Ein bisschen erinnert das Ganze an die Sache mit dem Regenwald. Vor Jahren versprach die Brauerei Krombacher, für jeden Kauf eines Bierkastens den Schutz eines Quadratmeters Regenwald zu gewährleisten. Viele Menschen, in denen schon lange das Bewusstsein schlummerte, dass man was tun müsse gegen das Sterben des Regenwalds, begannen danach, sich wirklich zu engagieren. Und nahmen sich umgehend mehrerer Quadratmeter an, die Sache war ja dringend, da galt es, sich bedingungslos einzusetzen, sei es am Vormittag, Nachmittag, Abend oder in der Nacht.
Wurden die Konsumenten damals immerhin zu einem guten Zweck verführt, wurden sie verlockt, anderen Gutes zu tun, so geht es in dem Fall der Partnerschaft zwischen dem Süßwarenhersteller Ferrero und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB), den die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch jetzt aufspießte, eher darum, sich selbst Gutes zu tun: durch das Befriedigen der eigenen Sammelwut und des eigenen Hangs zu Süßigkeiten, was ja auch wunderbar zusammenpasst. Denn für beides gilt: Fängt man erst mal damit an, dann kann man nicht mehr aufhören.
Fünfeinhalb Kilo Zucker für ein Fantrikot
Genau darauf basiert der Erfolg der Ferrero-Sammelbilder, die zur Europameisterschaft wieder erhältlich sind. Foodwatch prangert an, dass der DFB durch seine Zusammenarbeit mit Ferrero dazu beitrage, die EM als Lockmittel zu benutzen, um Kinder zum Verzehr von möglichst viel Süßkram mit Unmengen Kalorien zu bewegen. So rechnete die Organisation aus, dass in der Sammelaktion „Fan Connection“, bei der es gilt, mittels Kaufs von Ferrero-Produkten möglichst viele Punkte zusammenzubekommen, um sie gegen Prämien wie ein „DFB Fan-Trikot“ einzutauschen, für so ein T-Shirt rund 500 Kinderriegel verspeist werden müssten. Was 59.000 Kilokalorien, 5,5 Kilo Zucker, 3,65 Kilo Fett entspreche - so viel wie in 18 Päckchen Butter. Um diese Kalorien abzutrainieren, müsste ein Fan demnach mehr als 60 Fußballspiele über 90 Minuten bestreiten.
Klingt grotesk, dabei ist die Lösung ganz einfach: regelmäßige Fußballspiele zwischen Regenwaldrettern und Süßkramsammlern. Die ließen sich dann auch leicht erweitern um die Leidtragenden von olympischen Großsponsoren wie McDonald’s oder Coca-Cola. Der Sport nimmt eben manchmal seltsame Formen an - und in seiner Folge auch die Sportler. Das Gute ist: Man kann dem Regenwald auch anders helfen, genauso, wie man Fußballbilder sammeln und T-Shirts tragen kann, ohne zu „punkten, bis das Trikot platzt“, so Foodwatch. Es ist sogar ganz einfach. Man muss nur Werbung Werbung sein lassen. Und statt dessen gleich Fußballspielen gehen.