Home
http://www.faz.net/-hbi-72ymh
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Obama attackiert Romney „Ein Präsident muss für jeden arbeiten“

 ·  Mitt Romneys heimliche aufgezeichnete „Wählerbeschimpfung“ hat für den Republikaner fatale Folgen. Der Herausforderer bemüht sich im amerikanischen Wahlkampf um Schadensbegrenzung, Amtsinhaber Obama spürt Aufwind.

Artikel Bilder (2) Video (1) Lesermeinungen (44)

Präsident Barack Obama hat die abfälligen Äußerungen seines republikanischen Kontrahenten Mitt Romney über einkommensschwache Bürger zurückgewiesen. Es sei falsch, dass insbesondere seine Wähler von der Regierung verlangten, für sie zu sorgen, sagte Obama am Dienstag bei der Aufzeichnung von David Lettermans „Late Show“. „Es gibt nicht viele Menschen, die denken, sie hätten Anspruch auf irgendetwas“, meinte der Präsident.

In dem mit einer versteckten Kamera aufgenommenen Video erklärt Romney, dass sein Wahlkampf nicht darauf ausgerichtet sei, jene „47 Prozent“ der Leute anzusprechen, die Obama wählten. Er charakterisierte sie als Sozialschmarotzer, die Gesundheitsfürsorge, Essen und Unterkunft vom Staat einforderten und keine Einkommensteuer zahlten.

Der Clip hatte für großen Wirbel gesorgt und den Herausforderer bei der Wahl am 6. November in Erklärungsnot gebracht. Obama bezeichnete es als Fehler, einen großen Teil der Bevölkerung abzuschreiben. „Als Präsident repräsentiert man das gesamte Land. Wenn man Präsident sein will, muss man für jeden arbeiten“, sagte der Amtsinhaber in der „Late Show“.

Wahlkampf in Amerika: Obama nutzt Romney-Patzer

Zwei republikanische Senats-Bewerber gingen am Dienstag zu ihrem Präsidentschaftskandidaten auf Distanz. „Das ist nicht meine Sicht der Welt“, erklärte Senator Scott Brown aus Massachusetts in der Zeitung „The Hill“. Auch Linda McMahon, die in Connecticut um einen Sitz kämpft, gab in einer Erklärung bekannt, sie sei mit Romney nicht einer Meinung

Während die Republikaner die Kontrolle über das Repräsentantenhaus behalten dürften, stand die demokratische Mehrheit im Senat Umfragen zufolge lange Zeit auf der Kippe. Wahlforscher des „New York Times“-Blogs FiveThirtyEight gehen in einer am Dienstag veröffentlichten Studie inzwischen allerdings von leichten Vorteilen für die Demokraten aus.

Romney verteidigte unterdessen seine Kommentare. Sie verdeutlichten, dass er an die freie Marktwirtschaft glaube statt an die Großzügigkeit des Staates, sagte er in einem Interview des Fernsehsenders Fox News. Der Präsident dagegen stehe für eine Umverteilung des Wohlstands. „Ich glaube, eine Gesellschaft, in der der Staat eine immer größere Rolle spielt, verteilt Geld um - und das ist der falsche Weg für Amerika“,
sagte er.

Carter-Enkel an Veröffentlichung beteiligt

Zu seiner Kritik, dass 47 Prozent der Wähler keine Einkommenssteuer zahlten, erklärte er: „Ich glaube, die Menschen würden gern Steuern zahlen.“ Das sei ein Zeichen, dass es einem finanziell gut genug gehe. Obamas Wahlkampflager hatte Romney vorgeworfen, mit seinen Äußerungen die Hälfte der Bevölkerung beleidigt und „abgeschrieben“ zu haben.

Teile des Mitschnitts eines privaten Empfangs für reiche Romney-Wahlspender im Mai waren dem linksgerichteten Magazin „Mother Jones“ zugespielt worden. Es stellte am Dienstag das gesamte Video ins Internet.

Nach einem Bericht des Fernsehsenders NBC war der Enkel des demokratischen früheren Präsidenten Jimmy Carter an der Veröffentlichung beteiligt. Er habe einen Ausschnitt davon auf der Videoplattform YouTube gesehen und den Urheber kontaktiert, sagte James Carter IV. Dann habe er als Mittelsmann zwischen dem Videobesitzer und einem Journalisten des Magazins fungiert.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen