Der Vergleich bietet sich an in dieser Zeit, da sich Europa aufteilt in Arm und Reich. Ein Sportökonom aus den Vereinigten Staaten behauptet, dass der Erfolg von Fußball-Nationalmannschaften unter anderem abhängt vom Zustand der jeweils dazugehörigen Volkswirtschaft. Entscheidend seien drei Faktoren: Wirtschaftskraft, eine große Bevölkerung und viel internationale Spielpraxis der Mannschaft.
Wohlstand schießt also Tore - setzt man voraus, dass diese einfache Prämisse stimmt, sind die griechischen Spieler an diesem Freitag im Viertelfinale noch krassere Außenseiter als bisher gedacht. Das allerdings ist nur graue Theorie.
Den Zahlenanalysen des Professors allzu sehr zu vertrauen dürfte ganz sicher ein Fehler sein. Der aktuelle Welt- und Europameister kommt schließlich aus Spanien, und mit Italien sowie Portugal haben es weitere Teams aus schwer angeschlagenen Ökonomien in die Runde der besten acht Mannschaften Europas geschafft.
Schulung gegen Chelsea
Siege oder Niederlagen sind natürlich vor allem im sportlichen Detail begründet. Speziell der Erfolg der deutschen Mannschaft hat viel damit zu tun, dass maßgeschneiderte, am erwarteten Wirken des Gegners orientierte Matchpläne von der Mannschaft auf dem Platz über weite Strecken richtig umgesetzt wurden. Weil Portugal nämlich immensen Druck auf das zentrale Mittelfeld ausübte, wurde vor allem der Weg über die Flügel gesucht, woraus auch der entscheidende Treffer resultierte.
Die Niederländer vernachlässigten, wie schon vorher vermutet, die Mitte des Spiels. Dort setzte die deutsche Offensive in ihrer taktischen Ausrichtung an, wodurch Mario Gomez zweimal zum Torschuss kam. Und die sehr defensiv aufgestellte Mannschaft Dänemarks musste erst einmal aus ihrer Reserve gelockt werden.
Permanente schnelle Vorstöße über die Außenbahnen und durch die Mitte machten den Abwehrriegel mürbe und schafften Räume zur Vorbereitung der eigenen Tore. Gegen die Griechen, von denen in offensiven Fragen noch viel mehr Zurückhaltung zu erwarten ist, wird deshalb nun noch mehr Bewegung, Aktivität und Spielintelligenz erforderlich sein, um den gefürchteten Defensivblock des Gegners nach und nach zu zerlöchern.
Doch aufgepasst: Wie zerstörerisch Mauertaktiker wirken können auf die schönsten Spielideen, hat die Saison in der Champions League gezeigt. Der Großteil der Nationalspieler, mit denen Joachim Löw das Viertelfinale beginnen wird, kommt aus München und hat diese leidvolle Erfahrung hinter sich.
Das Champions-League-Finale aber war vielleicht die beste Schulung - auch das Treffen mit den Griechen könnte erst zu einem Geduldsspiel und dann zu einem Nervenspiel werden. Schließlich wäre ja auch noch ein Elfmeterschießen möglich. Dass Löw dann aber wie sein Münchner Kollege Heynckes verzweifelt nach Elfmeterschützen suchen muss, dürfte komplett auszuschließen sein.