Joachim Löw wollte etwas Grundsätzliches los werden. Es war ihm ein Bedürfnis. Bevor der Bundestrainer auch nur einen Satz zum Spiel des Tages verlor, blickte er erst einmal weit und hochzufrieden zurück. Er gratulierte seinem Team zum vierten Einzug in ein Halbfinale beim vierten Turnier nacheinander.
2006, 2008, 2010 und 2012 - eine solch kontinuierliche Spitzenleistung hat keine andere Fußballnation hinbekommen, nicht einmal die Spanier. Und dann applaudierte der Bundestrainer seinen Spielern zu einem „Weltrekord“ von 15 Siegen in nun 15 Pflichtspielen in Folge.
Seit dem 0:1 im WM-Halbfinale von Südafrika gegen Spanien hat das deutsche Team tatsächlich jede Partien gewonnen, wenn es ernst wurde. Den Blick zurück kombinierte Löw mit einem Ausblick: Seine Spieler stellten das jüngste Team der Europameisterschaft, die Perspektiven seien glänzend. Goldene Zeiten für den deutschen Fußball also. Das sind Löws Worte - und sein Werk.
In der Vergangenheit aber ist das deutsche Team noch immer am jeweiligen Turniersieger gescheitert: 2006 an Italien, 2008 und 2010 an Spanien. Beim Turnier in Polen und der Ukraine könnte sich nun ein Kreis schließen gegen die Sieger von gestern - aber trotzdem ist jetzt vieles anders. Das deutsche Team ist vor dem Halbfinale gegen Italien oder England so weit, wie es unter Löw noch nie war, und die Titelchancen sind größer als je zuvor.
2006 bremste ein cooles und individuell stärkeres italienisches Team die jungen Willensstarken um Klinsmann und Löw in der Verlängerung nach allen Regeln der italienischen Spiel- und Taktikkunst aus. 2008 stand ein 0:1 im Finale gegen Spanien. Aber es war die deutlichste 0:1-Niederlage, die diese Generation erlebt hat, ein Klassenunterschied, der sich auf dem Platz zwar in jeder Minute, aber nicht in den Toren niederschlug.
Beim 0:1 im Halbfinale von Südafrika waren die Unterschiede bereits weit geringer, die spanische Offensive fand schon keine Wege mehr. Aber der Verlust der damaligen Entdeckung Thomas Müller wegen einer Gelbsperre konnte der qualitativ noch zu schmale Kader nicht ausgleichen.
Vor dem Halbfinale 2012 hat der Bundestrainer mit seiner mutigen Entscheidung für Reus, Schürrle und Klose als Offensive gegen Griechenland statt Müller, Podolski und Gomez den nächsten Entwicklungsschritt seiner Arbeit dokumentiert. Es gibt im schönen deutschen Spiel nicht mehr nur einen Plan A.
Die Klasse ist so groß und variabel, dass nun fünfzehn, sechzehn Spieler beweisen konnten, dass sie immer erste Wahl sein können. Eine Garantie für den Titel ist diese hervorragende Entwicklung natürlich trotzdem nicht, dafür sind die Unterschiede in der europäischen Spitze zu gering und der Faktor Spielglück zu groß. Aber alles, was der Bundestrainer für den Titel tun konnte, hat er bisher getan. Mehr kann man nicht verlangen, nur erhoffen.
Es löwt wieder
gisbert heimes (gisbert4)
- 25.06.2012, 15:07 Uhr
übersteigerte Erwartungshaltung
Robert Kopf (robinio79)
- 25.06.2012, 10:34 Uhr
übersteigerte erwartungshaltung, tl. 2
Heinrich Schönemann (kleios56)
- 24.06.2012, 13:59 Uhr
übersteigerte erwartungshaltung
Heinrich Schönemann (kleios56)
- 24.06.2012, 13:57 Uhr
Ob Jogi Löw wirklich alles...
Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 24.06.2012, 10:29 Uhr