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EM-Kommentar Stabile Basis für das Künstlerische

 ·  Die Deutschen können auf ihren Auftakt-Erfolg aufbauen. Die Holländer sind dagegen schon zum Siegen gezwungen. Wie gerne wären sie in der Position der Deutschen, die sagen können: Hauptsache, gewonnen.

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© REUTERS Viele Chancen, kein Tor: Arjen Robben und die Holländer

Hauptsache, gewonnen. So einfach sollte man es sich manchmal im Fußball machen. Es gäbe zwar einiges am 1:0 der deutschen Nationalelf über Portugal auszusetzen. Aber am Europameisterschaftsauftakt der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw lief nichts schief genug, was Anlass zur Sorge geben würde, der Titelanspruch wäre übertrieben.

Portugal entpuppte sich als überaus unangenehmer Gegner. Die große individuelle Klasse der Lusitaner lässt sich schon an den Vereinsnamen der Spieler ablesen: Real Madrid, Manchester United, Zenit St. Petersburg, FC Porto und so weiter. Trainer Paulo Bento hat die Begabten darüber hinaus noch zu einem disziplinierten Kollektiv geformt, das sich konsequent seinem taktischen Konzept unterwirft. Es legt großen Wert darauf, das Spiel des Gegners zu ersticken.

Das mag zwar als negative Nebenwirkung auch die Kreise eines Cristiano Ronaldo so weit einengen, dass vom Weltstar nurmehr noch die Hülle zu bewundern ist. Aber Bentos Strategie macht Portugal als Ganzes gefährlicher.

Den Deutschen fehlte nach ihrer durchlöcherten Vorbereitung das spielerische Selbstverständnis, um sich einfach über den Widerstand hinwegsetzen zu können. Aber sie bissen sich immerhin willensstark durch das zähe Geschehen. Sie verteidigten bis in die Schlussphase sehr geschickt und hatten sich das 1:0 durch Gomez nach 72 Minuten einigermaßen verdient. Dann jedoch benötigte das deutsche Team eine gehörige Portion Glück, um den Sieg über die Runden zu retten.

Auf die Leistung lässt sich aufbauen

Wer behauptet, das sei eines EM-Favoriten nicht würdig, verkennt die Verhältnisse. Portugal gehört schließlich ebenso zu den Top Ten der Fußball-Weltrangliste wie Deutschland. Auf die Leistung vom Samstag lässt sich aufbauen: auf den Kampfgeist, den Verteidigungswillen und das Konzentrationsvermögen. Der Sieg kann die Sicherheit bringen, die für das Künstlerische am Fußball nötig ist.

Jerome Boateng bewies, dass er die neuralgische deutsche Stelle des rechten Außenverteidigers ordentlich ausfüllen kann; Mats Hummels zeigte, dass er im Nationalteam der dominante Innenverteidiger sein kann, der er für Borussia Dortmund die ganze Saison über war. Löw bewies ein gutes Händchen, als er Hummels und Gomez, Spielern, die mit Schwung aus der Saison kamen, seinen alten Vertrauten Per Mertesacker und Miroslav Klose vorzog, die nach langen Verletzungspausen noch um ihre Form kämpfen.

Mag Löw weiter den richtigen Spielern vertrauen, mag die erhoffte spielerische Steigerung einsetzen, mögen die schon gezeigten Tugenden bestehen bleiben: das alles heißt nicht, dass Deutschland auch Europameister wird. Nicht nur die Bayern erlebten gegen Chelsea, dass in diesem Sport nicht immer das bessere Team gewinnt, auch die Niederlande gegen Dänemark. Deren 0:1-Niederlage macht die Aufgabe für Löws Mannschaft nicht leichter. Die Holländer sind nach einem Spiel der verpassten Gelegenheiten nun schon zum Siegen gezwungen. Wie gerne wären sie in der Position der Deutschen, die sagen können: Hauptsache, gewonnen.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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