14.03.2006 · Ein Gericht in Belgrad hat den Haftbefehl gegen Mirjana Markovic aufgehoben. Somit könnte die Witwe des früheren jugoslawischen Präsidenten Milosevic nach Serbien reisen, um einer Bestattung beizuwohnen. Ob sie das wirklich tut, ist noch unklar.
Der frühere jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic könnte nun doch in Belgrad beigesetzt werden. Mit der Entscheidung eines Kreisgerichts, den Haftbefehl gegen Milosevics Witwe Mirjana Markovic auszusetzen, sei der Familie die Möglichkeit eröffnet worden, den Gestorbenen in Belgrad beizusetzen, sagte der serbische Ministerpräsident Vojislav Kostunica am Dienstag der Nachrichtenagentur Beta.
Eine Sprecherin des zuständigen Gerichts in Belgrad sagte am Dienstag, Frau Markovic solle bei einer Einreise nach Serbien nicht verhaftet werden, solange sie die Auflagen des Gerichts erfülle. Dazu gehört angeblich eine Kaution in Höhe von 10.000 Euro. Ob Milosevics Familie die Möglichkeit nutzen will, ist noch unklar.
Ärger in der Koalition
Unterdessen hat die Regierungspartei G17 gedroht, die Koalition zu verlassen, sollte für Milosevics Ehefrau ein Sonderrecht angewandt werden. „Wir sind nicht bereit, in einer Regierung zu sein, die nicht imstande ist, die Gesetze dieses Landes auf alle Bürger anzuwenden“, sagte Präsidiumsmitglied Cedomir Antic. Hintergrund des Protestes sind Forderungen, trotz gegenteiliger gesetzlicher Vorschriften die Anklage wegen Amtsmißbrauches für nichtig zu erklären.
Slobodan Milosevics Sohn Marko war am Dienstag morgen in Den Haag eingetroffen. Er wollte dort den Leichnam seines am Samstag gestorbenen Vaters in Empfang nehmen und hatte mitgeteilt, die Moskauer Behörden hätten ihm erlaubt, seinen Vater „vorübergehend“ in der russischen Hauptstadt zu beerdigen, sofern ein Begräbnis in Serbien nicht zustande komme. Am Montag hatte der Anwalt der Familie mitgeteilt, Slobodan Milosevic werde in Belgrad bestattet.
Der Agentur Reuters sagte Marko Milosevic am Dienstag, die Belgrader Behörden erlaubten nicht, seinen Vater dort beizusetzen. „Sie wollen es verhindern.“ Deshalb strebe die Familie nun eine Bestattung in Moskau an. „Soweit ich weiß, hat der Moskauer Bürgermeister Yuri Luschkow gestern zugestimmt, und morgen werden wir die russischen Behörden fragen.“
Haager Tribunal stellt Verfahren ein
Ein russisches Ärzteteam flog am Dienstag ebenfalls nach Den Haag, um sich über die Ergebnisse der Autopsie Milosevics zu informieren. Am Montag hatten niederländische Ärzte bestätigt, in seinem Blut Spuren eines Medikaments gefunden zu haben, das die Wirkung anderer, verschriebener Medikamente aufhob. (Siehe auch: Milosevics Tod: Lawrow fordert weitere Autopsie)
Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat unterdessen das Verfahren gegen Slobodan Milosevic formell eingestellt. „Sein Tod beendet dieses Verfahren“ sagte der Vorsitzende Richter Patrick Robinson am Dienstag.
Häftlinge kondolieren Milosevics Familie
Milosevic stand seit dem 12. Februar 2002 vor Gericht. Ihm wurde unter anderem Völkermord vorgeworfen. Milosevic wurde am Samstag tot in seiner Zelle gefunden. Eine Obduktion unter Beteiligung serbischer Gerichtsmediziner ergab als vorläufiges Ergebnis einen Herzinfarkt als Todesursache.
Mit einer Anzeige in der Belgrader Zeitung „Politika“ haben 34 Häftlinge des UN-Kriegsverbrechertribunals zum Tod von Slobodan Milosevic kondoliert. „Letzter Gruß dem Haager Mitkämpfer“, heißt es in der am Dienstag veröffentlichten Anzeige, die nicht nur von serbischen Angeklagten, sondern auch vom kroatischen General Ante Gotovina und dem früheren mazedonischen Verteidigungsminister Ljube Boskoski unterzeichnet wurde. „Wir übermitteln seiner Familie ein aufrichtiges Beileid.“