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EM-Kommentar Ans erste Etappenziel gezittert

 ·  Die deutsche Elf geht bei der Euro als Souverän aus der Gruppe B hervor. Ganz so sicher, wie der erste Eindruck scheint, war das Weiterkommen nicht. Die Last eines möglichen Scheiterns lag tonnenschwer auf den Schultern der Nationalspieler.

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© dpa Gut gezittert: Lange musste die deutsche Trainerbank auf das erlösende 2:1 warten

Gibt es das: eine zittrige Souveränität? Die deutsche Mannschaft ist als Tabellenführer mit neun Punkten aus der sogenannten „Todesgruppe“ in das Viertelfinale der Europameisterschaft eingezogen - besser geht es nicht. Aber trotzdem lag über dieser den Zahlen nach ganz klaren Sache mehr als nur ein Hauch von Unsicherheit. Der 2:1-Sieg im letzten Gruppenspiel gegen die Dänen war zwar verdient. Aber bis zur erlösenden 80. Minute mit Lars Benders’ Siegtreffer hieß es: Ein Törchen hier für die Skandinavier nach dem Törchen da für die Portugiesen beim 2:1 gegen die Niederländer - und der Traum vom ersten deutschen Titel nach 16 Jahren wäre schon zwei Wochen vor Turnierschluss ausgeträumt gewesen. Angesichts dieser besonderen Umstände zitterte sich der Souverän der Gruppe B an das erste Etappenziel. So paradox kann Fußball sein.

Diese gewisse Nervosität, trotz eines perfekten Starts gegen Portugal und die Niederlande mit zwei Siegen vielleicht doch noch in der Vorrunde zu scheitern, war allein durch selbstbewusstes Reden nicht zu vertreiben. Das hatte das Team von Joachim Löw tagelang vor dem Duell gegen die Dänen getan, in Lemberg aber waren ebensolche Taten gefragt. Von der ersten Minute an war zu spüren, wie sich die Deutschen ihre exzellente Ausgangsposition keinesfalls nehmen lassen wollten - um am Ende nicht wie die traurigen Russen einer großen verpassten Chance nachzutrauern. Aber die verdiente Führung durch Lukas Podolski nach zwanzig Minuten verleitete das Team zu Unvorsichtigkeit und Unkonzentriertheit, die Dänemark ganz schnell bestrafte.

Zweifel befiel die deutschen Spieler

Man spürte nun, wie der Zweifel die deutschen Spieler befiel, die plötzlich ungemein viel zu verlieren hatten. Nicht nur den sicher geglaubten Gruppensieg, sondern auch einen Weg bis ins Halbfinale, wie er günstiger kaum sein kann. In Danzig, vor der Haustür des Teams, hatten sich für Freitagabend schon die Griechen angemeldet, der große Außenseiter, den zu schlagen nicht die Herkulesaufgabe dieser EM sein sollte. Am Ende war es dann die große Substanz, die in dieser Mannschaft steckt, die gegen die Dänen den Unterschied ausmachte, auch wenn die Nerven versuchten, ihr einen Streich zu spielen. Sie setzte die Skandinavier ständig unter Druck, hielt sie vom eigenen Tor weitgehend, aber eben nicht immer fern - und erzielte dann den verdienten Siegtreffer.

Ein Scheitern des Jahrgangs 2012 in der Vorrunde wäre nicht weniger als die größte Enttäuschung seit fast zwanzig Jahren gewesen, als die damaligen Weltmeister ihre Titelverteidigung 1994 gegen Bulgarien bei der WM in den Vereinigten Staaten einfach verschenkten. Danach war das deutsche Ausscheiden bei großen Turnieren immer eine Folge von begrenzten Fähigkeiten, ebenfalls bitter, aber sportlich völlig verständlich. Der erlösende Treffer des Abends hat die Deutschen von dieser Last befreit.

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