joachim Löw schlendert von der Bank zum Spielfeldrand und stößt im Vorbeigehen einem ukrainischen Balljungen spitzbübisch den Ball aus dem Arm. Der Junge erschrickt erst und freut sich dann, den deutschen Bundestrainer als Lausbuben zu entdecken. Löw schlägt dem Buben freundschaftlich auf die Schulter. „Unglaublich“, denken Fernsehzuschauer: der Bundestrainer locker im Moment größter Anspannung. Doch die Szene ist alt, sie wurde vor dem Spiel aufgezeichnet und während der Begegnung eingespielt.

Ist es statthaft, aufgezeichnete Bilder während eines Spiels zu zeigen, und so zu tun, als wäre es live – so wie in der Szene mit Joachim Löw und dem Balljungen?

Es wurde nicht so getan, als wäre es live. Es war eine Slowmotion, was signalisiert, dass es eine Aufzeichnung ist. Deshalb ist es in Ordnung, die Szene dann zu zeigen, wenn sie passt. Und dass jetzt so viel darüber diskutiert wird, macht deutlich, dass es richtig war, sie rein zu schneiden. Die Szene war ja auch gut und lustig. Ich bin mir sicher, sie kommt in jedem Jahresrückblick vor.

Aber verfälscht es nicht den Eindruck, wenn eine Szene, die vor dem Spiel aufgezeichnet ist, während des Spiels gezeigt wird?

Ich bin mir nicht sicher, wann genau die Szene aufgenommen wurde, aber das ist auch egal. Es ist doch beruhigend, dass Löw, der immer so kontrolliert und konzentriert wirkt, vor oder während eines wichtigen Spiels so locker daher kommt. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Szene vor dem Anpfiff aufgenommen wurde. Aber es ist auch legitim, sie während des Spiels zu zeigen. Es gab sie ja, es ist ja kein Fake.

Gehört es zum Repertoire des Live-Regisseurs, Randgeschehen dann zu zeigen, wenn er es für richtig hält?

Bei der WM 2002, als Trapattoni noch Trainer der Italiener war, wusste ich, dass er ein Fläschchen mit geweihtem Wasser dabei hatte und das Wasser unter der Bank verspritzte. Die Szene hab ich auch aufgezeichnet und später gezeigt. Ich kann ja nicht die ganze Zeit eine Kamera auf ihm lassen, in der Hoffnung, dass er es noch mal macht.

Klingt, als wäre der Regisseur der Welt-Regie wirklich noch der Herr über die Bilder. Aber ist er es wirklich, oder regiert ihm die Uefa rein?

Es wäre schön, wenn er die Macht hätte. Aber ich weiß definitiv, dass es für das Weltbild eine klare Ansage der Uefa gibt, was gezeigt werden darf und was nicht. Es hat ja einen Grund, warum man bei dieser EM keine bengalischen Feuer sieht und keine politischen Plakate.

Ist das in Ordnung?

Die deutsche Subregie könnte es selbst rein schneiden. ARD und ZDF sind ja immer mit eigenen Kameras im Stadion. Sie macht es aber nicht.

Wie bewerten Sie aus dem Kennerblick heraus die Übertragungen bei dieser EM?

Ich verfolge die EM mit großem Interesse. Ich gucke mir alle Spiele an. Die Regie ist deutlich besser als in Südafrika. Der Aufwand dürfte ähnlich hoch sein wie immer, mit bestimmt 30 Kameras im Stadion. Es wird mutiger geschnitten, das gefällt mir. Es gibt gar nicht so viel zu meckern.

Was stört?

Ich finde, es sind zu viele Slowmos mit Zuschauern zu sehen. Die werden auch noch immer im Päckchen gezeigt. Das wirkt stereotyp. Die Leute sehen sich dann selbst auf der Anzeigetafel und fangen an, sich zu inszenieren.

Die Fragen stellte Achim Dreis

Quelle: F.A.Z.
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