Im Viertelfinale könnte es zum Duell der jüngsten und der ältesten Elf der EM kommen. In der deutschen ist kein Spieler älter als 28. In der russischen ist keiner jünger als 28 - bis auf einen, und er ist bisher die Entdeckung der EM. „Alan“, sagt Trainer Dick Advocaat, „hat eine große Portion Talent mitbekommen.“
Und das ist nicht nur Alan Dsagojews Fußballtalent, das sich in Tempo, Technik und bisher drei EM-Toren äußert. Es ist auch sein Talent zu schweigen. „Ich versuche so selten wie möglich Interviews zu geben“, so lautet einer der wenigen öffentlichen Sätze des Mittelfeldspielers, der am Sonntag 22 Jahre alt wird. „Es ist besser, ich spiele gut, als dass ich darüber erzähle. Bisher habe ich noch nichts gewonnen, um das Recht zu haben, Interviews zu geben.“
Russland 2012, das ist Russland 2008 plus Dsagojew. Das aktuelle Team ist fast identisch mit dem, das bei der letzten EM begeisterte und erst im Halbfinale an Spanien scheiterte. Vier Monate später wurde Dsagojew in der WM-Qualifikation gegen Deutschland mit 18 der jüngste Debütant in der Geschichte der „Sbornaja“. Nur Zentimeter fehlten ihm da, um Russland in Dortmund einen Punkt zu retten - er traf die Latte.
Inzwischen gilt der Mann aus Nordossetien als kommender Star, umworben von europäischen Topklubs, denn sein Vertrag bei ZSKA Moskau endet im Dezember. Doch ist es schwer, Spieler aus Russland loszueisen. Die großen Klubs dort schwimmen im Geld, zahlen hohe Gehälter, und weil davon in Russland nur 13 Prozent Einkommensteuer abgehen, müssen Interessenten aus dem Westen tief in die Tasche greifen, um ein höheres Nettosalär bieten zu können. Bei Dsagojew dürften es nach dieser EM einige versuchen.