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EM-Finale Zwei Spanier und die rote Furie

 ·  Fabregas und Ramos stehen vor dem EM-Finale am Sonntag Rede und Antwort. Sie finden lobende Worte für Endspielgegner Italien . Und sie sprechen von der Möglichkeit des Verlierens.

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© AFP Zusammenhalten für das große Ziel: Spanien steht im EM-Finale

Kiew macht sich schön für das Finale zwischen Spanien und Italien an diesem Sonntag (20.45 Uhr/Live im FAZ.NET-Ticker). Die Fanzone ist erweitert worden, 300.000 Blumen wurden am Spivoche-Ufer des Dnjepr eingepflanzt, die Stadt vibriert vor Fußball-Lust, es gibt kein anderes Thema unter den stolzen Hauptstädtern der City. Die Fans der Finalteilnehmer gehen im Stadtbild am Freitagnachmittag noch völlig unter. Kaum ein rotes Trikot der Furia Roja, kaum ein blaues der Squadra Azzurra ist zu sehen. Wenn, dann gehört es meistens einem ukrainischen Fußballfreund, der nach dem Ausscheiden seiner Mannschaft konvertiert ist.

Seit Donnerstag ist wenigstens die spanische Nationalmannschaft in der Stadt, natürlich abgeschirmt von der Öffentlichkeit. Frei zugängliches Training? Das ist ein Relikt aus dem vergangenen Jahrtausend. Einmal täglich wird das Fenster zum Team kurz geöffnet.

Am Freitagmittag übernehmen Cesc Fabregas und Sergio Ramos, die beiden Helden des Halbfinal-Elfmeterschießens gegen Portugal, die Aufgabe, etwas von der roten Furie preiszugeben. Das Ambiente ist erstklassig, nur die Farbe passt nicht - das Blau von Dynamo Kiew. Oligarch Grigori Surkis hat nicht nur in Beine investiert, das Dynamo-Stadion mit allen Funktionsräumen entspricht westlichem Niveau.

100 Journalisten inklusive eines Dutzends Kamerateams sind ins Pressezentrum des ukrainischen Spitzenklubs gekommen. Die aufgeladene Atmosphäre entspannt sich, eine Minute nachdem die Fußballstars das Podium betreten haben. Dann sind die Fotografen vom Podium verscheucht, das hektische Klicken der Kameras verstummt.

Professionell managt die Pressebeauftragte die Fragen der Journalisten, professionell antworten ihre Nationalspieler. Dabei machen sie im Gegensatz zu manchem deutschen Nationalspieler nicht den Eindruck, dass sie sich belästigt fühlen. Spanier halten nicht nur den Ball länger in den eigenen Reihen, sie reden auch länger darüber.

„Wir waren die Konstantesten im Turnier“

Spektakuläres geben auch sie meist nicht von sich. „Das Team ist wichtiger als der Einzelne, Italien ist ein großer Gegner, wir wollen weiter Geschichte schreiben.“ Alles schon mal so oder leicht abgewandelt gehört. Aber ein paar Sätze formulieren sie doch, die notierenswert sind.

„Wer das Finale auch gewinnen wird, er wird der richtige Champion sein“, behauptet Fabregas. „Beide Teams haben den Titel verdient, wir waren die Konstantesten im Turnier.“ Auffällig, wie er und Sergio Ramos über die Möglichkeit des Verlierens sprechen. Beide scheint eine Finalniederlage nicht besonders zu schrecken.

„Der Titel wäre die Kirsche auf dem Kuchen. Auch ohne ihn könnten wir stolz nach Hause zurückfahren“, sagt Ramos und fügt an: „Wichtig ist doch, dass man sagen kann, alles für den Erfolg getan zu haben. Und härter, als wir es getan haben, kann man nicht arbeiten.“ Der Verteidiger von Real Madrid wirkt wie ein Verkäufer seiner Mannschaft - alles gut, alles schön, alles richtig. Fabregas, der Mittelfeldspieler des FC Barcelona, traut sich, auf Dinge einzugehen, die nicht so optimal gelaufen sind.

„Ja, wir wollen und müssen offensiv besser werden. Wir arbeiten in jedem Training daran.“ Auch, dass sein Freund und Konkurrent Iniesta Teil dieser Flaute im Sturm ist, bestätigt Fabregas: „Iniesta hatte eine schwierige Saison, gestört durch viele Verletzungen. Aber er ist kreativ, er ist anders, er treibt den Ball nach vorne, das Team schaut immer, was er macht.“

Diese Antwort ist Ramos eine Spur zu negativ, er nimmt spontan das Mikrofon, bevor die nächste Frage gestellt werden kann: „Iniesta ist einer der größten Fußballer, die unser Land je hatte, wir sind alle stolz auf ihn“, sagt er, bevor er ergänzt: „Ja, wir haben uns gegen Portugal schon sehr auf die Defensive konzentriert.“

Nach einer knappen Dreiviertelstunde wird das Frage-Antwort-Spiel beendet, das Fenster schließt sich wieder. Rhetorisch haben die Spanier schon die Balance zwischen Offensive und Defensive gefunden. Sie hinterlassen irgendwie den Eindruck, dass ihnen das auch am Sonntag gegen Italien auf dem Spielfeld gelingen wird.

Fußball-EM 2012: Müde Spanier

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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