29.01.2010 · Mal Frankfurt, mal Bad Nauheim: Tobias Schwab schießt die Lions zum Derbysieg gegen Mannheim und genießt einen „grandiosen Abend“. Doch Trainer Chernomaz will den jungen Aufsteiger nicht überfordern.
Von Marc HeinrichBei den Lions gibt es seit sieben Jahren eine Tradition: Nach jedem Heimspiel – egal ob Sieg oder Niederlage – versammelt Rich Chernomaz seine Akteure um sich und benennt in einer ersten, kurzen Kritik Höhepunkte und Fehler des vorangegangenen Auftritts. Am liebsten sofort. Am Donnerstag, im Anschluss an den 2:1-Erfolg (0:1, 2:0, 0:0) im Derby gegen Mannheim, musste der kanadische Trainer, der die Frankfurter seit 2003 antreibt, lange warten, bis er endlich die Tür zur Umkleidekabine schließen konnte: Siegtorschütze Tobias Schwab wollte den Augenblick auskosten, gab auf dem Eis die ersten Fernsehinterviews seiner Karriere, nahm aus der Hand des Stadionsprechers die Auszeichnung zum „Spieler des Tages“ entgegen und absolvierte sogar noch eine kleine Extra-Ehrenrunde vor den Fans.
Nach zehn Minuten des Wartens war der Geduldsfaden des heiseren Chernomaz gerissen – auf seine Ansage hin machte Teambetreuer Ronny Lehmann der persönlichen Feierstunde des Vierundzwanzigjährigen ein Ende. „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, lautete die unmissverständliche Botschaft, der sich der Nobody im Team des Tabellensiebten sofort fügte.
„Es war ein hart erarbeitetes Tor“
Für Schwab war es sein erster Treffer für die Lions. Und ein ganz besonders emotionaler zugleich. Er entschied das spannende Duell gegen den Rivalen aus der Kurpfalz mit einer Einzelleistung in der 35. Minute, indem er erst seinen routinierten Bewacher Colin Beardsmore abschüttelte und dann zielstrebig Torhüter Fred Brathwaite überwand. „Es war ein hart erarbeitetes Tor“, lobte später Chernomaz, als er seinen Leuten noch vor dem Duschen zum Dank für die engagierte Leistung einen freien Trainingstag verkündet hatte. „Ich bin stolz, wie Schwab sich heute gezeigt hat. Und er sollte stolz auf sich sein“, sagte Chernomaz.
Der Mann mit der Rückennummer 89 wird bei den Löwen als sogenannter Förderlizenzspieler geführt. Aufgrund seiner (verhältnismäßigen) Jugend kann er für zwei Klubs auflaufen und so in den Genuss von möglichst viel Eiszeit zu kommen, was nach Ansicht des Deutschen Eishockey-Bundes die sportliche Entwicklung beschleunigen soll. Üblicherweise spielt Schwab deswegen bei den Roten Teufeln aus Bad Nauheim. Aber immer dann, wenn die Lions ihn anfordern, zum Beispiel, weil personell Not am Mann ist, lässt ihn der Oberligaverein ziehen. Gegen die Adler stand er zum fünften Mal in dieser Runde im Aufgebot des Meisters von 2004.
Hinterher sprach er von einem „grandiosen Abend“ und „geilen Gefühl“, als Matchwinner von mehreren Tausend Zuschauern gefeiert zu werden. In die vierte Reihe an die Seite von Aushilfsstürmer Lasse Kopitz und den Rekonvaleszenten Christoph Gawlik, dem in der 28. Minute der Ausgleich gelungen war, hatte ihn Chernomaz beordert. „Sein Kampfgeist war imponierend“, fasste der Coach seine Eindrücke zusammen, „es war das bislang größte Spiel seiner Karriere.“
Mit Husten, Fieber und Schnupfen im Bett
Was so nicht unbedingt zu erwarten war, denn das in Kassel groß gewordene und bei den Huskies ausgebildete Talent verbrachte den Anfang der Woche noch mit Husten, Fieber und Schnupfen im Bett. Mit ähnlichen Symptomen plagt sich vor dem Wochenende auch Chernomaz rum. Doch die Erkältung in aller Ruhe zuhause auf dem Sofa auszukurieren, kommt für ihn nicht in Frage: Den Lions steht eine Sonntags-Reise nach Ingolstadt bevor, wo es um 18.30 Uhr zum Aufeinandertreffen mit den Panthern kommt. Ob sie Schwab, mit dem die Zusammenarbeit vorerst nur bis zum Saisonende fixiert ist und der nicht weiß, wie es in der Eishallendiskussion und somit in Bad Nauheim weitergeht, mitnehmen können, wird sie erst kurzfristig entscheiden.
Ursprünglich war vereinbart worden, dass er die Nauheimer Amateure bei ihrem Auftritt in Dortmund unterstützt. Das war allerdings vor seinem großen Auftritt gegen die Adler. Durch Neuzugang Adrian Foster, der mit einem gelungenen Debüt sein Potential als fleißiger und laufstarker Allrounder andeutete, sind die Frankfurter im Sturm um eine Alternative reicher, zudem will der Trainer den jungen Aufsteiger „nicht überfordern“. Für den kommenden Dienstag, beim Heimspiel gegen Düsseldorf, ist er aber definitiv schon wieder eingeplant. Das Spiel wird abermals live im Fernsehen übertragen. Für Scheinwerferlicht ist also gesorgt – beste Bedingungen für eine Fortsetzung der Werbung in eigener Sache.
guter artikel - aber falsches ende!
Annalena Wolf (wolf-darmstadt)
- 29.01.2010, 20:03 Uhr