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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Fußball-EM Italienische Chaostheorie

 ·  Nackenschlag für den italienischen Fußball: Der jüngste Manipulationsskandal, an dem auch Nationalspieler beteiligt sein sollen, dürfte sich negativ auf die Vorbereitung der Squadra Azzurra auswirken. Italien wird bei dieser EM trotzdem zu den Favoriten zählen. Das lehrt die Geschichte.

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© dpa Unter Verdacht: der italienische Nationalspieler Domenico Criscito (im Foto rechts)

Die deutschen Fußball-Fans haben ein wenig von ihrem überschäumenden Optimismus vor der Fußball-Europameisterschaft eingebüßt. Ja, wir haben das talentierteste Team - zumindest seit 1972, wenn nicht der Geschichte - beisammen. Aber die holprige Vorbereitung, zu der frustrierte und angeschlagene Bayern arg verspätet erschienen, rief ein paar leise Zweifel hervor, ob die Fußballreise durch Polen und die Ukraine tatsächlich zu einem Spaziergang wird. Und das 3:5 im Test gegen die Schweiz führte schon mal vor Augen, was während eines langen Turniers so alles schief laufen könnte.

Im Vergleich zu den Nackenschlägen, die die Italiener in diesen Tagen aushalten müssen, hat die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw allerdings eine völlig störungsfreie Testphase hinter sich. Gegen die Squadra Azzurra scheinen sich alle Fußball-Götter verschworen zu haben. Am Pfingstmontag klingelte die Polizei an der Pforte zum Trainingslager in der Nähe von Florenz. Sie wollte das Zimmer von Nationalspieler Domenico Criscito durchsuchen, gegen den wegen des Verdachts von Spielabsprachen und Wettbetrug ermittelt wird.

Fußball in Italien: Festnahmen und Durchsuchungen

Blaulicht und Sirenen - da war an Training nicht mehr zu denken. Was mochte in den Köpfen der Spieler vorgegangen sein? Insgesamt 19 Festnahmen erschütterten den italienischen Fußball, zu den Verdächtigen zählen Freunde und Vertraute der Nationalspieler, so wie Lazio-Kapitän Mauri oder Juventus-Trainer Conte. Selbst der Unschuldigste mag sich da kaum noch auf das Wesentliche konzentrieren, zumal einen Tag später der nächste Kollege aus der Nationalmannschaft ins Zwielicht geriet. Im Gegensatz zu Criscito wurde Leonardo Bonucci aber nicht aus dem EM-Kader geworfen. Bei ihm scheinen die Indizien nicht ganz so eindeutig zu sein.

Als wäre dies nicht genug an Störfällen, musste auch noch das Testländerspiel gegen Luxemburg abgesagt werden. Die Erdbeben in der Emilia Romagna machen eine Austragung unmöglich. Das Risiko ist zu hoch. Zu den alltäglichen Sorgen eines Nationaltrainers wie verletzte Stammkräfte (Giuseppe Rossi) oder dumpfe Stars wie Balotelli (“ich würde Rassisten umbringen, die mich mit Bananen bewerfen“) muss sich Nationaltrainer Cesare Prandelli mit den Folgen von Kriminalgeschichten und Naturkatastrophen auseinandersetzen. Das kann doch nur zum Scheitern führen, oder? Nein, dieses Chaos macht Italien zum Turnierfavoriten. Vor der WM 2006 wurde Italien von seinem größten Fußball-Skandal geschüttelt, als der Bestechungssumpf von Juve-Manager Moggi aufgedeckt wurde. Und was geschah? Italien wurde Weltmeister!

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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