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Mittwoch, 19. Juni 2013
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FAZ.NET-Übersteiger Zu früh gefreut

 ·  Am wichtigsten ist ein guter Start ins Turnier, wird vor einer großen Meisterschaft oft behauptet. Nach Abschluss der Vorrunde können wir feststellen: Stimmt nicht. Wer früh feiert, ist meistens auch früh wieder zu Hause.

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© dpa Erst so begeistert, dann nach der Vorrunde ausgeschieden: Gastgeber Ukraine

Wie oft wurde vor wichtigen Fußball-Turnieren schon die Faustregel beschworen, dass das erste Spiel besonders wichtig sei für den weiteren Verlauf der Meisterschaft? Ein guter Start in die Gruppenphase, so die scheinbar ewig gültige Wahrheit, sei schon der halbe Durchmarsch in die K.o.-Runde. Doch stimmt das überhaupt? Ein Blick auf die Ergebnistafel der Europameisterschaft 2012 zeigt, dass eher das Gegenteil richtig ist. 80 Prozent der Mannschaften, die am ersten Spieltag gewonnen haben, nämlich vier von fünf, sind nach der Gruppenphase schon ausgeschieden.

Die mit einem 4:1 gegen Tschechien berauschend gestarteten Russen landeten ebenso schon wieder zu Hause wie die nach ihrem Auftaktcoup gegen Holland hocherfreuten Dänen und die ohnehin selbstbewussten Kroaten (3:1 gegen Irland). Auch Gastgeber Ukraine, dank eines 2:1-Erfolgs gegen Schweden von sich selbst begeistert, muss sein eigenes Turnier ab sofort als Zuschauer betrachten. Offenbar haben die schnellen drei Punkte für verfrühte Sorglosigkeit im Trainingsbetrieb und eine zu leichtfertige Beschäftigung mit den Stärken der weiteren Gegnern gesorgt.

Die einzige Ausnahme von der Regel bildet die deutsche Mannschaft - wobei ihr mühsames 1:0 gegen Portugal sicherlich auch keinen Grund für übersteigerte Glücksgefühle geboten hatte. Doch auch Joachim Löws stetige Mahnung zur  „höchsten Disziplin“ hat offenbar Wirkung gezeigt. 

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Die russische Seele trägt Trauer und zeigt sie auch © dpa Die russische Seele trägt Trauer und zeigt sie auch

Den Umkehrschluss zu wagen, und mit einer Niederlage ins Turnier zu gehen, um dann von den anderen unterschätzt durchzustarten, ist aber auch kein Erfolgsrezept. 60 Prozent der Auftaktverlierer haben sich nach ihren Debüt-Schlappen nicht mehr rechtzeitig (Schweden) oder gar nicht mehr (Iren und Holländer) gefunden - und sind ebenfalls ausgeschieden.

Nur zwei Mannschaften bekamen nach einem Null-Punkte-Start noch die Kurve, darunter neben Portugal die Tschechen - die noch 2008 den Fehler gemacht hatten, sich nach einem Sieg im Eröffnungsspiel (1:0 gegen Gastgeber Schweiz) zu sicher zu fühlen, und anschließend nach der Gruppenphase heimreisen mussten.

Vor Euphorie sei gewarnt

Das, was sonst in Gefahr und größter Not als der sichere Tod gebrandmarkt wird, nämlich das Einschlagen des Mittelwegs, scheint statistisch gesehen bei dieser Fußball-EM der richtige Rat gewesen zu sein. Sechs Mannschaften haben am ersten Spieltag 1:1 unentschieden gespielt, fünf davon (84 Prozent) treffen wir im Viertelfinale wieder: Spanien, Italien, England, Frankreich und Griechenland. 

Nur den Polen reichte ihr Auftakt-Remis gegen die Griechen nicht - vermutlich, weil sie dabei in der ersten halben Stunde wie die sicheren Sieger aussahen und vom Heimpublikum aufgeputscht zu euphorisiert agierten. Vor Euphorie aber muss an dieser Stelle ausdrücklich gewarnt werden. Das, was im allgemeinen Sprachgebrauch als Synonym für Glücksgefühle oder Begeisterung verwendet wird, entpuppt sich in Wirklichkeit nur als letztes, kurzes Aufblühen im Zustand völlig Erschöpfung.

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Jahrgang 1969, Sportredakteur.

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