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Donnerstag, 20. Juni 2013
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DFB-Team Bewährt und doch ganz anders

 ·  Wie viel darf oder muss ein Trainer nach einem großen Erfolg verändern? Die Antwort von Joachim Löw ist eindeutig: Er belässt alles beim Alten - zumindest auf den ersten Blick.

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© dapd Kaum Wechsel im Personal: Einzig Holger Badstuber (l.) ist wirklich neu in der Startformation

Zwei Jahre haben genügt, um den deutschen Fußball kräftig durcheinanderzuwirbeln: Dortmund hat die ewige Dominanz der Bayern gebrochen, eine neue Generation junger und hochtalentierter Profis à la Reus oder Götze hat die Bühne Bundesliga gestürmt. In der Nationalmannschaft hingegen könnte man meinen, die Zeit sei stehengeblieben. Das Team, das am Samstag gegen Portugal in die EM startet, dürfte der Stammelf der WM 2010 fast zum Verwechseln ähnlich sehen. Gut, Klose und Schweinsteiger sind Wackelkandidaten, aber klar ist auch: Wären sie zu hundert Prozent fit, würden sie zu hundert Prozent spielen. So ist Badstuber statt Friedrich vermutlich die einzige echte Änderung gegenüber Südafrika. Nicht gerade das, was man einen Evolutionssprung nennen könnte.

Es ist eine der schwierigsten Aufgaben für jeden Trainer. Wie viel darf oder muss er nach einem großen Erfolg verändern? Die richtige Antwort steht oft erst im Nachhinein fest. Joachim Löw jedenfalls, das ist nicht zu übersehen, hat den konservativen Weg eingeschlagen. Nicht, weil er seinem Stamm seit 2010 blind und bedingungslos vertraut hätte. Der Bundestrainer hat sehr wohl einiges ausprobiert in den vergangenen beiden Jahren. Das Ergebnis war jedoch stets so, dass es ihn nicht zufriedenstellte. So wie im Fall der Dortmunder Meisterspieler, die er gewogen und im Hinblick auf das internationale Topniveau bei einer EM vorerst für zu leicht befunden hat. Weil Löw gerade in dieser Frage bislang immer einen unbestechlichen Blick bewiesen hat, verdient sein Weg Vertrauen.

Das Formen eines Teams

Zumal er genau das tut, was man von einem Nationaltrainer der gehobenen Kategorie erwarten darf: Er stellt nicht bloß die elf Besten auf, sondern versucht, ein Team zu formen. Und dazu gehört es erstens, die (Spiel-) Idee über den Einzelnen zu stellen. Diese Erfahrungen müssen auch Profis anderer ambitionierter Nationen machen - wie der Niederländer Huntelaar. Und zweitens, dass der Bundestrainer nicht auf jeden Trend, so verlockend er sich präsentieren mag, gleich reagieren muss. Löw hat Talente wie Götze, Reus oder Gündogan früh erkannt und nach Kräften gefördert. Nur: Um den letzten Schritt in die Mannschaft zu schaffen, müssen sie mehr leisten, als in der Liga oder bei Kurzeinsätzen im Nationalteam zu glänzen. Sie müssen Löw das Gefühl geben, dass von ihnen auf Dauer mehr zu erwarten ist als von den arrivierten Kräften. Das erfordert neben Konstanz auch einen langen Atem.

Deutschland 2010: Die erste Elf wird sich auch 2012 kaum verändern - nur auf der Bank hat Löw besseres Personal zur Verfügung © AP Deutschland 2010: Die erste Elf wird sich auch 2012 kaum verändern - nur auf der Bank hat Löw besseres Personal zur Verfügung

Jede einzelne von Löws Entscheidungen folgt diesem Muster und ist damit konsequent. Und doch birgt der Weg auch ein Risiko. Ob die Mannschaft in dieser Konstellation wirklich noch den nötigen Hunger mitbringt, oder ob sie nicht doch über all die Siege in der Qualifikation ein bisschen den Appetit verloren hat, wird sich erst im Ernstfall zeigen. Zudem summieren sich in der deutschen Elf ein bisschen viele kleinere und größere Probleme: Die Verletzungen, deren Überwindung für Mertesacker, Schweinsteiger und Klose ein Rennen gegen die Zeit ist, sind nur das eine. Dazu kommen größere Ausschläge in den Formkurven von Spielern wie Müller oder Podolski.

Alles in allem hätte es vielleicht nicht geschadet, wenn Löw seine Tests mit ein bisschen mehr Mut zur Veränderung angegangen wäre. Die Möglichkeit zu Korrekturen hat er aber immer noch. Der wahre Entwicklungssprung des deutschen Teams im Vergleich zu 2010 mag nicht auf den ersten Blick zu sehen sein. In den Bankreserven jedoch zeigt er sich sehr eindrucksvoll.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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