Seinen 51. Geburtstag begann der Präsident am Samstag auf dem Golfplatz. An Wochenenden geht Barack Obama gerne hinaus zum Luftwaffenstützpunkt „Andrews Air Force Base“, der im Südosten der Hauptstadt liegt. Dort steht nicht nur sein Dienstflugzeug „Air Force One“ stets abflugbereit im Hangar. Dort gibt es auch drei 18-Loch-Golfanlagen, auf denen noch „jeder golfende Präsident seit Eisenhower“ den Schläger geschwungen hat, wie es in der Broschüre über „die besten Golfplätze der Streitkräfte“ heißt. Nach sechs Stunden auf den Grüns ließ sich Obama mit dem Präsidentenhubschrauber „Marine One“ zum Landsitz amerikanischer Präsidenten nach Camp David fliegen, wo er den Rest des Wochenendes verbrachte.
Doch damit ist es mit den Geburtstagsfeiern noch lange nicht vorbei. Die große Party steigt erst an diesem Wochenende, und zwar im Privathaus der Obamas in Chicago. Wer sich auf dem E-Mail-Verteiler von Obamas Wahlkampfstab hat registrieren lassen, erhält seit Wochen Einladungen zu „Baracks Geburtstagsfeier“.
Auch ohne Hilfe der Glücksfee
Sogar die Flugkosten werden übernommen, von überallher in Amerika. Sofern man Losglück hat, versteht sich. Denn mit der Einladung zur Party ist die Aufforderung verbunden, mindestens drei Dollar - gerne auch mehr - für den Wahlkampf des Präsidenten zu spenden, um an der großen Verlosung für einen Platz am Geburtstagstisch teilzunehmen. Zu Feiern wie diesen kommen freilich immer auch Berühmtheiten und Großspender, die so viel Geld geben können, dass sie auch ohne Hilfe der Glücksfee Einlass finden. Im Mai lud der Hollywood-Star George Clooney zum Abendbrot mit Barack Obama zu sich nach Hause ein, für 40.000 Dollar pro Gedeck. Doch nur rund die Hälfte der 15 Millionen Dollar Spenden des Abends stammten von Leuten, die für einen Abend mit dem Präsidenten so viel Geld ausgeben können, wie andere in einem ganzen Jahr verdienen. Die andere Hälfte steuerten Tausende Kleinspender bei, die in die Geburtstagsplatzbörse mit Verlosung eingestiegen waren.
Es ist das erste Mal, dass die Obamas zu einer Feier in ihr Privathaus in Chicago einladen. Zumal Michelle Obama hat bisher streng darüber gewacht, dass das Privatleben der Familie - und zumal der Töchter Sasha und Malia - vom politischen Trubel strikt getrennt bleibt. Aber der Präsident und seine Wahlkampfhelfer brauchen für die letzten drei Monate der Wahlkampagne jeden Dollar. Obamas Wahlkampfstab hat zusätzliche Spendenveranstaltungen mit dem Präsidenten angesetzt.
Romney kompetenter, Obama sympathischer
Die politische Wunderwaffe Bill Clinton wurde nicht nur als Redner für den Nominierungsparteitag der Demokraten Anfang September in Charlotte in North Carolina engagiert, sondern auch fürs Geldsammeln in den kommenden Wochen. Denn kein Präsident, der sich je um eine zweite Amtszeit bewarb, hat für seine angestrebte Wiederwahl so schnell so viel Geld ausgegeben wie Obama. Seit Anfang 2011 waren es 400 Millionen Dollar - für Büro- und Personalkosten, für Computer und Mobiltelefone, für Berater und Meinungsforscher. Allein 86 Millionen Dollar hat die Wahlwerbung in den Medien verschlungen, das meiste davon für negative Wahlwerbespots gegen den republikanischen Herausforderer Mitt Romney. Das begeisterte Freiwilligenheer des Kandidaten von 2008 wandelt sich 2012 in eine Berufsarmee der Diffamierer.
