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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Gomez und das Ganze Nur das „Wir“ zählt

 ·  Der Münchner Stürmer gilt als sehr gutes Beispiel dafür, wie Mannschaftsgeist funktioniert. Hier sehen die Deutschen ihre Stärke. Löw bleibt unberechenbar.

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© dpa Unberechenbar: Gomez (r.) weiß nicht, wie Löw (l.) plant

Mario Gomez hat es derzeit im Teamkreis nicht einfach. Immer mal wieder wird er von einem der Kollegen herausgefordert. Gerade die jungen Spieler kennen da keinen Respekt vor dem großgewachsenen, bald 27 Jahre alten Angreifer von Bayern München. Jetzt hat der Blondschopf Marco Reus zugegeben, dass er alles herausholen wolle, um Gomez endlich eine Lektion zu erteilen.

Sorgen um den Mannschaftsfrieden muss sich der Bundestrainer allerdings nicht machen. Es geht um den internen Schönheitswettbewerb der am besten gestylten Haare. Und da schrumpft offenbar Gomez’ Vorteil, was nicht bedeutet, dass ihn das besonders beunruhigen würde. „Ich musste lachen. Marco hat es mir selbst erzählt. Schön, das zeigt doch sein Selbstbewusstsein.“

Gomez ist gerade vom Vormittagstraining gekommen. Er hat geduscht, wieder einen dieser offiziellen schwarzweißen Trainingsanzüge übergezogen und sitzt nun da. Ganz locker im Sessel. Durch die großen Panoramafenster im Mannschaftsquartier sieht man in den Wald, unten plätschert ein Bach.

Es sind die Momente zwischen Ruhe und Hochspannung. Es geht in die entscheidenden Tage bei dieser Europameisterschaft. Vieles schwirrt einem da als Spieler durch den Kopf, der Stress, die Hoffnung, das große Ziel. Er weiß noch nicht einmal, ob er im Halbfinale am Donnerstag in Warschau gegen die Italiener von Bundestrainer Joachim Löw aufgestellt wird.

Trotzdem wirkt Gomez gelassen, kann über die Späße lachen, die nach Wochen der gemeinsamen Arbeit in der Mannschaft kursieren, und einen teilhaben lassen an seinen Gedanken.

Wann wäre das Turnier eigentlich für ihn erfolgreich? „Ich will ins Finale, und ich will Europameister werden. Aber das hängt natürlich noch von so vielen Komponenten ab. Ich finde, wenn wir am Ende als Mannschaft sagen können, dass wir unabhängig vom Titelgewinn alles für den Erfolg getan haben, dann können wir mit uns im Reinen sein. Ich versuche auf jeden Fall, die letzten Tage noch mal alles aus mir rauszuholen“, sagt Gomez.

Auf und Ab - Gomez kennt das

Er spricht fast nie in der Ich-Form. Dafür benutzt er viel öfter das Wörtchen „wir“ und betont die Gemeinsamkeiten innerhalb des deutschen Kaders. Er stelle sich lieber in den Dienst der Mannschaft, als eigene Befindlichkeiten zu hoch zu bewerten, sagt er.

Gomez sieht sich als Teamplayer. Er ist wohl ein sehr gutes Beispiel dafür, wie Mannschaftsgeist funktioniert, wenn schon immer davon die Rede ist im Fußball. Gomez startete stark, erzielte in den ersten zwei EM-Spielen drei Tore, erhielt von außen dennoch Kritik.

Im Viertelfinale setzte Bundestrainer Löw auf eine andere Offensivformation und brachte für Gomez wieder Miroslav Klose. Ein Auf und Ab auch bei dieser EM für den Münchner Angreifer - das kennt er ja. „Das war für mich kein Weltuntergang und auch kein Rückschritt. Ich habe mich nach dem Spiel genauso gefreut wie alle anderen, dass wir im Halbfinale sind“, sagt Gomez.

Interessante Beobachtungen bei den Franzosen

Rückschläge hat er schon einige erlebt - gerade im Nationalteam. Wenn er drei Tage vor dem Halbfinale gegen Italien von sich erzählt, erhält man den Eindruck, dass Gomez gerade aus dem Mannschaftsgedanken viel Kraft für sich gezogen hat. „Bei der Weltmeisterschaft in Südafrika war ich die Nummer 17, 18 oder 19 und habe mich immer für die Spieler gefreut, die von der Bank kamen und spielen durften. Letztlich lebt eine Mannschaft davon. Ich finde es am schönsten, wenn man erfolgreich ist und viele Spieler davon partizipieren können. Dann kann man wirklich von einer Teamleistung sprechen“, sagt er.

Zugleich könnte es wirklich einer der entscheidenden Parameter neben der Tagesleistung für den angestrebten Triumph sein, wenn der Zusammenhalt in der Mannschaft sich nicht nur auf einige Spieler oder Vereinsgruppen beschränkte. Wenn wirklich bis zum Ende gemeinsam am EM-Strang gezogen wird.

Gomez will da schon einige interessante Beobachtungen gemacht haben. Zum Beispiel hätte man im Spiel Spanien gegen Frankreich bei den Wechseln der Franzosen in den Gesichtern der Spieler ablesen können, was da im Team los sei.

„Ein gemeinsamer Wille“

„Das ist bei uns nicht so. Wir halten zusammen. Darauf können wir Spieler, aber kann auch Deutschland stolz sein“, sagt er. Nicht nur die Franzosen offenbarten nun bei ihrem Ausscheiden, dass die Mannschaft nicht in Takt ist.

Schon die mitfavorisierten Niederländer gingen zuvor unter - mit null Punkten in der Gruppenphase und viel Krach zwischen den Stars. Hier sieht Gomez den großen Vorteil des deutschen Teams, das auch von der Unterstützung der Spieler lebt, die mit der Enttäuschung leben müssen, nicht zur Stammelf zu gehören.

„Es ist ja nicht so einfach, wenn man als Spieler die ganze Gruppenphase draußen sitzt und die Mannschaft alles gewinnt. Es ist da nicht unbedingt üblich, dass sich dann alle mitfreuen. Bei uns aber sieht man, dass ein gemeinsamer Wille vorhanden ist, ins Finale zu kommen - egal mit wem. Das Wichtigste ist, dass wir zusammen nach Kiew zum Finale fahren und gewinnen.“

Löws Unberechenbarkeit

Bleibt vor dem Italien-Spiel noch die spannende Frage für Gomez, ob er wieder ran darf als Stürmer oder der Kollege Miroslav Klose vom Bundestrainer den Vorzug erhält - wie gegen Griechenland. Löws derzeitige Unberechenbarkeit bei der Aufstellung der Mannschaft macht es nicht leichter, die richtige Antwort zu finden.

Selbst Gomez weiß angeblich nicht, wie der Bundestrainer derzeit plant. Am Ende wäre er natürlich erst einmal enttäuscht, wenn es wieder nicht klappte bei dieser EM. Er könnte ja noch Torschützenkönig des Turniers werden.

Doch für Gomez gibt es derzeit weitaus höhere Ziele. Dafür würde er die Selbstverwirklichung auf dem Platz sogar für weniger wichtig sehen. „Wie Miro habe auch ich das eigene Ego noch nie über die Mannschaft gestellt. Und so ist es in allen Mannschaftsteilen bei uns.“

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Jahrgang 1965, Sportredakteur.

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