Sein Zwillingsbruder Sven hat ihm zwei Meistertitel und einen Pokalsieg voraus, aber seit Sonntagabend kann Lars Bender mit bestem Gewissen behaupten, im ewigen Zweikampf mindestens gleichgezogen zu haben.
Sein Siegtreffer zum 2:1 über Dänemark, der das Zittern der deutschen Fußball-Nationalmannschaft um den Einzug ins EM-Viertelfinale beendete, rückte erstmals einen der Rosenheimer Bender-Buben ins Bewusstsein jener Deutschen, die Fußball nur bei Welt- und Europameisterschaften verfolgen und sonst nur aufhorchen, wenn Namen wie Özil, Schweinsteiger oder Gomez fallen.
Die Bundesligakenner wissen natürlich, dass die Benders zu den laufstärksten Spielern der höchsten deutschen Spielklasse gehören. Dass sie im zentralen Mittelfeld ihrer Klubs, Lars für Bayer Leverkusen, Sven für Borussia Dortmund, einerseits ihre Gegenspieler kompromisslos stören, ja fast schon quälen, andererseits durchaus in der Lage sind, einen vernünftigen Ball nach vorne zu spielen.
Da auf dieser Position aber in der Nationalmannschaft gerade ein Überangebot an Spielern besteht und mit Schweinsteiger und Khedira ein Duo unbestrittener Klasse Bundestrainer Joachim Löws Vertrauen genießt, schien für die Zwillinge kein Platz bei dieser EM. Sie galten in den Vorbereitungs-Trainingslagern als Streichkandidaten.
„Ich habe ihn dort drei oder vier Mal im Training getestet“
Doch dann entfaltete Lars in den Übungsspielchen der Nationalmannschaft sein Talent in der Rolle des rechten Außenverteidigers, und schon war er dabei. „Lars Bender hat im Training gezeigt, dass er die Position extrem gut begleiten kann. Er gefällt mir dort sehr gut. Ich habe ihn dort drei oder vier Mal im Training getestet. Er gibt mir ein gutes Gefühl, dass ich ihn jederzeit bringen kann“, begründete Löw am 29. Mai dessen EM-Nominierung.
In diesem Moment, als Löw bei der offiziellen Nominierungs-Pressekonferenz diese Sätze sagte, habe er zum ersten Mal gemerkt in welche Richtung es für ihn gehen könnte, behauptete Lars Bender am Montag.
Diese Position des rechten Außenverteidigers ist die Leerstelle der deutschen Nationalmannschaft, seit Jahren sucht Löw eine überzeugende Besetzung. Der Bundestrainer entschied sich zur EM für Jerome Boateng als Nummer 1 an der rechten Seitenlinie, der früher ein guter Außenverteidiger war, aber bei Bayern München gerade eine gute Saison als Innenverteidiger hinter sich gebracht hat - was das deutsche Dilemma allein schon beschreibt.
Als Boateng nach zwei Gelben Karten in den ersten beiden Gruppenspielen gegen Portugal und die Niederlande gesperrt war, schlug Benders Stunde. In seinem neunten Länderspiel stand der Leverkusener erstmals in der Startelf.
50 Meter Laufweg - mit höchst ungewissem Ausgang
Es lief gegen die Dänen anfangs nicht allzu glatt für den 23 Jahre alten Profi: Ein paar Stellungsfehler, ein paar wackelige Zuspiele, ein bisschen zu viel Zurückhaltung in der Vorwärtsbewegung. Und dann gab er beim Ausgleichstreffer der Dänen eine unglückliche Figur ab. Er konnte den Torvorbereiter Bendtner nicht mal ansatzweise bei dessen Kopfballvorlage für Krohn-Dehli bedrängen, obwohl er sich in dessen unmittelbarer Nähe aufhielt.
Danach jedoch ackerte sich Bender in die Partie, und machte seine Sache bis zur 80. Minute sehr solide, ohne allerdings besonders aufzufallen. Doch dann kam sein großer Auftritt - ein echter Bender. Wenige Abwehrspieler haben die Kondition und den Willen, in der Schlussphase einen Konter über 50 Meter mitzugehen, mit der höchst ungewissen Aussicht, am rechten Rand des Spielfeldes an den Ball zu kommen.
