Morgens halb zehn in Deutschland: Ein Kind, das noch nicht einmal sprechen kann, trötet mit einer Vuvuzela im Innenhof herum, bis sich Fenster öffnen und Leute „Ruhe“ schreien. Unglaublich genug, dass vielleicht dieselben Leute nach dem ersten Deutschlandspiel mit seinem sehr glücklichen Sieg tatsächlich im Autokorso durch die Stadt gefahren sind - aber das alles ist noch nichts gegen die neueste Schnapsidee der Fankultur: den Morphsuit.
Es handelt sich dabei um einen elastischen Ganzkörperanzug, der auch den Kopf mit bedeckt und in Nationalfarben oder mit Flaggenmotiven bedruckt werden kann. Man darf sich also nicht wundern, wenn demnächst Fanhorden im schwarz-rot-goldenen Spiderman-Look durch die Stadien und Straßen schwärmen.
Laut Werbetext kann der Träger durch den Morphsuit „problemlos hindurchsehen und sogar trinken“ - na Prost! Vuvuzela zu spielen dürfte dagegen schon schwieriger werden, das ist immerhin ein Vorteil dieser Anzüge. „Dank ihres speziellen Materialmix“ seien die Morphsuits „sehr dehnbar, belastbar und machen alle Bewegungen mit“, welche auch immer dies sein mögen.
Wer nicht gerade gertenschlank ist, könnte in dem Outfit allerdings nicht sehr vorteilhaft aussehen: Die überflüssigen Pfunde morpht es leider nicht einfach weg. Die Euphorie der Masse, das gemeinsame Zittern und Leiden: also die Annäherung der Fans untereinander oder sogar über Nationengrenzen hinwegstellt man sich etwas freudlos vor, wenn statt Gesichtern nur noch Plastik-Köpfe zu sehen sind.
Und angesichts des schwülen Klimas derzeit in Polen und der Ukraine kann man nur hoffen, dass ein solcher Morphsuit auch die in ihm entstehenden Gerüche davon abhält, nach außen zu dringen.