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Fußball-Nationalmannschaft Eine Geste an den Gastgeber

 ·  Einzug ins Teamhotel, ein entspannter Joachim Löw und ein öffentliches Training in Danzig: Die deutsche Nationalmannschaft betritt polnischen Boden und beginnt ihre EM-Mission.

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© dapd Training der deutschen Nationalmannschaft: Die polnischen Fans sind erwartungsfroh

Auf dem verbeulten Stahlcontainer, der den Spielern wohl als Umkleidekabine dienen soll, steht „Klub Sportowy Olivia“. Das Fußballfeld davor ist ein ziemlicher Acker, von seinen Unebenheiten geradezu prädestiniert für alle Arten von Bänderverletzungen. Ein wahres Stillleben auch die beiden alten Holztore, die nicht mehr ganz so vertrauenswürdig in der Gegend herumstehen. Aber zum Quartier der deutschen Nationalelf sind es ja noch einige hundert Meter, es wäre auch eine Zumutung, wenn die besten Kicker der Nation sich unter solch widrigen Bedingungen einer Kreisklassenmannschaft auf den EM-Start vorbereiten müssten.

Die zwei Polizisten in ihren blauen Uniformen schauen schon ganz neugierig, sobald sich ein Wagen ohne Spezialausweis nähert. Sie schauen freundlich drein, aber sagen dann doch „Stopp“. Hinter der Barriere geht es zum neuen Domizil der deutschen Mannschaft, einem Hotel etwas außerhalb von Danzig, gar nicht weit weg vom Ostseebad Sopot. Vom hiesigen Airport werden die EM-Spielorte dann jeweils angeflogen. Eine schöne ruhige Gegend, dicht bewaldet mit saftig grünen Wiesen dazwischen.

70 Zimmer für den DFB-Tross

Der Danziger Zoo ist nur einen Kilometer entfernt, in Nachbarschaft zu den deutschen Gästen arbeitet das wasserwirtschaftliche Institut. Alle 70 Zimmer der Unterkunft wurden vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) gemietet, zu den 23 Spielern kommt ein Team hinter dem Team von noch einmal 34 Mitgliedern. Mehrere Zimmer dienen darüber hinaus als Konferenzräume, zur ärztlichen oder physiotherapeutischen Behandlung, als Bereich für Freizeitaktivitäten mit Billardtischen und Computerspielkonsolen.

Vom Trainingslager in Südfrankreich sowie aus der Verbandszentrale in Frankfurt haben mehrere große Laster mit Hänger die Ausrüstung nach Danzig gebracht. Ein Vorkommando um den Organisationschef und Leiter des Nationalmannschaftsbüros, Georg Behlau, richtete das Quartier in den vergangenen Tagen ein, bis dann am Montagnachmittag die Mannschaft per Flug aus Frankfurt eingetroffen ist.

Ein entspannter Bundestrainer

„Ich gehe sehr entspannt in diese Woche“, hatte Bundestrainer Joachim Löw zuvor behauptet, obwohl nach einer holprigen Vorbereitung doch noch einige Schwierigkeiten zu überwinden sind. So steht noch nicht fest, ob Bastian Schweinsteiger in den nächsten Tagen den nötigen Fitnessstand erreichen wird, um am Samstag in Lemberg im ersten Gruppenspiel gegen Portugal doch dabei zu sein. Nun meldeten sich die Vereinsverantwortlichen von Borussia Dortmund zu Wort, die sich nicht damit einverstanden erklärten, dass ihre Spieler vom Bundestrainer noch nicht auf einem ganz so hohen internationalen Niveau gesehen werden wie die Champions-League-Bayern, auf die Löw wohl zum EM-Start vor allem setzen wird.

Am Abend absolvierte Löws Team zum Einstand ein öffentliches Training im alten Stadion von Lechia Danzig, wo dann auch täglich die meisten Trainingseinheiten stattfinden werden. Wegen der gebürtigen Polen Lukas Podolski und Miroslav Klose in der deutschen Elf, die gerade im Fall von Podolski in ihrer alten Heimat eine sehr große Beliebtheit genießen, fand die Extravorstellung große Resonanz. Etwa 11.000 Karten wurden vorab innerhalb weniger Stunden verteilt. „Wir sehen das als freundliche Geste an unsere Gastgeber und wollten den polnischen Fußballfans damit gleich unsere Aufwartung machen“, sagte Behlau.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Wie schon in Südafrika verfügen die Deutschen über einen weiteren Platz direkt am Hotel, der eigens für sie dort angelegt wurde. Arbeiter umspannten das Feld noch mit blickdichter Folie. Es weist darauf hin, dass der Bundestrainer die eine oder andere wichtige Trainingseinheit hier abhalten wird - unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Bei Flanken auf dem Hotelplatz sollten sich die Nationalspieler allerdings auf veränderte Verhältnisse einstellen, ist das Spielfeld doch zehn Meter schmaler als üblich. Dies liegt nicht an einem Versehen der Erbauer, wie Behlau betonte, sondern daran, dass ansonsten für eine Anlage mit Standardbreite eigens Bäume gefällt und ein Bachbett hätte umgeleitet werden müssen.

Die Sonne blinzelte durch die Wolken, als die Nationalelf eintraf. Das Wetter an der Küste ist derzeit besser als im verregneten Landesinnern. Und den ersten deutschen EM-Erfolg gibt es auch zu vermelden: Die diesjährige Turnier-Mission befindet sich schon jetzt in der Gewinnzone - zumindest finanziell. Mit den acht Millionen Euro, die jede Mannschaft für die Gruppenphase erhalten wird, ist der organisatorische Aufwand für Quartier und Trainingslager lange getragen. Das Team, das am Ende sehr erfolgreich ist und den Titel gewinnt, kann sogar fast 24 Millionen Euro aus dem Pott des Europäischen Fußballverbandes einspielen.

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Jahrgang 1965, Sportredakteur.

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