Schade, dass Krake Paul die EM nicht mehr erlebt. Das tierische Orakel der vergangenen WM in Südafrika, das den Einzug der deutschen Mannschaft ins Halbfinale vorhergesagt hatte und die dortige Niederlage gegen Spanien, hätte in Polen und der Ukraine noch wertvolle Vorhersagedienste leisten können.
Deutschland an diesem Samstag gegen Portugal (20.45 Uhr / Live im F.A.Z.-Ticker) oder auch nur vier Tage später gegen die Niederlande - da lässt sich eine eindeutige Prognose unter den menschlichen Experten dieser Fußballwelt nicht ausmachen. Ganz zu schweigen von einem Endspieltipp für den 1. Juli, wenn gut drei Wochen nach dem Auftakt von Warschau die sportlich hochwertigste EM in Kiew zu Ende gehen wird.
Die Qualität dieses Turniers, so viel lässt sich vom ersten Tag an mit sportlich bestem Gewissen behaupten, ist größer als bei ihren genau ein Dutzend Vorgängerveranstaltungen seit 1964. Dieses Urteil gilt diesmal aber sogar für die Zukunft.
Wenn von der EM 2016 an in Frankreich erstmals das Teilnehmerfeld von 16 auf 24 aufgeblasen wird, und dann fast die Hälfte aller Uefa-Länder mit dabei sein kann, geht auch die extreme sportliche Leistungsdichte dahin, die das Turnier 2012 so faszinierend und unberechenbar zugleich macht.
Qualitative Verdichtung in der deutschen Gruppe
Europameisterschaften stehen ohnehin längst in ihrer Qualität den von Europa seit Jahren dominierten Weltmeisterschaften kaum nach, im Gegenteil. 2006 machten vier Europäer das WM-Halbfinale unter sich aus, in Südafrika landeten vier Jahre später Spanien, die Niederlande und Deutschland ganz vorne.
Nun stehen schon in der deutschen Vorrundengruppe B nur Teams aus den Top Ten der Welt. Hinter Deutschland als Nummer drei folgen die Niederlande auf Rang vier, Dänemark auf neun und Portugal auf zehn. Das ist eine qualitative Verdichtung, bei der sich von der ersten Minute an kein Team eine Schwäche leisten kann.
Titelkandidaten sind überreich im Angebot: Allen voran die Spanier auf ihrer Triple-Mission nach den Triumphen 2010 und 2008; die Deutschen, die ihre hervorragende Entwicklung nicht mehr nur mit Lob, sondern auch mit einem Pokal veredelt sehen wollen; die Niederlande mit ihrer herausragenden Offensive, das erstarkte Frankreich mit einer Erfolgsserie von 21 Spielen ohne Niederlage oder die unberechenbaren und verjüngten Italiener - dazu die Gastgeber aus Polen und der Ukraine, die sich von der Begeisterung ihrer Fans weiter tragen lassen wollen als sie je kamen.
Der ganz besonderen Herausforderung dieses Turniers, die auf Knopfdruck Höchstleistung nicht zuletzt in der deutschen Gruppe erfordert, begegnet das deutsche Team mit dem besten Kader seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten. So wird auch die Anfangsformation, der Bundestrainer Löw an diesem Samstag gegen Portugal vertraut, gewiss nicht das Team sein, das am Ende den ersten Titel nach 16 Jahren nach Deutschland holen soll.
Eine Bank-Krise darf sich niemand leisten
Die kleinen und großen körperlichen Fragezeichen, die noch hinter der Achse Mertesacker, Schweinsteiger und Klose stehen, machen zudem das Wechselpotential deutlich, das in diesem Turnier nötig sein wird, um nach den Dauerbelastungen am Ende ein bisschen besser als alle anderen zu sein. Eine Bank-Krise darf sich bei der Euro 2012 jedenfalls niemand leisten.
Wenn Löw die PS der Bundesliga nicht auf den Rasen bringt,
Hugh Greene (hughgreene)
- 09.06.2012, 18:10 Uhr
"Weltrangliste"
Jakob Fels (Camenzind)
- 09.06.2012, 12:59 Uhr