Die Kanzlerin sprang auf der Ehrentribüne des Danziger Stadions freudig von ihrem Platz hoch, während sich Miroslav Klose unten auf dem Feld von seinen Kollegen feiern ließ. Geschafft. Das dritte deutsche Tor an diesem Abend zum 3:1 gegen die Griechen gehörte ihm - und es war ein ganz besonderer Treffer in der 68. Minute.
Nicht nur, dass damit der schwierige Gegner so gut wie bezwungen und das Halbfinale dieser Fußball-Europameisterschaft erreicht war. Nachdem Klose in den ersten drei EM-Spiele nicht zur Stammelf gehört hatte, konnte er nun wieder zeigen, zu was er in der Lage ist - und das auch noch vor dem polnischen Publikum, das ihm die Daumen drückte, wurde er doch hier geboren. Die Klose-Show war am Ende wieder ein Beispiel für Kampfgeist und unermüdlichen Einsatz, aber auch spielerisches Können. Als er in der 80. Minute von Bundestrainer Joachim Löw für Mario Gomez ausgewechselt wurde, gab es reichlich Applaus von den Rängen.
Man hatte von der deutschen Teamleitung immer darauf hingewiesen, dass Klose natürlich weiterhin durch seine Schnelligkeit und Ballsicherheit eine Komponente für das geforderte Kombinationsspiel sei und im gegnerischen Strafraum immer noch über starke Abschlussqualitäten verfüge - per Fuß und Kopf. Damit sollten auch die Zweifel zerstreut werden, der 34 Jahre alte Oldie könnte aufgrund einer langen Verletzungspause in der Saison nicht mehr den Anschluss finden.
Stürmischer Beginn
Er begann auch gleich sehr stürmisch gegen die Griechen. Rasant zog er in den gegnerischen Sechzehnmeterraum - und hätte schon in der ersten Minute die Führung erzielt, wenn er beim Pass von Mesut Özil nicht im Abseits gewesen wäre. Nur eine Minute später war Klose sogar zu schnell, das Zuspiel des erstmals aufgebotenen Marco Reus landet vor dem griechischen Tor in seinem Rücken.
Kloses Einsatz für den bislang dreifachen Torschützen Gomez lag in den taktischen Erfordernissen gegen die griechische Mauertaktik begründet. Um den sich tief in der eigenen Hälfte verschanzenden Gegner zu zermürben und dessen Riegel, die aus zwei Viererketten vor dem eigenen Sechzehnmeterraum bestand, nach und nach aufzubröseln, musste auch ein Spielertyp wie Klose her. Kein richtiger Mittelstürmer, der allein nur bedingungslos auf den Torabschluss fixiert ist, sondern stattdessen eine Offensivkraft, die sich an Tempokombinationen beteiligen kann, um die Griechen aus ihrer defensiven Balance zu bringen.
Wendig, dribbelstark, risikoreich, raffiniert
Wendig und dribbelstark, auch mal risikoreich und raffiniert. Der Plan ging auf. Kloses Agilität fiel auf, fast an allen gefährlichen Situationen war er meist zusammen mit Özil, Reus und Schürrle beteiligt. Klose pendelte im vorderen Mittelfeld oft hin und her, ließ Reus mal ins Zentrum hereinkommen und fiel dafür selbst ab auf die rechte Seite. Diese Unruhe beschäftigte die griechische Abwehr, aber ließ sie in der ersten Halbzeit noch nicht bedenklich wanken.
Kloses Rückkehr hatte in diesem Spiel auch mit Özil zu tun, dessen Spielmacher-Qualitäten noch nicht so zur Entfaltung gekommen waren. Auf seine „Explosion“, wie der Bundestrainer es formulierte, warteten die Deutschen noch in diesem Turnier. Klose als patente Anspielstation sollte ihm behilflich sein, mehr gefährliche Situationen zu kreieren und den Ball öfter noch in die Laufwege der Offensivkollegen zu transportieren.
Wie es vorbildlich laufen kann, zeigte eine Traumkombination in der 23. Minute, als der Ball schnell zwischen Reus, Klose, und noch mal Reus wechselte und dann aber Özil den Ball auf das perfekte Zuspiel nicht im griechischen Tor unter bekam. Den ersten Treffer erzielte dann aber doch erst Philipp Lahm auf altdeutsche Weise - per Weitschuss.
Klose war übrigens der einzige Spieler in dieser Mannschaft, der über Griechenland-Erfahrung verfügte. Aber das war lang her. In seinem zweiten Länderspiel vor elf Jahren erzielte er als Novize im Team in einem WM-Qualifikationsspiel einen Kopfballtreffer. Vor diesem EM-Viertelfinale hatte er immer wieder betont, wie gut er sich fühle und auf einen Einsatz brenne. „Ich bin gut drauf, ich warte auf meine Chance“, sagte er immer wieder auf Nachfragen.
Ecke Özil, Kopfballtor Klose
Nach einer Ecke von Özil in der 68. Minute war es dann so weit: Klose nutzte den Fehler des gegnerischen Torwarts gekonnt per Kopf zum 3:1. Nur eine Minute später hätte er gleich noch einmal zuschlagen können, doch diesmal parierte der Torwart. So kommt Klose nun in 120 Länderspiele für Deutschland auf 64 Treffer und robbt sich gegen Ende seiner Schaffenszeit als Fußballprofi weiter und weiter an den Torrekord Gerd Müllers (68) heran.
Für Löw war derweil der Plan aufgegangen - mit Klose, aber auch Reus und Schürrle. Bis zum gestrigen Spiel war er noch sehr zurückhaltend mit seinen Einwechseloptionen umgegangen. Noch nie hatte ein Bundestrainer zuvor nur 15 Spieler des Kaders in der Gruppenphase einer Europameisterschaft eingesetzt. Seit dem Griechenland-Sieg sind Reus, der mit einem Volleyschuss das sehenswerte 4:1 erzielte, und schließlich auch noch Mario Götze hinzugekommen.
Der Kreis der enttäuschten, bisher nicht berücksichtigten Nationalspieler wird damit etwas kleiner - womit zugleich das Frust-Potential für die letzte, entscheidende Woche sinkt. Bei Klose sowieso.
So überzeugend habe ich die deutsche....
Closed via SSO (JohnBrown)
- 23.06.2012, 19:10 Uhr
Özil und Reus haben das Zeug...
Faruk Yalcin Dinc (fereli)
- 23.06.2012, 18:44 Uhr
Endlich mit Klose....
Johannes Grün (ppjjll)
- 23.06.2012, 17:52 Uhr
Was wird wohl Mehmet sagen?
Richard Schessner (schessman)
- 23.06.2012, 16:24 Uhr
Teambuilding ist real
Christoph Rohde (prediger1)
- 23.06.2012, 15:23 Uhr