Wenn Vorwahlen im Bundesstaat Süd-Carolina tatsächlich die Bedeutung haben, die ihnen mittlerweile zugeschrieben wird, dann ist der Ausgang der diesjährigen Vorentscheidung ein Desaster für die Parteiführung der Republikaner. Nicht ihr Favorit Mitt Romney trug den Sieg in diesem sozialkonservativen Staat davon, sondern der frühere Präsident des Repräsentantenhauses und Gegenspieler Clintons, der schillernde Newt Gingrich. Wenn also Süd-Carolina auch in diesem Wahljahr seinem Ruf als „Königsmacher“ gerecht wird - seit Reagan 1980 wurde derjenige später Präsidentschaftskandidat der Partei, der hier gewann -, dann wird der Hauptkampf brutal und ideologisch extrem intensiv werden. Und der um seine Wiederwahl kämpfende Amtsinhaber, Präsident Obama, wird seine Chancen wieder steigen sehen.
Gingrichs spektakulärer Erfolg hat viel mit seinem aggressiven Stil zu tun, seiner Herkunft aus der politisch-kulturell verwandten südstaatlichen Nachbarschaft und einem ökonomischen Populismus, der auch bei Teilen der republikanischen Basis verfängt. Dieser Populismus in schwierigen Zeiten ist Romneys Achillesferse. Nicht jeder findet es in einem Jahr, in dem soziale Gerechtigkeit und Einkommensverteilung das politische Vokabular der amerikanischen Alltagswelt erreicht haben, auf Anhieb plausibel und „gerecht“, dass für den Multimillionär Romney nur ein Steuersatz von 15 Prozent gelten soll.
Romney ist nicht der gefeierte Held
Ganz offenkundig fand der Vorwurf ein lebhaftes Echo, dass er als Investmentmanager Arbeitsplätze „vernichtet“ hat. Und wie viel davon auch richtig, Karikatur oder einfach Dämonisierung ist: Es wirkt. Die demokratischen Wahlkampfmanager, die auch ihren Kandidaten mit einer ebenso mobilisierenden wie überzeugenden Botschaft versorgen müssen - die vom Wandel kann es ja nicht mehr sein -, werden sich daran noch erinnern, nicht zuletzt deshalb, weil Obama die mit der Wirtschaftslage unzufriedenen Wechselwähler zu verlieren droht.
Selbst wenn Romney das Gesetz der Serie zu guter Letzt doch bezwingen sollte, zeigt die erste Südstaaten-Vorwahl doch, dass der frühere Gouverneur von Massachusetts alles andere ist als der gefeierte Held, den die Partei voller Begeisterung gegen Obama in den Kampf schickt. Die konservative, populistische Basis, die auf Konfrontation (gegen „Washington“) und auf Krawall (gegen den „radikalen“ Obama) aus ist, kann sich nicht mit Romney anfreunden.
Gegen Gingrich wirkt Bush wie ein Mann der Mitte
Die Republikaner sind gespalten, und jede Vorwahl verstärkt diese Spaltung. Das mindert ihre Aussichten gegen einen Präsidenten, der allgemein nicht nur als verwundbar, sondern auch als schlagbar gilt. Entscheiden sie sich für den Krawallkopf Gingrich, neben dem der Kandidat von 2008, Senator McCain, wie ein braver Gemäßigter daherkommt und der - Achtung - selbst George W. Bush noch wie einen Mann der Mitte aussehen lässt, dann steht dem Land einiges bevor.
Zunächst aber steht den Republikanern eine lange, harte Schlacht bevor. Ein innerparteilicher Bürgerkrieg.
Da gehts auch um anderes
Franz Siebrech (rosi110)
- 23.01.2012, 10:38 Uhr
Rituelles Schattenboxen oder jeder Kandidat spielt die ihm zugewiesene Rolle
thomas schulz (peanutbutter)
- 23.01.2012, 05:20 Uhr
Ueberfaellige gruendliche Auseinandersetzung
Rolf Joachim Siegen (rolfS2)
- 22.01.2012, 22:33 Uhr
"right wing social engeneering"
J Kröger (justuskroeger)
- 22.01.2012, 21:51 Uhr
Weder ein Radikaler noch Bürgerkrieg
J Kröger (justuskroeger)
- 22.01.2012, 21:45 Uhr