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Mittwoch, 19. Juni 2013
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EM-Kommentar Tückisches Spielfeld

 ·  Das gesellschaftliche Spielfeld, auf dem sich der deutsche Fußball bei dieser EM bewegt, ist so groß wie nie zuvor. Wo dort neben den Chancen für Verband und Spieler auch die Grenzen liegen, ist fraglich.

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© dpa Bundestrainer Joachim Löw mit einer Delegation des deutschen Fußballs beim Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers in Auschwitz-Birkenau

Nachdem die Höflichkeitsadressen mit dem Oberbürgermeister von Danzig ausgetauscht waren, Präsident Wolfgang Niersbach und Manager Oliver Bierhoff sich für die Gastfreundschaft in Polen seit ihrer Ankunft bedankt hatten, kehrte auf der ersten Pressekonferenz des Deutschen Fußball-Bundes in Danzig auch gleich die politische Dimension zurück, die das EM-Turnier in Polen und der Ukraine seit Wochen und Monaten begleitet.

Am Freitag hatte eine Delegation des deutschen Verbandes das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau besucht, von den Spielern waren Kapitän Philipp Lahm und die in Polen geborenen Miroslav Klose und Lukas Podolski neben der Sportlichen Führung und dem Präsidenten dabei.

Aber die Nationalmannschaft war nach ihrem letzten dienstfreien Wochenende in Deutschland noch nicht wieder zurück in Polen, da sah sich der DFB schon wieder der Kritik vom Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland ausgesetzt.

Dieter Graumann hatte im März mit seiner in einen Wunsch gekleideten Forderung, die deutschen Nationalspieler sollten entweder in Auschwitz oder Babyn Jar in der Nähe Kiews der Opfer des deutschen Schreckensregimes gedenken, ein Umdenken im Fußballverband eingeleitet. Ursprünglich war kein Besuch der Spieler vorgesehen, sie sollten in ihrem Danziger Quartier von Zeitzeugen mit der Vergangenheit konfrontiert werden.

„Kolossale Gefühllosigkeit“

Nun kritisierte Graumann die Spielerdelegation mit Lahm, Klose und Podolski als unzureichend. „Wenn die komplette Nationalmannschaft gekommen wäre, hätte man damit Hunderttausende junger Menschen erreicht, mehr als mit tausend Gedenkreden.“

Der Präsident des Zentralrats beklagte zudem den von Bierhoff verwendeten Begriff „Kamingespräch“ für ein Informationsgespräch der Nationalspieler in ihrem Quartier als „kolossale Gefühllosigkeit und Geschmacklosigkeit“, weil in Auschwitz die Menschen „vergast, verbrannt und durch den Kamin gejagt wurden“, darunter seine Großeltern.

DFB-Präsident Niersbach hat nun in Danzig die Kritik von Graumann zurückgewiesen. Er hat auf das Recht der Erinnernden verwiesen, ihre Zeichen gegen Rassismus und Antisemitismus so zu setzen, wie sie es selbst für richtig halten.

Niersbach hat in diesen heiklen Fragen einen guten Ton getroffen. Aber die Diskussionen zeigen, dass die gesellschaftliche Verantwortung, die der DFB und die Nationalelf seit Jahren übernommen haben, bei dieser EM zu einer Herausforderung geworden ist, wie sie Spieler und Verbandsführung dieser Generation bisher nicht kannten.

Das Spielfeld wird gerade neu vermessen

Auch die Frage des Umgangs der ukrainischen Regierung mit den Menschenrechten wird für die deutsche Delegation spätestens in einer Woche wieder auf der sportpolitischen Agenda auftauchen, beim Spiel gegen die Niederlande in Charkiw - der Stadt, in der Julija Timoschenko im Gefängnis sitzt.

Das gesellschaftliche Spielfeld, auf dem sich der deutsche Fußball bewegt, ist so groß wie nie zuvor. Wo dort neben den Chancen bei diesem Engagement für Verband und Spieler auch die Grenzen liegen, ist fraglich. Dieses Spielfeld wird bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine gerade neu vermessen.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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