Lars Bender raffte sich auf und als Klose im Zentrum Özils Zuspiel verpasste, stand er auf halbrechter Position einschussbereit. Ganz kühl und überlegt schloss er den Konter mit einem Volltreffer ab. „Mir blieb gar nichts anderes übrig als den Ball reinzuschießen, sonst hätte ich ja die ganzen 80 Meter wieder zurücklaufen müssen“, kommentierte der Schütze hinterher lässig.
Ein Satz und ein Tor, die als Ausdruck seiner Persönlichkeit gelten dürfen. „Er ist ein cooler Junge“, sagt Löw über Lars Bender. Der Oberbayer gehört mit seinem Zwillingsbruder Sven, mit Mats Hummels, Mario Götze und Toni Kroos zur neuen Spielergeneration, die schon in jungen Jahren durch Selbstbewusstsein und Intelligenz auffällt.
„In dem Moment, wo man es gesagt bekommt, ist es schmerzhaft“
„Als ich Lars sagte, dass er gegen Dänemark spielen würde, da sagte er: ,Das freut mich, Trainer.’ Das drückt doch schon alles aus. Lars ist wie sein Bruder Sven ein Siegertyp und extrem positiv und ehrgeizig.“ Dieser Ehrgeiz drückte sich lange auch im Zweikampfverhalten der Brüder gegeneinander aus. „Keiner konnte gut ertragen, wenn der andere etwas besser konnte. Wir haben uns richtig hochgeschaukelt“, beschrieb Lars Bender einmal die fußballerische Jugendzeit in der Familie.
Inzwischen gönnen sie sich alles. Sven drückt im Urlaub Lars für die EM die Daumen, obwohl ihn sein Bruder gewissermaßen aus dem EM-Aufgebot kegelte. „Wir telefonieren täglich“, sagte Lars in einem Interview mit der Rheinischen Post und beschrieb, wie sein Bruder mit der Zurücksetzung fertig wird: „Es war fast vorauszusehen, dass einer von uns nicht dabei sein würde, eventuell beide nicht. In dem Moment, wo man es gesagt bekommt, ist es schmerzhaft. Aber wir sind jung. Deshalb sagt er, dass er 2014 zur WM wieder angreift.“
Vielleicht sollte sich auch Sven als rechter Außenverteidiger versuchen, denn er bringt die gleichen Qualitäten wie sein Bruder mit. Sie sehen sich nicht nur zum Verwechseln ähnlich, sie spielen auch ähnlich Fußball. Des Bundestrainers Lob für seinen Bruder kann sich auch Sven anrechnen: „Der Lars bringt alle Voraussetzungen mit, um Außenverteidiger zu spielen. Er ist enorm laufstark, enorm zweikampfstark, gut im Passspiel und vor allem hoch belastbar.“
Was man beim Sprint zum Siegtreffer gesehen hat. Bei Bayer Leverkusen hat er vor drei Jahren zuletzt auf dieser Position gespielt, ganze drei Mal half er damals aus. Für ihn sei das Ganze dennoch kein Hexenwerk. „Ich bin da nicht beheimatet, aber ich hab da jetzt über die ganze Vorbereitungsphase gespielt und habe mich wohlgefühlt.“
„Es ist etwas Besonderes, ein absoluter Freudentag“
Der Unterschied zu einer zentralen Position sei das Stellungsspiel: „Du darfst keinen Zentimeter falsch stehen. Da kann ich mir von Philipp Lahm eine Menge abschauen. Am Anfang war es nicht leicht, aber ich bin gut dirigiert worden.“ Mit dem Tor habe er nicht gerechnet: „Es ist etwas Besonderes, ein absoluter Freudentag. Ich werde noch lange an diesen Tag zurückdenken.“
Ob Lars Bender nach seiner Leistung auch gegen Griechenland erste Wahl sein wird, ließ Löw offen. „Boateng hat auch sehr gut gespielt“, meinte der Bundestrainer nur. Für Bender wäre das kein Problem. „Ich bin nicht in einer Position, dass ich übermäßig enttäuscht wäre, überhaupt nicht zu spielen“, hatte er vor der EM gesagt. Seine persönlichen Erwartungen für dieses Turnier hat er schon gegen Dänemark bei weitem übertroffen.
"Siegertyp" - Löw dreht sich alles zurecht
Hugh Greene (hughgreene)
- 20.06.2012, 14:55 Uhr
Löws
Richard Pfla (RP24)
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Herbert Sauerbier (simon-says)
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Gustav Gessing (GDrei)
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@Volker Kulessa
Christian Fink (Christian_Fink)
- 19.06.2012, 15:26 Uhr