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Dienstag, 18. Juni 2013
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EM-Kommentar Das Gebot Bescheidenheit

 ·  Diese spanische Generation wird als die bisher beste in die Fußball-Geschichte eingehen. Das Einmalige an dieser Ära ist, dass sie keinen Superstar hervorgebracht hat. Das ist der Grund, warum die Hoch-Zeit so lange anhält und ein Ende nicht absehbar ist.

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© dpa Allesamt große Spieler - aber kein einziger Superstar: Das ist Spaniens Erfolgsrezept

Das Wort „historisch“ fiel nach dem EM-Finale häufig, und der Begriff bot sich an. Noch nie zuvor hat eine Fußball-Nationalmannschaft über einen Zeitraum von vier Jahren alles an großen Titeln gewonnen, was es zu gewinnen gab. Europameister 2008, Weltmeister 2010, Europameister 2012: Mehr geht nicht. Diese spanische Fußball-Generation wird als die beste in die Geschichte eingehen, die es bis jetzt in dieser Sportart gegeben hat.

Das Einmalige an dieser Ära ist, dass sie keinen Superstar hervorgebracht hat. Weder Xavi noch Iniesta, weder Torres noch Casillas haben diesen Status der Verehrung erreicht wie ihn ein Messi, ein Cristiano Ronaldo, ein Rooney, ein Zidane, ein Maradona genießen oder genossen haben.

Dieses Phänomen ist der Grund dafür, dass die spanische Hoch-Zeit so lange anhält und ein Ende nicht absehbar ist. Die „Furia Roja“ ist kein fragiles Gebilde, das geführt wird oder gar abhängig ist von einem Einzelnen. Sie wird von vielen Säulen getragen, die sich gegenseitig stützen.

Das Team ist nicht nur eine verblüffende Ansammlung schierer Begabung, sondern auch eine bescheidener Charaktere. Die vier kurzbeinigen Haupt-Protagonisten des Tiki-Taka, Xavi, Iniesta, Silva und Fàbregas, die defensiven Mittelfeldspieler Busquets und Xabi Alonso, die Innenverteidiger Pique und Sergio Ramos, den Towart Casillas und den Stürmer Torres verbindet die selbe Eigenschaft: die Abwesenheit jeglicher Egozentrik.

FAZ.NET-Torvideo: Silva hält den Kopf hin

Die Hoffnung der Konkurrenz hat sich zerschlagen, diese Spieler könnten durch Erfolge satt oder ihre Einheit durch die Rivalität zwischen Real Madrid und dem FC Barcelona gesprengt werden. Die Irritation, von Real-Trainer Mourinho ausgelöst, wurde durch ein Telefonat zwischen den Anführern Xavi (Barcelona) und Casillas (Real) bereinigt.

Zu dieser Mannschaft bildet Trainer del Bosque die ideale Ergänzung. Der 61 Jahre alte del Bosque ist eine Vaterfigur: integer, vertrauenserweckend, unaufgeregt - ein Fußball-Lehrer im besten Sinne des Wortes. Einer, der durch Wissen und Erfahrung glänzt - und nicht mit Motivationstricks, Atemübungen oder Ernährungsfachwissen. Cesc Fàbregas gehört zu seinen Lieblingsschülern, dennoch hat der Mittelfeldspieler, der für 34 Millionen Euro von Arsenal zu Barcelona wechselte, keinen Stammplatz sicher.

Das Finale in Bildern: Xavis Maßanfertigung

Torres erzielte bei diesem EM-Turnier drei Tore, was reichte, um Torschützenkönig zu werden. Aber del Bosque sah den Mittelstürmer des FC Chelsea trotzdem nur als Alternative und nicht als beste Waffe. Die Stars machten das Wechselspiel mit, ohne zu murren, weil sie davon überzeugt sind, dass ihr Trainer nach bestem Wissen und Gewissen handelt. Nach dem Endspiel betonte del Bosque nicht etwa sein Können oder das seiner Spieler, sondern unterstrich, wie viel Glück seine Mannschaft benötigte, um 4:0 gegen Italien zu gewinnen.

Diese Aussage ist nicht nur ein Beleg von Bescheidenheit, sondern auch von Realitätssinn. Auch Spanien könnte in einem Spiel ähnliches Pech widerfahren wie dem italienischen Team im Finale, das durch Verletzungen in die Unterzahl geriet. Deshalb wäre es vermessen zu behaupten, dass der Serientriumphator auch bei der WM in Brasilien seinen Siegeszug fortsetzen würde. Aber solange das spanische Klasse-Kollektiv besteht, hat es jeder Herausforderer extrem schwer.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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