Eine rauschende Generalprobe stellt man sich anders und torreicher vor, aber eine Woche vor dem Beginn der Europameisterschaft ist die deutsche Nationalmannschaft wieder in Schwung gekommen.
Fünf Tage nach dem planlosen Auftritt beim 3:5 in der Schweiz, präsentierte sich das Team von Bundestrainer Joachim Löw beim 2:0-Sieg gegen Israel wieder jederzeit geordnet – und mit spielerischen Ansätzen, die an bessere Zeiten erinnerten und die einen schönen EM-Sommer in Polen und der Ukraine nicht als Illusion erscheinen lassen. Die Tore erzielten Gomez in der 40. Minute und der eingewechselte Schürrle (81.).
Es war ein hochverdienter Sieg, der noch deutlich höher hätte ausfallen können bei konsequenter Chancennutzung. So blieb es ein Erfolg ohne die letzte Strahlkraft, aber dennoch mit einiger Aussagekraft.
Die deutsche Startelf, die Löw sich unverändert bis zur 67. Minute einspielen ließ, dürfte weit mehr als nur das Gerüst für den Auftakt der EM gegen Portugal sein. Bis auf die von Löw hochgeschätzten Schweinsteiger und Klose, die noch nicht bei besten Kräften sind, dürfte kein anderer Nationalspieler – wenn nicht noch Verletzungen dazwischenkommen – in die deutsche EM-Startelf drängen.
Kein einziger Dortmunder steht in der Startelf
Das letzte Testspiel vor der Europameisterschaft hatte dazu auch eine pikante nationale Note. Der Bundestrainer vertraute gleich sieben Bayern-Spielern von Beginn an, er gab den angeblich psychisch so angeschlagenen Verlierern der Champions League und der deutschen Klubwettbewerbe geradezu demonstrativ den Vorzug vor den Dortmunder Double-Gewinnern.
Kein einziger Borusse stand mehr in der deutschen Startelf, auch nicht Innenverteidiger Mats Hummels, der sich vor dem 3:5 gegen die Schweiz zu Pfingsten noch die größten Hoffnungen auf einen Stammplatz in der Nationalmannschaft gemacht hatte.
Tatsächlich probte in Leipzig ein um die beiden Real-Stars Özil und Khedira, sowie die aktuellen und künftigen Arsenal-Profis Mertesacker und Podolski sozusagen nur international erweiteter FC Bayern mit Neuer, Boateng, Badstuber, Lahm, Kroos, Müller und Gomez. Nur Schweinsteiger fehlte wegen einer Blessur.
„Es war eine ganz ordentliche Abschlussprüfung der Vorbereitung, und das wird uns etwas Rückenwind geben“, sagte Löw nach dem Sieg. „Aber man hat auch gemerkt, es läuft noch nicht alles so rund.“ Die Münchner Trauergesellschaft mit Anhang zeigte sich von Beginn an recht frisch, wach und willig, aber dem Kombinationsfluss gegen einen sich tief zurückziehenden Gegner fehlte es in der ersten Halbzeit zu oft an der letzten Präzision und lange an Durchschlagskraft.
Gomez schießt zum 1:0 unter die Latte
Torchancen blieben so zunächst rar gegen die Israelis, die sich um den eigenen Strafraum versammelten und nur selten Torwart Neuer näher kommen wollten. Die beste Gelegenheit zur Führung besaß Boateng, der nach einem Dribbling im Strafraum nur den Pfosten traf (19.), ansonsten machte Kroos mit Fernschüssen, Gomez mit zwei tastenden Versuchen und Khedira mit einem Flugkopfball aus kurzer Distanz auf sich aufmerksam.
Gomez glückte im dritten Anlauf schließlich die verdiente 1: 0-Führung mit einem Schuss unter die Latte (40.). Der Münchner machte damit noch einmal Werbung für sich im Duell um den einzigen Angriffsplatz mit Miroslav Klose, dem seine Verletzungspause noch immer nachhängt.
