Home
http://www.faz.net/-gq6-tmux
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Vereinte Nationen Neuer UN-Generalsekretär verspricht Führungsstärke

14.10.2006 ·  Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat den südkoreanischen Außenminister Ban Ki-moon zum UN-Generalsekretär ernannt. Damit wird der 62 Jahre alte Ban im Januar 2007 Kofi Annan ablösen. Ein Porträt.

Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (0)

Die Vollversammlung der Vereinten Nationen (UN) hat am Freitag den südkoreanischen Außenminister Ban Ki-moon als neuen UN-Generalsekretär bestätigt. Die Mitglieder der Vollversammlung stimmten per Akklamation einer entsprechenden Resolution zu. Der Sicherheitsrat hatte Ban am Montag für die Nachfolge von Kofi Annan nominiert.

Damit wird der 62 Jahre alte Ban, wie erwartet, den seit zehn Jahren amtierenden Afrikaner am 1. Januar 2007 ablösen. Eine seiner ersten Reisen werde ihn nach Nordkorea führen, erklärte Ban. Außerdem will er sich wie Annan für eine Reform der Vereinten Nationen einsetzen.

„Ich mag zurückhaltend oder auch leise wirken, aber das bedeutet nicht, daß es mir an Führungskraft oder Bestimmtheit fehlt“, sagte Ban in seinem ersten formellen Interview nach seiner Wahl. Bescheidenheit und Demut würden als asiatische Tugenden betrachtet, sollten aber nicht mißverstanden werden, erklärte der Südkoreaner. „Ich treffe mit Bestimmtheit Entscheidungen, wann immer es notwendig ist.“

„Administrative Last zu groß“

Ban wird wohl auch nicht dem Wunsch der Vereinigten Staaten folgen, sich mehr auf die Leitung der UN als auf Diplomatie zu konzentrieren, was der amerikanische Botschafter bei den UN dem Nachfolger Kofi Annans nahegelegt hat. „Die administrative Last auf den Schultern des des Generalsekretärs ist zu groß“, sagte Ban. Er wolle viel reisen und den täglichen Betrieb der 9000 Personen starken UN einem Stellvertreter übertragen. „Ich will eine Balance versuchen zwischen meiner Arbeit als politischer Führer und Leiter der Verwaltung“, erklärte er in dem Interview, das in Südkoreas UN-Mission gegenüber dem UN-Sitz in New York geführt wurde.

Ban wich in dem Interview der Frage nach einer Antwort auf den nordkoreanischen Atomtest ebenso aus wie einer Festlegung, ob er Anfang kommenden Jahres zu einem Besuch Nordkoreas bereit wäre, um Spannungen abzubauen. Auch wollte er sich nicht zu möglichen Personal-Änderungen an zentralen UN-Stellen äußern. Mit Blick auf eine Reform der UN sagte Ban, notwendig sei eine Stärkung eines jeden UN-Zweiges und die Minimierung von Überlappungen. „Wir müssen bereits eingeschränkte Ressourcen auf eine effizientere Art nutzen.“

Schwerer Konflikt in der Heimat

Der vergangene Montag war für den südkoreanischen Außenminister wohl einer der schwierigsten Tage seiner Karriere, ein Wechselbad der Gefühle. Zum Entsetzen seiner Regierung machte das Regime in Nordkorea seine Drohung wahr und testete die erste Atomwaffe auf der geteilten Halbinsel.

Was für ein Schlag gegen die Seouler Diplomatie der Versöhnung und Annäherung, der sich Ban verschrieben hat. Kurz nach diesem Rückschlag sollten am selben Tag die letzten Vorentscheidungen für die Krönung von Bans Karriere gestellt werden: die Nominierung durch den Sicherheitsrat für das Amt des Generalsekretärs der Vereinten Nationen.

Neben den vielen Krisen von Beirut bis Bagdad ist Ban schon wegen seiner Herkunft einem Konflikt besonders verpflichtet: dem Streit um das nordkoreanische Atomprogramm, der von den Vereinten Nationen bislang eher stiefmütterlich behandelt wurde. Dies wird freilich nicht überall als glücklich angesehen, denn Ban war in dieser Auseinandersetzung bislang Partei.

Mit den Vereinten Nationen vertraut

Ban Ki-moon entspricht dem Klischee des Diplomaten: höflich, glatt, lächelnd, ein Mann, der Kontroversen meidet, verbindlich wirkt und vage bleibt. Mehr als die Hälfte seines Lebens, 36 Jahre, diente er dem Außenministerium, davon fast zehn Jahre in Positionen, die mehr oder weniger mit den Vereinten Nationen zu tun hatten.

Er arbeitete in der UN-Abteilung seines Ministeriums, in der südkoreanischen UN-Vertretung in New York, zuletzt 2001 als rechte Hand des koreanischen Präsidenten der UN-Vollversammlung. Zweimal war er in Washington auf Posten. Seine Regierung schickte ihn als Botschafter nach Wien, wo er sich vor allem mit Fragen des Nichtverbreitungsregimes beschäftigte.

„Innere Stärke“

Kritiker hatten bemängelt, Ban fehle der nötige Biß für das Amt des Generalsekretärs, und er werde eine schwache Führungsfigur abgeben. Er möge zwar nicht wie eine starke Persönlichkeit aussehen, konterte der Südkoreaner, aber er habe „innere Stärke“.

Meist agierte der leise Diplomat außerhalb des Rampenlichts, auch als er zwei südkoreanische Präsidenten beriet. Für manche blieb er blaß und ohne Charisma, doch andere loben seine Arbeit hinter den Kulissen als zäh und zielstrebig, bescheinigen ihm konfuzianische Tugenden. Zur Mythenbildung seines Ministeriums gehört dieser Tage die Geschichte vom ewig arbeitenden Chef. Und so gibt es in Seoul auffällig wenig Anekdoten vom Privatmann Ban, der es immer verstand, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein.

„Faust im Samthandschuh“

Als Schüler, der einen Sprachwettbewerb gewann, durfte er nach Washington und traf dort John F. Kennedy, was in ihm den Wunsch geweckt haben soll, Diplomat zu werden. Wegen seines weich wirkenden Wesens hebt sein Umfeld derzeit immer wieder hervor, der Zweiundsechzigjährige sei durchaus eine Führungspersönlichkeit, „eine eiserne Faust im Samthandschuh“.

Ban, der sich selbst als „Jungen vom Land“ beschreibt, wurde geboren, als Korea noch unter japanischem Joch stand. Seine Kindheit war gezeichnet von Entsagungen, doch er schaffte es an die Eliteuniversität des Landes und später nach Harvard, wo er an der Kennedy School of Government einen Magister-Titel erwarb. Nach dem Studium ging er ins Außenamt, und im Januar 2004 wurde er, was für einen Beamten ungewöhnlich ist, von Präsident Roh zum Außen- und Handelsminister berufen.

Quelle: FAZ.NET mit pen./Frankfurter Allgemeine Zeitung und dpa
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen