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Sandy Katastrophe und Kalkül

 ·  „Sandy“ rückt die beiden Präsidentschaftskandidaten in ein neues Licht: der Präsident als Krisenmanager, der Herausforderer als Antikrisengewinnler.

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Der Nordosten der Vereinigten Staaten wird von einer schweren Naturkatastrophe heimgesucht: Viele Opfer sind zu beklagen, Städte sind überflutet, Millionen Menschen sind ohne Strom, der wirtschaftliche Schaden ist immens. Nach allem, was man bislang weiß, waren die Rettungskräfte auf den Tropensturm „Sandy“ vorbereitet. Dennoch wird es Tage dauern, bis das Schlimmste überstanden ist; es wird Wochen dauern, bis die Schäden behoben sein werden - und in weniger als einer Woche sollen die Amerikaner einen Präsidenten wählen. Deswegen rücken die beiden Kandidaten in ein neues Licht: der Präsident als Krisenmanager, der Herausforderer als Antikrisengewinnler.

„Politics as usual“ soll und darf nicht sein angesichts eines Naturereignisses, dessen Folgen verheerend sind. Und doch gibt es so etwas wie Katastrophenpolitik. Es wird die Frage gestellt, wem das womöglich nutzt und wem es schadet. Das kann man zweifellos zynisch und pietätlos finden, aber es gibt das: Schröder, zum Beispiel, hat seine Wiederwahl 2002 auch seiner telegen-schnellen Reaktion auf die Flut in Ostdeutschland zu verdanken. Bushs öffentlicher Dilettantismus im Auge des Hurrikans „Katrina“ trug entscheidend zu seinem Ansehensverlust bei. In einer Wahl, deren Ausgang auf des Messers Schneide steht, werden jetzt beide Seiten vermutlich jedes Wort und jede Geste wägen (und bestreiten, dass sie das tun). Vor allem darf der Präsident, eben weil er der Präsident ist, nicht in den Augen der Bürger versagen, ob sie direkt betroffen sind oder nicht. Der Apparat muss funktionieren.

Oder wird das doch kaum eine Rolle spielen? In den Bundesstaaten, die der Sturm in der Nacht zum Dienstag mit besonders großer Wucht getroffen hat, liegt Obama weit vor seinem Gegner - es müsste ein Wunder geschehen, damit Romney hier siegte. Wird der Wahlausgang in den Schlüsselstaaten beeinflusst, in denen sich die Wahl entscheidet? Vielleicht, wenn die Leute physisch nicht zur Wahl gehen können, wenn der Präsident eine ganz schlechte Figur macht. Die Amerikaner erwarten von ihrem Führungspersonal, dass sie das eben nicht machen, dass sie kompetent und mit Empathie eine schwere Situation meistern. Dafür wurden sie schließlich gewählt. Und dass sie es mit Anstand tun, so wie der Gouverneur von New Jersey, ein Anhänger Romneys, der den Präsidenten für dessen Einsatz mehrfach lobte.

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Jahrgang 1955, verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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