02.10.2007 · UN, EU und Berlin verurteilen den Angriff auf eine Friedenstruppe der Afrikanischen Union in Darfur. Zehn Soldaten wurden dabei getötet, mehr als zwanzig werden noch vermisst. Der Attacke der Rebellen folgt der Rückzug, denn die Truppe kann sich nicht einmal mehr selbst beschützen.
Eine Friedenstruppe auf dem Rückzug: Jüngste Bilder zeigen Soldaten der Afrikanischen Union (AU), wie sie mit Taschen und Koffern ihr Lager in Haskanita im Süden Darfurs verlassen. Dort waren sie am Sonntag anscheinend von Rebellen angegriffen worden. Männer in Uniformen der sudanesischen Armee plünderten anscheinend später das evakuierte Lager. Die Regierung in Khartum und das Rebellenbündnis „Sudanesische Befreiungsarmee“ wiesen sich gegenseitig die Verantwortung für den Gewaltakt zu.
Lange schon klagten Einheimische genauso wie Menschenrechtsgruppen und andere internationale politische Beobachter, die 7.000 in Darfur stationierten Mann der AU hätten sich in ihre Lager zurückgezogen und beschützten nur noch sich selbst, nicht aber die durch Milizen und Banditen schikanierte Bevölkerung. Nun scheint den überwiegend schlecht ausgerüsteten und (wenn überhaupt) unterbezahlten Soldaten selbst das nicht mehr zu gelingen. Mindestens zehn Soldaten, so teilte die Afrikanische Union mit, seien getötet worden. Und am zweiten Tag nach dem Angriff fehlte nach AU-Angaben immer noch jede Spur von weiteren 20 Friedenssoldaten. In anderen Quellen war von 50 Vermissten die Rede.
Scharfe Kritik von der Bundesregierung
Die Vereinten Nationen, die sich anschicken, gemeinsam mit der AU eine auf 26 000 Soldaten vergrößerte Friedenstruppe aufzustellen und zu befehligen, reagierten mit Empörung. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sprach von einem „schockierenden und brutalen Angriff“. Auch die Bundesregierung verurteilt den Überfall „auf das Schärfste“ und fordert, die Täter „zur Rechenschaft zu ziehen“.
Die portugiesische EU-Ratspräsidentschaft verlangt eine eingehende Untersuchung des Vorfalls. Der ruchlose Angriff sei eine mutwillige Verletzung der Waffenstillstandsabkommen. Sie fordert alle Seiten auf, gemeinsam mit der AU und den Vereinten Nationen nach einer friedlichen Lösung zu suchen. Die AU bezichtigte eine Rebellenfraktion der Sudanesischen Befreiungsarmee (SLA) des Überfalls.
Damit ist immer fraglicher, ob die für Ende Oktober geplante Friedenskonferenz in Libyen Erfolg haben kann. Die Bemühungen der Vereinten Nationen, parallel zum langwierigen Aufbau einer Friedenstruppe einen politischen Dialog in Gang zu bringen, sind ohnehin dadurch erschwert, dass sich die Rebellengruppen immer weiter zersplittert haben. Längst nicht alle Gruppen, die mordend und plündernd durch Darfur ziehen, werden von politischen Motiven getrieben.
egal
Marcel Meier (MarcelMeier)
- 03.10.2007, 00:21 Uhr
Ein anderer Fall des UN-Versgens.
Josef Bujtor (Mramorak)
- 03.10.2007, 12:07 Uhr
Friedenstruppe
Max Rapp (maxrapp)
- 03.10.2007, 12:44 Uhr
Es sind eben Kriminelle
Friederine Teich-Erdmann (Teich-Erdmann)
- 05.10.2007, 11:58 Uhr