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Mittwoch, 19. Juni 2013
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EM-Kommentar Bilderflut und Wortmüll

 ·  Jedes große Fußballturnier der letzten Jahrzehnte hat seine medialen Aufregungen produziert, doch das Rad scheint sich immer schneller zu drehen. Die Bilderflut und der damit teils einhergehende Wortmüll tun nicht gut.

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© dpa Erst übers Ziel hinaus geschossen, nun plötzlich fast verunsichert: Mehmet Scholl

Wo findet das Wichtigste bei dieser Fußball-Europameisterschaft eigentlich statt? Auf der ZDF-Bühne am Strand? In den Fernsehkritiken von Zeitungen und Internet? Für ARD und ZDF, für Moderatoren, Kommentatoren, auch für Fachleute wie Mehmet Scholl und Oliver Kahn gibt es reichlich Haue; es ist eine teils maßlose Kritik und eine zerstörerische dazu.

Das lässt sich behaupten, ohne die senderinternen Debatten zu kennen, es reicht ein Blick in die vielen Blogs, wo Fernsehleute längst zum verbalen Abschuss freigegeben sind. Und nicht immer lässt sich erkennen, was noch Humor sein könnte. Manches muss als handfeste Bedrohung aufgefasst werden. „Wo sind eigentlich die Rostocker Hooligans, wenn man sie mal braucht? Wäre doch ’nen Katzensprung für die Jungs und sie könnten mal die ganz große Bühne nutzen“, ist da zu lesen - nichts anderes als die Aufforderung, dem ZDF auf Usedom einen gewalttätigen Besuch abzustatten.

Scholl wirkt nun fast verunsichert

Jedes große Fußballturnier der letzten Jahrzehnte hat seine medialen Aufregungen produziert, doch das Rad scheint sich immer schneller zu drehen. Natürlich sind die Sender nicht schuldlos am Grundton der aktuellen Kritik, weil sie selbst pausenlos die Grundregeln guten Fernsehens - emotionalisieren, unterhalten und informieren - verletzen und meist zu stark aufs Gefühl und aufs Geschwätz setzen.

Die Technik ermöglicht es, dass jeder Protagonist praktisch bis in die letzte Zelle gescannt wird. So wie das Fernsehen seine Distanz immer mehr verliert - und etwa Bundestrainer Löw nicht nur am Spielfeldrand zu sehen ist, sondern gegen die Absprachen auch zu hören mit einem erregten, verärgerten Ruf zu Lukas Podolski -, so wird auch jeder Fernsehschaffende zunehmend unbarmherziger angegangen.

Seit sich Mehmet Scholl in einer Kritik zu Mario Gomez in der Wortwahl vergaloppiert hat und dafür öffentlich abgewatscht worden ist, wirkt er zahmer, weichgespült, verunsichert fast. Er hat seine zupackende, frische Art der Fachkommentierung ein Stück eingebüßt, und wenn er dann auch noch die komplizierten Uefa-Regeln fürs Weiterkommen nach der Vorrunde nicht aus dem Effeff aufsagen kann, bekommt er gleich die nächste Breitseite. Fairplay sieht anders aus.

Die Zentralregie der Uefa sorgt für Ärger

Auch hat der europäische Fußballverband Uefa mit seiner Zentralregie den Sendern viel Ärger eingebrockt. Mit Szenen, die bislang beliebig ins Spielgeschehen geschnitten oder, im Gegenteil, unterdrückt wurden, was die wahren Abläufe unklar machte. Ein Beispiel gab es gleich im ersten Spiel der Gruppe D, dem 1:1 zwischen Frankreich und England. Nasri erzielte das Tor der Franzosen in der 39. Minute, der Zuschauer bekam es in der zweiten Halbzeit einfach so nochmals zu sehen (Nasri wurde nicht ausgewechselt) - vielleicht weil der Uefa die Partie zu langweilig erschien?

Sie scheint sich in einem Wettstreit mit dem Weltverband Fifa zu befinden, wer die tolleren Produktionen abliefert. Das WM-Finale 1974 in München wurde von nicht viel mehr als einer Handvoll Kameras verfolgt, heute sind dreißig und mehr pro Spiel im Einsatz. Die Bilderflut und der damit teils einhergehende Wortmüll tun nicht gut. Hintergründiges, Transparenz und Sachlichkeit geraten ins Hintertreffen. Dabei ist das Wichtigste und Spannendste bei dieser EM doch das, was zwischen den Toren passiert.

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