Die Viererkette, die Löw nominierte, geriet gegen harmlose Israelis nicht in Nöte, und man darf sich nicht wundern, wenn man sie am Samstag kommender Woche gegen Portugal genauso wiedersieht, mit Lahm und Boateng als Außen- und Badstuber und Mertesacker als Innenverteidiger.
Boateng gab den offensiv ausgerichteten Außenverteidiger im Duett mit Müller auf rechts, Lahm hielt Podolski auf der anderen Seite den Rücken frei, und in der Mitte machten Kroos, Khedira und Özil ihr mitunter vielversprechendes, aber noch immer etwas zu holpriges Spiel.
„Das muss noch besser werden“
Nach dem Wechsel dominierten die Deutschen die Partie weiter eindeutig, sie kamen zu einigen guten Gelegenheiten. Doch nach schönen und schnellen Spielzügen scheiterten sie immer wieder. „Es wird wichtig sein, dass wir in der Woche vor dem Spiel gegen Portugal in allen und zwischen den Mannschaftsteilen noch einmal an der Feinabstimmung arbeiten. Das muss noch besser werden, noch perfekter sozusagen“, sagte Löw über das Programm der kommenden Woche in Polen.
„Aber im Vergleich zur WM in Südafrika beziehungsweise dem Vorfeld des Turniers haben wir mittlerweile eine größere spielerische Sicherheit. Wenn wir die Leistung abrufen, die wir in den vergangenen zwei Jahren oft gezeigt haben, dann sind wir sehr, sehr gefährlich.“ Gefährlich zwar, aber zumindest gegen Israel noch nicht besonders erfolgreich.
Podolski, Özil, Müller oder der eingewechselte Schürrle, dem das herrliche 2:0 mit einem Weitschuss glückte, hatten genug Möglichkeiten, um die Nationalmannschaft mit einem weit eindrucksvolleren Sieg am Montag nach Polen reisen zu lassen. Aber immerhin war in Leipzig die Kombinationsfreude wieder in die Nationalmannschaft zurückgekehrt, und das ist nicht die schlechteste Aussicht für die kommenden Wochen.
Deutschland: Neuer (Bayern München/26 Jahre/26 Länderspiele) - Boateng (Bayern München/23/21), Mertesacker (FC Arsenal/27/81), Badstuber (Bayern München/23/20), Lahm (Bayern München/28/86) - Khedira (Real Madrid/25/27 - 88. Bender/Bayer Leverkusen/23/6), Kroos (Bayern München/22/26 - 86. Götze/Borussia Dortmund/19/14) - Müller (Bayern München/22/27 - 83. Reus/Bor. Mönchengladbach/23/6), Özil (Real Madrid/23/33), Podolski (1. FC Köln/26/97 - 67. Schürrle/Bayer Leverkusen/21/14) - Gomez (Bayern München/26/52 - 67. Klose/Lazio Rom/33/116)
Israel: Harosh (Beitar Jerusalem/24/2) - Spungin (Omonia Nikosia/25/16), Ben Haim (FC Portsmouth/30/67), Tibi (Hapoel Kirjat Schmona/24/2), Gershon (Standard Lüttich/23/12) - Benayoun (FC Arsenal/32/88 - 46. Vermouth/De Graafschap Doetinchem/26/17), Natcho (Rubin Kasan/24/16 - 73. Biton/FC Ashdod/20/5), Yadin (Hapoel Tel Aviv/25/8 - 86. Tzedek/Hapoel Kirjat Schmona/22/2), Melikson (Wisla Krakau/27/5 - 46. Refaelov/FC Brügge/28/17) - Shechter (1. FC Kaiserslautern/25/13 - 46. Damari/Hapoel Tel Aviv/23/6), Zahavi (US Palermo/24/11 - 67. Sahar/AJ Auxerre/22/29)
Schiedsrichter: Blom (Niederlande)
Zuschauer: 43.241 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Gomez (40.), 2:0 Schürrle (82.)
Gelbe Karten: - / -
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