Obamas Leute greifen in aller Regel nicht Romneys politische Ideen an, sondern dessen Charakter: Er habe als „Heuschrecken“-Kapitalist beim Investitionsunternehmen „Bain Capital“ Millionen Jobs vernichtet oder ins Ausland verlegt, er habe faktisch Steuern hinterzogen, verfüge über Nummernkonten in der Schweiz und auf den Cayman-Inseln und habe kein Herz für die Mittelschicht. Die allgemeinen Umfragewerte für beide Kandidaten haben sich dennoch in den vergangenen Wochen kaum bewegt, so dass weiter von einem knappen Rennen im November ausgegangen werden muss. Romney gilt zwar weithin als kompetenter in der Wirtschaftspolitik, die Leute finden ihn aber weniger sympathisch als den Präsidenten. Die Meinungsforscher des Washingtoner „Pew Center“ haben im Juli ermittelt, dass 41 Prozent der Befragten eine negative Einstellung zur Person des Herausforderers haben, nur 29 Prozent finden ihn sympathisch. Bei Obama sagen 50 Prozent, er sei sympathisch, 45 Prozent äußern die gegenteilige Ansicht.
„Ich habe jedes Jahr Steuern bezahlt, und zwar viele“
Die Angriffe auf die persönliche Integrität Romneys folgen deshalb einem klaren politischen Kalkül: Sie bauen auf die Stärke des Präsidenten als Persönlichkeit und blenden seine Schwäche in der Wirtschaftspolitik aus. Die Arbeitslosenquote stieg im Juli wieder auf 8,3 Prozent, im Juni waren noch 8,2 Prozent verzeichnet worden - das sind keine guten Zahlen für den Amtsinhaber. Zuletzt unterstellte Harry Reid, Mehrheitsführer der Demokraten im Senat, dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten, dieser habe jahrelang überhaupt keine Steuern gezahlt; dies sei auch der Grund für Romneys Weigerung, nur die Steuererklärungen von 2010 und 2011, nicht aber der vergangenen zehn Jahre zu veröffentlichen. Belegen kann Reid seine Behauptung nicht.
Romney erwiderte, Reid solle Beweise für seine Unterstellung vorlegen, deren Quelle nennen - Romney vermutet sie im Weißen Haus - oder den Mund halten. „Ich habe jedes Jahr Steuern bezahlt, und zwar viele Steuern“, sagte Romney am Wochenende. Der Herausforderer, dessen Vermögen auf mindestens 250 Millionen geschätzt wird, kam 2010 auf einen verminderten Steuersatz von 13,9 Prozent, weil er sein Einkommen zum großen Teil aus Investitionsgewinnen bezieht und kein Gehalt bekommt, das deutlich höher zu versteuern wäre.
Am Wochenende erhielt Romney die Unterstützung des Schauspielers und Regisseurs Clint Eastwood. Dass sich ein Hollywood-Star, dazu ein mehrfacher Oscar-Preisträger, für einen Republikaner ausspricht, ist für sich genommen schon eine kleine Sensation. Hollywood hält sonst verlässlich zu den Demokraten, allenfalls der renitente Oscar-Preisträger Jon Voight, der Vater von Angelina Jolie, wagt es, die Republikaner zu unterstützen. „Unser Land braucht einen Schub“, sagte Eastwood bei einer Wahlkampfveranstaltung Romneys in Sun Valley in Idaho, und deshalb werde er Romney seine Stimme geben. Er erwarte, dass der künftige Präsident Romney „ein anständiges Steuersystem schaffen wird, das wir so dringend brauchen“. Dann werde es „Fairness geben“, und die Leute würden „nicht mehr gegeneinander aufgehetzt, weil sie sich fragen, wer Steuern zahlt und wer nicht“, sagte Eastwood.
In drei Wochen wird Romney auf dem Parteitag der Republikaner in Tampa in Florida offiziell zum Präsidentschaftskandidaten ernannt. Bis dahin kann er das Rampenlicht mit der Ernennung eines Kandidaten für das Vizepräsidentenamt abermals auf sich lenken. Wenn er einen sympathischen „Running Mate“ findet, könnte von dessen persönlichem Glanz auch etwas auf ihn selbst fallen.