Ach, was haben wir doch so herrlich gestritten über die extravaganten Flugbahnen des „Jabulani“ während der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Dieser merkwürdige Ball flog, wohin er wollte. Er machte die Torhüter rasend, so sehr, dass ihn der Italiener Gianluigi Buffon sogar als „eine Schande“ bezeichnete. Ja, mit dem „Jabulani“ war was los, der blieb in Erinnerung. Genau wie der famose „Europass“ (EM 2008) und sein Kamerad „Teamgeist“ (WM 2006).
Hersteller Adidas hat sich bei der Namensgebung in der Vergangenheit offenbar immer an landestypischen Besonderheiten orientiert, weshalb uns nicht ganz klar ist, warum die Ausgabe dieser EM „Tango“ heißt. Der, so dachten wir bisher, hat seinen Ursprung doch in Argentinien. Und Argentinien liegt in Südamerika, und Südamerika hat bei einer Europameisterschaft noch nie eine Rolle gespielt.
Fernschüsse fast ohne Wirkung
Aber lassen wir das. Denn auch der „Tango“, dieser Einheitsball aus Plastik, ist bisher noch nie in Erscheinung getreten: Nur der Italiener Pirlo hat den Ball bisher per Freistoß im Tor versenkt, der deutsche Kapitän Lahm von mehr als zwanzig Metern getroffen; alle anderen Fernschüsse blieben ohne Wirkung. Der „Tango“ mag es nicht, wenn er rüde getreten wird, er braucht Körperkontakt und Respekt, er will gesehen und geherzt werden - am liebsten mit Köpfchen. Beinahe ein Drittel der bisherigen Treffer dieses Turniers wurden deshalb nach dem selben Muster erzielt. Flanke, Kopfball, Tor!
Wie berechenbar. Und trotzdem interessant. Auch für Adidas. Die Herzogenauracher melden, dass sie vom „Tango“ so viele Bälle wie niemals zuvor verkauft haben - sieben Millionen Exemplare. Respekt sprechen wir deshalb vor allem den Käufern aus. Denn wenn es nicht einmal hochbezahlte Profis fertigbringen, den Ball aus mehr als 16 Metern auf das Tor zu schießen, ohne dass das Plastik die Bodenhaftung verliert und wie ein Düsenjet Richtung Himmel saust, wie sollen es erst die Amateure schaffen? Was ist eigentlich aus all den „Jabulanis“ geworden?