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EM-Kommentar Mit Standards gegen Spanien

 ·  Der Weg zum EM-Titel führt nur über Spanien. Wie kann man dieser Mannschaft beikommen? Es gäbe für die deutsche Elf einen erfolgversprechenden Ansatz - doch gerade in dieser Teildisziplin ist sie ziemlich ungefährlich.

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© dpa Die Überlegenheit bei Luftduellen müssten die Deutschen noch mehr ausspielen

Wer Deutschland nach dem Sieg über die Niederlande schon auf den Favoritenschild für den EM-Titel gehoben hat, der hätte das Spiel der Spanier gegen Irland abwarten sollen. Der Titelverteidiger demonstrierte sein Tika-taka-mega-superhyper-Kurzpassspiel in einer Perfektion, dass sich eine Frage sofort aufdrängt: Wer soll diese Mannschaft diesmal stoppen?

Nun sind die Spieler von Trainer Giovanni Trapattoni nicht der Maßstab für die Fußball-Europa-Güteklasse eins. Aber wie spielerisch leicht sich die Spanier über die zumindest athletisch und läuferisch gut ausgebildeten Profis von der Grünen Insel hinwegsetzten, das hatte für die Konkurrenz schon etwas Beängstigendes.

„Das war die beste Mannschaft, gegen die wir je gespielt haben“, berichteten gleich mehrere irische Profis. Sie haben ihre Erfahrungen gemacht. Diese Iren spielen ja nicht auf einer Schafweide in Cork, Galway oder Limerick, sondern auf den feinen Plätzen der englischen Premier League.

Die Erinnerung an das erste Gruppenspiel der Spanier gegen Italien ist noch nicht verblasst. Die Verteidigungskünstler der Squadra Azzurra hatten dem Welt- und Europameister das Leben schwergemacht. Aber auch sie vermochten das Kombinationsspiel der Spanier nicht zu unterbinden. Anders als den Iren gelang es ihnen jedoch, gefährliche Konter zu kreieren und in vielen Fällen den Torschuss eines Gegners in letzter Sekunde noch zu verhindern.

Das letzte Quentchen Effektivität und Durchschlagskraft

Was wäre geschehen, wenn Trainer del Bosque schon gegen Italien seinen Mittelstürmer Torres von Beginn an aufgeboten und nicht seinem „Sechs-Mittelfeldspieler-Sturm“ vertraut hätte?

Nach einer Saison mit vielen Verletzungen und langen Pausen ist der Stürmer des FC Chelsea der ausgeruhteste unter den Weltklasse-Angreifern in diesem Turnier und strotzt vor Kraft. In dieser Form gibt Torres den Spaniern das letzte Quentchen Effektivität und Durchschlagskraft, das ihnen zum Prädikat „perfekte Offensive“ gefehlt hat.

Kein Zweifel, die Iberer sind ins Rollen gekommen. Die Hoffnungen der Gegner, Dirigent Xavi könnte älter oder müder geworden sein und der Rest des Orchesters vielleicht satt durch den Gewinn der Welt- und Europameisterschaft, haben sich nicht erfüllt. Der Weg zum EM-Titel führt nur über Spanien. Wie aber ist ihnen beizukommen?

Nur mit viel Glück im Spielverlauf oder mit Mut. Die Chancen, 3:2 zu gewinnen, scheinen nach den letzten Auftritten zu urteilen größer als die Aussicht auf einen 1:0-Erfolg. Vor allem trifft das für die deutsche Mannschaft zu, die offensiv über große Ressourcen verfügt.

Vielleicht findet Löw demnächst noch ein bisschen Zeit

Für die Spieler von Joachim Löw wäre jedoch vieles einfacher, wenn sie die Ausführung von Standardsituationen beherrschten. Mit einem Tor nach einem Freistoß oder einem Eckball kann man einen spielerisch überlegenen und an Körperlänge unterlegenen Gegner am leichtesten verunsichern.

Die Ungefährlichkeit der deutschen Nationalmannschaft in diesen Teildisziplinen ist jedoch fast schon berüchtigt. Vielleicht findet Löw in den nächsten Tagen doch noch ein bisschen Zeit, an den Standards im Spiel seiner Auswahl zu feilen.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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