Millionen Fans erleben an diesem Freitagabend in größeren und kleineren Pulks im ganzen Land gemeinsam das EM-Viertelfinale Deutschland gegen Griechenland. Bei schönstem Sommerwetter strömten wieder mehrere hunderttausend Menschen auf die größte Fanmeile des Landes in Berlin; bereits eine Stunde vor Spielbeginn wurden alle Eingänge geschlossen. Auch in München, Hamburg oder Köln waren die großen Public Viewings sehr gut besucht, Kneipen und Cafés meist picke-packe-voll.
Die große Mehrheit der Fans glaubt fest daran, dass die deutsche Elf zum vierten Mal nacheinander in das Halbfinale eines großen Turniers einziehen würde. Schon am Nachmittag waren vielerorts Menschen in Deutschlandtrikots und mit schwarz-rot-goldenen Accessoires unterwegs - ob nun mit Fahnen, Blumenketten, Hüten, Sonnenbrillen oder Hasenohren. Etliche Fans reckten selbst gebastelte Pokale oder aufblasbare Trophäen in die Höhe.
Viele der zahlreichen griechischen Restaurants in Deutschland wurden am Abend zu blau-weißen Inseln im schwarz-rot-goldenen Fan-Meer. Dabei blieben die Hellenen aber selten unter sich, meist schauten Deutsche und Griechen bei Gyros, Souflaki, Ouzo und Retsina gemeinsam das Spiel.
Auch am Spielort Danzig herrschte bunte Feierstimmung: Deutsche und griechische Fans lieferten sich am Nachmittag in der Innenstadt Duelle am Tischkicker und im Grölen von Fan-Gesängen und mischten sich bunt durcheinander. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich wurde beim Besuch eines deutschen Fanprojektes neben seinem DFB-Schal flugs ein blau-weißer Griechen-Schal umgehängt, Fans in Lederhosen und Schwarz-Rot-Gold-Perücken tanzten neben griechischen Fahnenschwingern durch die Innenstadt.
Im Stadion fiebert neben den mehr als 10.000 deutschen Fans auch Angela Merkel mit dem Team von Jogi Löw. Sie wünsche sich vor allem ein spannendes Spiel, sagte sie vor dem Anpfiff. Aber: „Ich als deutsche Bundeskanzlerin bin natürlich hier, um meiner Mannschaft die Daumen zu drücken.“ Eine politische Dimension des Matches sehe sie nicht, es gehe hier um ein Fußballspiel.
Plaka blau-weiß
Blau-weiß präsentierte sich am Abend das Touristenviertel Plaka im Herzen der griechischen Hauptstadt Athen. Viele Tavernen, Cafés und Bars hatten Landesfahnen aufgehängt, etliche Kellner trugen das Nationaltrikot. Alle fieberten auf das große Spiel ihrer Elf hin, die Stimmung war insgesamt friedlich und entspannt. Deutsche Fans waren in Athen nur wenige zu sehen.
Beim „Fußballspiel der Philosophen“, einer Neuauflage des Spaßmatches der britischen Komikertruppe Monty Python von 1972, am Fuße der Akropolis gewannen die griechischen Geistesgrößen gegen die deutschen Denker erneut mit 1:0. Ein Eigentor von „Karl Marx“ sorgte für die Entscheidung, im Monty-Python-Sketch hatte „Sokrates“ den Siegtreffer geköpft.