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EM-Kommentar Löw geht in die Offensive

 ·  Joachim Löw beweist Mut und wird mit einem klaren Sieg belohnt. Er verändert seine Startformation auf vier Positionen und gibt damit ein Signal: Traut euch was!

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© dpa Motivieren, mitfiebern, analysieren: Löw lebt das Spiel seiner Mannschaft mit

Ein Trainer muss auch an ein erfolgreiches Team immer wieder neue Signale senden. Das Signal, das der Bundestrainer am Freitag in Danzig gab, war: Traut euch was, ich tue es auch. Löws Mut wies die Richtung für den am Ende begeisternden 4:2-Sieg gegen Griechenland. Es war kein Sieg gegen Laufkundschaft, sondern gegen ein Team jener tückischen Art, die allzu Vorsichtige bestraft; all jene, die glauben, es reiche, besser zu sein, um zu gewinnen. Das reicht aber nicht immer, man muss manchmal auch etwas wagen.

Der Trainer tat es, das Team tat es ihm nach. Seine großen Rochaden hat Löw nicht in unbedeutenden Spielen gewagt oder in solchen, in denen man einen Misserfolg noch korrigieren kann, wie in der EM-Vorrunde. Sondern da, wo die Fehlertoleranz gegen Null geht: in der K.o.-Runde eines großen Turniers, einer Chance, die nur alle zwei Jahre kommt.

Verbesserung erfordert Veränderung

So wie Löw bei der EM 2008 die Portugiesen mit der Umstellung auf das 4-2-3-1-System überraschte, so folgte er auch diesmal im EM-Viertelfinale der Idee, dass Verbesserung Veränderung erfordert. Diesmal nicht mit einer taktischen Umstellung, dafür mit drei Spielerwechseln und einer so noch nie so ausprobierten Offensive. Reus und Schürrle brachten mehr Beweglichkeit und Klose mehr Spielfluss in den Sturm, und nachdem die bewährten Defensivkräfte Lahm und Khedira den gordisch-griechischen Knoten durchschlagen hatten, gab es für den neuen deutschen Angriff kein Halten mehr.

Gomez, Müller und Podolski - also: den zweitbesten Torschützen der Champions League, den besten der letzten WM und den zweitbesten im Nationalteam der letzten acht Jahre - auf der Bank zu lassen, diese Entscheidung erforderte Mumm. Und das alles bei der „Schlacht um den Euro“, zu der englische Zeitungen das Duell von Danzig hochgeschrieben hatten.

Die Wagenburg der Griechen, deren Motivation von der finanzpolitischen Eiszeit zwischen Berlin und Athen und der Anwesenheit der Bundeskanzlerin gewiss nicht geschwächt wurde, hat für die Nationalelf unter Löw die bisher vielleicht tückischste Hürde dargestellt. Bisher war man, wenn es zählte, immer nur an den Spaniern gescheitert. Da hätte diesmal, da das deutsche Team für viele Experten die Lücke zum Welt- und Europameister geschlossen hat, eine Niederlage gegen Griechenland eine Blamage bedeutet - vielleicht sogar das Ende der Ära Löw.

Die große Mutprobe steht bevor

Nun aber hat die Mannschaft auf jeden Fall einen Klassiker vor sich, ein Halbfinale gegen England oder Italien. Beide möglichen Gegner haben sich, nach enttäuschenden Jahren, bei der EM mit neuen Trainern, neuen Spielern, neuen Konzepten neu erfunden. Auch Löw hat diese Fähigkeit zur stetigen Erneuerung am Freitag bewiesen. Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, wenn man am Ende die ganz große Mutprobe bestehen will: Spanien abzulösen.

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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