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EM-Kommentar Ein Anfang ohne Zauber

 ·  Trotz allem: Es bieten sich nicht die schlechtesten Aussichten auf einen schönen deutschen Fußballsommer. Aber ohne spielerische Steigerung wird Löws Mannschaft ihre Ziele nicht erreichen.

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© AFP Plötzlicher Druckabfall vor der Kabine: Badstuber, Lahm, Neuer, Boateng und Khedira (v.l.) nach dem Schlusspfiff

Der Anfang ist gemacht - aber was die deutsche Mannschaft bei ihrem Auftakt zur Europameisterschaft gegen Portugal beim 1:0-Sieg ablieferte, war vor allem eine ganz große Portion Engagement, Energie sowie Nerven- und Zweikämpfstärke. Mit einer spielerisch ordentlichen, aber keineswegs hochklassigen und schon gar nicht begeisternden Leistung lieferten die Deutsche vor allem Aufbauarbeit für einen weiteren erfolgreichen Turnierverlauf.

Das glückliche Ende dank der Effizienz des von den Zuschauern nur geachteten, aber keineswegs geliebten Münchner Torjägers Mario Gomez kann der Beginn für eine spielerische Steigerung des deutschen Teams sein, ohne die es seine höchsten Ziele auch kaum wird erreichen können.

Es war wohl nicht zuletzt die Niederlage der Niederländer gegen Außenseiter Dänemark, die den deutschen Auftakt gegen Portugal mehr prägte, als es den deutschen Anhängern und dem Bundestrainer lieb sein konnte. Die Aussicht, bei einer Niederlage gegen Ronaldo und Co. schon am Mittwoch in einem Endspiel mit dem holländischen WM-Zweiten gegen das womöglich ganz frühzeitige Ausscheiden ankämpfen zu müssen, wirkte in Lemberg jedenfalls wie ein einziges Warnsignal auf das deutsche Team. So wurde das Motto „Sicherheit zuerst“ zu einem Auftaktbegleiter, der das deutsche Offensivspiel viel mehr bremste, als es einem Titelfavoriten gut ansteht.

Das schnelle Umschalten nach Ballgewinn mit Torabschluss in Sekundenschnelle, das faszinierende Erfolgsrezept der jungen Deutschen bei der Weltmeisterschaft 2010, schien oftmals wie verschüttet. Stattdessen begnügte sich eine in jeder Minute konzentrierte und auf Fehlervermeidung fokussierte Mannschaft auf Ballbesitz und Ballstafetten, zunächst ohne die letzte Durchschlagskraft. Sie beraubte sich damit selbst ihrer größten Stärke. Aber was nicht war, das kann ja noch werden in den kommenden Tagen.

Mit dem Gegner gekämpft - und mit sich

Der Druck auf ein Team, das sich nach jahrelanger und stetiger Steigerung endlich reif für den Titel fühlt, wollte gegen die Portugiesen lange nicht weichen. Bis zum Schlusspfiff hatten die Deutschen mit sich und dem Gegner zu kämpfen - bis der Sieg dann über die Zeit gezittert war. Die größte Dynamik und Frische ging beim EM-Start in Lemberg ausgerechnet und kaum zufällig von einem jungen Meister aus, der sich seine überraschende Chance nicht entgehen lassen wollte: Der Dortmunder Mats Hummels übernahm an Stelle von Per Mertesacker sofort die Rolle des Abwehrchefs.

Dieser Spieler könnte noch zu einem großen Gewinn bei diesem Turnier werden, das schon am Mittwoch einem ersten, aber vor allem für die Holländer viel zu frühen Höhepunkt entgegensieht. Für die Nachbarn wäre bei einer Niederlage schon alles vorbei - die Deutschen können nach der Mühsal des Anfangs in Charkiw schon im zweiten Spiel das Viertelfinale erreichen. Das ist mehr Motivation als man sich für das zweite Gruppenspiel vorstellen konnte. Und es bieten sich nicht die schlechtesten Aussichten auf einen schönen deutschen Fußballsommer.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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