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UN in Sudan „Wir brauchen deutsche Hilfe“

26.01.2006 ·  Den 7000 Soldaten der Afrikanischen Union gelingt es in Darfur nicht, den Waffenstillstand durchzusetzen. Der UN-Sondergesandte für Sudan, Jan Pronk, über den Einsatz einer UN-Truppe und die Notwendigkeit deutscher Hilfe.

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In der westsudanesischen Krisenprovinz Darfur gelingt es den etwa 7000 Soldaten der Afrikanischen Union (AU) nicht, den Waffenstillstand durchzusetzen. Die mehr als zwei Millionen Flüchtlinge können nicht zurückkehren. Im März geht der AU-Mission zudem das Geld aus.

Die AU schließt mittlerweile eine Übernahme ihres Einsatzes durch die Vereinten Nationen nicht mehr aus. Der UN-Sondergesandte für Sudan, Jan Pronk, hält eine UN-Truppe nur noch für eine Frage der Zeit. Der 1940 geborene Niederländer hatte, bevor er im Juni 2004 den Posten in Sudan übernahm, in verschiedenen Funktionen UN-Generalsekretär Kofi Annan gedient und war davor Entwicklungs- und Umweltminister in den Niederlanden. Mit Pronk, der bei einem UN-Engagement in Westsudan auch auf eine deutsche Beteiligung hofft, sprach in Khartum Hans-Christian Rößler.

Werden die UN dieses Jahr Truppen nach Darfur entsenden?

Ich erwarte UN-Truppen in diesem Jahr oder Anfang 2007. Das hängt vom Sicherheitsrat ab, der noch nicht auf einen Beschluß der Afrikanischen Union reagiert hat. Ich rechne im Februar mit einer Entscheidung. Dann müssen wir mit den Planungen anfangen und gleichzeitig sehen, wie wir die Zeit überbrücken, bis die UN die Mission von den Afrikanern übernehmen können. Schwierig ist auch, daß die UN schon etwa 15 solcher Einsätze auf der Welt führen. Woher soll man neue Truppen bekommen? Bei den UN hat man eigentlich den Eindruck, daß hier schon eine Grenze erreicht ist.

Was fehlt in Darfur?

Wir brauchen 12.000 bis 20.000 Soldaten statt der bisherigen 7000. Sie müssen überall sein, auch in entlegenen Dörfern. Die Soldaten müssen dasein, um Angreifer abzuschrecken. Dann sollen auch die Flüchtlinge zurückkehren. Sie werden aber nur nach Hause kommen, wenn Schutz vorhanden ist. Deshalb ist eine große Truppe nötig, die stark sein muß. Das ist bei der AU nicht der Fall: Die AU-Soldaten haben ihre Arbeit gut gemacht, aber sie sind zu wenige, und es mangelt ihnen an Ressourcen. Ihnen fehlt besonders Ausrüstung, um sehr schnell reagieren und sich schützen zu können. So haben sie keine gepanzerten Mannschaftstransportfahrzeuge.

Wie sollte das neue Mandat aussehen?

Für die neue Truppe sollte klar sein, daß sie ziemlich lange in Darfur bleibt. Vier Jahre wird es dauern, um eine Rückkehr der Flüchtlinge zu ermöglichen. Das Mandat sollte es auch erlauben, die Konfliktparteien zu entwaffnen, und Sanktionen vorsehen, sollten UN-Resolutionen verletzt werden. Nato-Kräfte würden dagegen in der Region auf Ablehnung stoßen: Die AU, der Sudan angehört, will die Mission den UN übertragen, in denen Sudan auch Mitglied ist.

Was erwarten Sie von Deutschland?

Wir brauchen keine Soldaten aus Deutschland, sondern Unterstützung für die Afrikaner und Asiaten, die ja schon in Sudan sind. Für die Überwachung des Waffenstillstands benötigt man jedoch auch Leute aus dem Westen; für Südsudan hatte der frühere Bundesverteidigungsminister Struck zum Beispiel 70 Beobachter zugesagt. Dann sind unterstützende Kräfte notwendig, die Mobilität sicherstellen: Hubschrauber mit Besatzungen, Fachleute für Logistik, Planung und Kommunikation. Es geht nicht um das Geld dafür, sondern vor allem um Ausrüstung mit dem dazugehörenden Personal. Bewaffnete Truppen, die die Menschen in Darfur schützen, sollten dagegen nicht aus Europa, sondern weiterhin aus Afrika und Asien kommen.

Warum kommen die Friedensgespräche für Darfur nicht voran?

Es fehlen der nötige Druck und das Gefühl, daß man schnell ein Ergebnis erzielen muß. Zudem sind die (Rebellen-)Gruppen gespalten und werden von Kräften von außerhalb manipuliert. Unter den Gruppen, wie vielleicht auch in Khartum, ist die Entscheidung, den politischen Weg einzuschlagen, noch nicht gefallen. Besonders bei den Gruppen ist sehr unsicher, ob sie ihre Kommandeure draußen im Land überhaupt kontrollieren. Die Frage ist daher, ob man dann ein Abkommen mit denjenigen schließt, die wirklich die Macht haben, es in die Tat umzusetzen.

Welche Folgen haben diese Verzögerungen für die Bevölkerung?

Für die Leute in den Lagern hat sich die Lage deutlich verbessert. Die Sterblichkeitsrate und die Unterernährung sind zurückgegangen. Aber es ist nur ein Überleben. Die wirtschaftliche Lage in Darfur verschlechtert sich dagegen; Armut breitet sich aus. Wenn die Hilfe abnimmt oder sie die Menschen wegen unsicherer Straßen nicht erreichen kann, wird die Sterblichkeit wieder zunehmen.

Quelle: F.A.Z., 27.01.2006, Nr. 23 / Seite 5
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