Nach den Parteitagen der Demokraten und Republikaner haben Präsident Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney am Freitag die heiße Phase der Wahlkampagne vor der Präsidentenwahl in 60 Tagen eingeleitet. Sowohl Obama und Vizepräsident Joseph Biden als auch auf der Gegenseite Romney, sein „running mate“ Paul Ryan und Romneys Frau Ann reisten am Freitag zu Auftritten in besonders umkämpfte Bundesstaaten wie New Hampshire in Neuengland, Iowa im Mittleren Westen, Florida, Virginia und Nevada.
Romneys Wahlkampfstab startete zudem eine weitere Werbekampagne im Fernsehen in acht umkämpften Staaten. In 15 verschiedenen Wahlwerbespots wird hervorgehoben, dass es der Mehrheit der Amerikaner heute schlechter gehe als zum Zeitpunkt des Amtsantritts von Präsident Obama vom Januar 2009. Die Präsidentenwahl wird in den wenigen „Schlachtfeldstaaten“ entschieden, in denen beide Parteien die Chance auf eine Mehrheit und damit den Gewinn der dort jeweils zu vergebenden Wahlmännerstimmen haben.
„Brauche mehr Zeit“
In seiner Rede zum Abschluss des dreitägigen Nominierungsparteitags der Demokraten in Charlotte in North Carolina warb der Präsident um das Vertrauen der Wähler, damit er die begonnene Arbeit für eine Wirtschaft mit einem nachhaltigen Wachstum in einer zweiten Amtszeit fortsetzen könne.
Er rief die Delegierten in Charlotte und die Menschen an den Fernsehschirmen auf, ihre Hoffnung auf Veränderung nicht aufzugeben. Obama sagte, die Probleme, die sich in den vergangenen Jahrzehnten aufgehäuft hätten, habe er nicht in wenigen Jahren lösen können. Er appellierte an die Wähler, ihm mehr Zeit für die Lösung dieser Probleme zu geben. Bei der Präsidentenwahl vom 6. November stünden die Wähler in Amerika vor der klarsten Entscheidung seit einer Generation, sagte der Präsident.
In seiner Rede formulierte Obama - anders als vor vier Jahren - keine großen Visionen, sondern beschränkte sich auf überschaubare Ziele. So sollen bis Ende 2016 eine Million neuer Arbeitsplätze in der Industrie geschaffen werden. Die Verdoppelung der amerikanischen Ausfuhren soll bis 2014 erreicht werden. Die Verschuldung, die jüngst die Schwelle von 16 Billionen Dollar überschritten hat, soll im nächsten Jahrzehnt um mehr als vier Billionen Dollar reduziert werden. Außerdem versprach der Präsident die Halbierung der Erdöleinfuhren bis 2020.
„Ich habe nie gesagt, dass dieser Weg einfach sein würde, und ich werde es auch jetzt nicht versprechen“, sagte Obama: „Der Weg, den wir anbieten, mag steinig sein, aber er führt zu einem besseren Ort. Ja, diese Reise ist länger, aber wir bewältigen sie gemeinsam.“ Im November stünden „zwei grundsätzlich verschiedene Visionen für die Zukunft“ zur Wahl, sagte Obama. Sein Herausforderer wolle den Staatshaushalt mit „Billionen-Ausgaben für neue Steuergeschenke für die Reichen“ sanieren. Die Republikaner setzten weiter auf „die gleichen Rezepte der vergangenen dreißig Jahre“, die das Land erst in die Krise geführt hätten.
„Romney außenpolitisch ahnungslos“
Obama bezeichnete Romney als außenpolitisch ahnungslos. Dessen Weltbild sei „in einer Zeitschleife aus dem Kalten Krieg“ gefangen. Wer wie Romney Russland und nicht das Terrornetz Al Qaida als größten Feind der Vereinigten Staaten bezeichne, sei nicht in der Lage, die Vereinigten Staaten zu führen. In einer Welt voller „neuer Bedrohungen und neuer Herausforderungen“ brauche das Land eine „Führung, die getestet wurde und sich bewährt hat“, sagte Obama.
Das Romney-Lager erklärte in einer ersten Reaktion, Obama wolle dieselbe Politik fortsetzen, die bereits in seiner bisherigen Amtszeit keinen Erfolg gebracht habe. „Er hat mehr Versprechen gemacht, aber die Versprechen der ersten vier Jahre nicht gehalten,“ hieß es in einer Erklärung.
Als Obama offiziell seine Nominierung zur abermaligen Kandidatur annahm, reagierten die gut 20.000 Anhänger mit tosenden Beifall. Wegen drohender Unwetter fand die Abschlussveranstaltung nicht wie geplant in einem Sportstadion unter freien Himmel statt, in das über 60.000 Menschen gepasst hätten.
Zum Abschluss des Parteitages traten auch Hollywoodstars wie Kerry Washington, Scarlett Johansson und Eva Longoria auf. Auch Caroline Kennedy, die Tochter des 1963 ermordeten Präsidenten John F. Kennedy, sprach kurz zu den Delegierten.
Ein sehr schwerer Weg!
Gerda Fürch (Alexandrina)
- 09.09.2012, 12:32 Uhr
Die Hetzjagt auf die nicht-Sozialisten der USA geht bei uns also weiter
Josef Bujtor (Mramorak)
- 08.09.2012, 03:16 Uhr
Wer von den Mitforisten vermag auf praktische (Arbeits-)Erfahrungen in
den USA
Rolf Joachim Siegen (rolfS2)
- 07.09.2012, 19:06 Uhr
Das verstehe einer
Sybille Schneeberger (Schneebaeseli)
- 07.09.2012, 16:15 Uhr
Aber wie sieht denn bitte die Alternative zu Obama aus?
Marc-André Schöneborn (fontane04)
- 07.09.2012, 15:45 Uhr