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Sudan Darfur-Flüchtlinge greifen UN-Fahrzeug an

08.05.2006 ·  In Darfur haben verzweifelte Flüchtlinge ein UN-Fahrzeug angegriffen. Nothilfe-Koordinator Egeland und Journalisten mußten aus dem Lager Kalma fliehen. Die Menschen fordern internationale Truppen zu ihrem Schutz, doch die Regierung zögert.

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Flüchtlinge in einem Lager im Westsudan haben am Montag ein Fahrzeug der Vereinten Nationen (UN) angegriffen. Der UN-Nothilfe-Koordinator Jan Egeland sowie weitere Helfer und Journalisten mußten das Lager Kalma in Darfur fluchtartig verlassen, nachdem eine Demonstration Tausender Menschen außer Kontrolle geraten war. Die Demonstranten forderten internationale Truppen zu ihrem Schutz.

Die Gewalt brach aus, als eine Frau schrie, einer der humanitären Mitarbeiter gehöre zu den Djandjawid-Milizen. Daraufhin griff die Menschenmenge einen Wagen der UN mit Äxten und Steinen an und zerstörte dessen Fenster. Den Milizen werden massive Übergriffe gegen die Zivilbevölkerung vorgeworfen.

Trügerische Hoffnung

Neue Hoffnung für die Krisenprovinz Darfur hatte das am Freitag unterzeichnete Friedensabkommen geweckt. Sie könnte sich aber als trügerisch erweisen, denn es fehlen weiter zwei Unterschriften: die der Rebellen vom „Justice and Equality Movement“ (JEM) und einer Fraktion der „Sudan Liberation Army“ (SLA). Immerhin unterstützten der größte Teil der SLA und die sudanesische Regierung das Abkommen.

Khartum hatte einen Friedensvertrag zur Vorbedingung für die Zustimmung zur Entsendung einer UN-Truppe nach Darfur gemacht. Am Sonntag wies jedoch ein Regierungssprecher darauf hin, daß darüber noch nicht entschieden sei.

Ob das Abkommen taugt, um etwas Frieden in die Krisenprovinz zu bringen, wird sich schon in den nächsten Tagen erweisen. Anders als UN-Nothilfekoordinator Egeland, der Darfur seit Sonntag besucht, bleibt immer mehr Helfern der Zugang in die Region verwehrt, obwohl die Einwohner dringend Hilfe brauchen. Denn in Darfur ist trotz der jüngsten Fortschritte bei den Friedensgesprächen ein weiteres Jahr verlorengegangen: Im Juni beginnt die Regenzeit, in diesen Tagen müßten sie daher ihre Felder vorbereiten.

Hilfsbereitschaft sinkt dramatisch

Doch daran ist weder für die mehr als zwei Millionen Menschen, die vor der Gewalt geflohen sind, noch für die wenigen derjenigen zu denken, die noch in ihren Häusern leben: Nur noch vier Prozent der Haushalte in Darfur sind in der Lage, sich selbst mit Nahrungsmitteln aus eigener Produktion zu versorgen, berichtet das Welternährungsprogramm (WFP).

Zugleich ist die Bereitschaft, in Darfur zu helfen, dramatisch gesunken: Allein das WFP brauchte 746 Millionen Dollar, um in diesem Jahr Darfur (und andere Teile Sudans) mit den nötigsten Grundnahrungsmitteln zu versorgen, hat aber bisher nur 287 Millionen Dollar erhalten. Das Kinderhilfswerk Unicef erhielt bis Ende März nur drei Prozent der Mittel, die es für seine Arbeit dort veranschlagt.

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