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Fußball-EM Durchleuchtet und durchschaut

 ·  Der erste EM-Spieltag hat gezeigt: Mindestens zehn Mannschaften können Spanien, Deutschland und die Niederlande stoppen. Jetzt sind alternative Strategien gefragt. Und gerade Deutschland hat da ein Problem.

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© dapd

Joachim Löw verbat sich schon vor Wochen, die Europameisterschaft auf ein Duell zwischen Deutschland und Spanien zu reduzieren, bei dem höchstens noch für die Niederländer eine kleine Chance bestünde, sich einzumischen. Jetzt haben die drei großen Favoriten je einmal gespielt, und der Bundestrainer hat schon recht behalten. Die drei genannten Teams mögen das größte Potential besitzen, aber mindestens zehn andere Mannschaften haben das Zeug, um ihnen das Fußwerk zu legen.

Als Einzige in ihrem ersten Gruppenspiel blieben die Deutschen gegen Portugal ungeschoren. Aber dazu benötigten sie in den letzten zehn Minuten so viel Spielglück, wie es manche Mannschaften in einem ganzen Turnier nicht haben. Die Niederländer beherrschten zwar die Dänen über weite Strecken, nur nutzte es ihnen nichts. Wer bei 28 Torschüssen nicht einmal trifft, der kann halt nicht gewinnen.

Am besten spielten die Spanier am Sonntag gegen Italien. Doch wenn im Aufeinandertreffen der beiden letzten Weltmeister die Squadra Azzurra gewonnen hätte, wäre das auch in Ordnung gewesen. Dieses Match war ein großartiges Versprechen auf den weiteren Verlauf der Europameisterschaft und eine Warnung an alle Favoriten.

Mit geschickter Verteidigungsstrategie und mutigen Konterattacken ist auch dem Weltranglistenersten beizukommen. Die Italiener hatten bei ihren selteneren Vorstößen sogar die größeren Torchancen als die spanischen Belagerer. Trainer del Bosque hatte 75 Minuten lang den spanischen Kurzpasswirbel auf die Spitze getrieben, indem er ganz auf einen Stürmer verzichtete. Iniesta, Fabregas und Silva standen auf dem Papier zwar als Angreifer. Aber in Wirklichkeit personifizierten sie nur den vordersten Teil des spanischen Mittelfeldes, von dem sich auch andere Teile in den italienischen Strafraum rotierten.

Deutschland scheint taktisch festgelegt

Es waren atemraubende Ballstafetten auf engstem Raum zu sehen, manche Aktion reif für den Zirkus. Aber nur einmal führten die komplizierten Kombinationen auch ans Ziel, weil die Italiener immer wieder eine Fußspitze dazwischenbrachten. Als del Bosque seine Spitze Torres ins Spiel brachte, wurden die Angriffe weiträumiger und gefährlicher. Zweimal scheiterte der Stürmer des FC Chelsea nur knapp. Die italienische Abwehr hatte Schwierigkeiten, sich auf die Schnelle umzustellen.

Das ist die eine Erkenntnis des EM-Auftaktes: Die besten Teams sind durchleuchtet und durchschaut. Auch sie müssen Alternativen entwickeln, um zum Erfolg zu kommen. Spanien hat verschiedene Möglichkeiten, die Niederlande auch. Van Persie oder Huntelaar heißen die Optionen im Sturm oder van Persie und Huntelaar.

Die Deutschen dagegen scheinen festzementiert in ihrem 4-2-3-1. Ob Gomez oder Klose die Position in der Spitze ausfüllt, verändert das Spiel nur um Nuancen. Das könnte zum Nachteil werden. Die andere Erkenntnis lautet: Mit Italien ist ein weiterer EM-Favorit dazugekommen. Und die Russen müssen sich auch vor niemandem fürchten, wenn sie so weitermachen.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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