25.05.2009 · Nordkoreas zweiter Atomtest in drei Jahren bringt die internationale Gemeinschaft abermals gegen das Regime in Pjöngjang auf. Nordkorea bedrohe den internationalen Frieden und die Sicherheit, sagte Präsident Obama in Washington. Japan forderte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats.
Nordkorea hat mit seinem zweiten Atomtest die internationale Gemeinschaft provoziert: Nach amtlichen Angaben aus Pjöngjang zündete der kommunistische Staat am Montag unterirdisch einen nuklearen Sprengsatz „zur Stärkung seiner nuklearen Abschreckung und Selbstverteidigung“.
Das russische Verteidigungsministerium bestätigte eine Atomexplosion im Nordosten Nordkoreas und schätzte die Stärke auf zehn bis 20 Kilotonnen - vergleichbar den US-Atombomben, die gegen Ende des Zweiten Weltkrieges Hiroschima und Nagasaki zerstörten.
Obama: „Eklatante Missachtung“ der UN
Das Vorgehen der nordkoreanischen Führung stieß auf massive internationale Kritik. Der amerikanische Präsident Barack Obama sagte, es komme nach den jüngsten Drohungen und Taten nicht überraschend und stelle eine „eklatante Missachtung“ des UN-Sicherheitsrats und eine Verletzung internationalen Rechts dar. Nordkorea bedrohe so den internationalen Frieden und die Sicherheit.
Frankreich forderte umgehend härtere Sanktionen gegen Pjöngjang. Paris werde mit seinen Partnern der Vereinten Nationen über die Konsequenzen „dieser schwerwiegenden Handlung“ beraten, sagte Außenminister Bernard Kouchner. „Insbesondere über die Verschärfung der Sanktionen.“
Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap meldete, nach dem Atomtest habe Nordkorea zudem drei Kurzstreckenraketen abgefeuert. Bestätigt wurde das zunächst nicht. Vermutet wurde aber sogleich, dass Nordkorea damit einen Test seiner Langstreckenraketen getarnt haben könnte.
Erste Sanktionen 2006
Nach dem ersten Atomtest 2006 hatten die Vereinten Nationen Sanktionen gegen Nordkorea verhängt. Im April dieses Jahres startete Nordkorea eine Langstreckenrakete. Nach ihrer Verurteilung im UN-Sicherheitsrat kündigte die kommunistische Regierung eine Wiederaufnahme ihres Atomprogramms und einen Boykott der Sechs-Parteien-Gespräche mit Südkorea, Japan, China, Russland und den Vereinigten Staaten an.
Ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Alexander Drobyschewski, sagte, der nordkoreanische Atomtest habe 80 Kilometer nordwestlich der Stadt Kilju in der Provinz Nord-Hamgyong stattgefunden. Dort wurde 2006 auch die erste unterirdische Nuklearzündung durchgeführt.
Die russische Schätzung auf zehn bis 20 Kilotonnen Sprengkraft würde einen massiven Fortschritt bedeuten: Amerikanische Experten hatten den ersten Test auf weniger als eine Kilotonne beziffert. Einer Kilotonne entsprechen in diesem Zusammenhang 1.000 Tonnen TNT.
Japan fordert Sicherheitsratssitzung
Seismologen in Deutschland, den Vereinigten Staaten, Südkorea und Japan registrierten eine erdbebenähnliche Erschütterung in dem Testgebiet. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover teilte mit, die BGR-Seismometer hätten eine Magnitude von 4,7 registriert. Das lasse auf eine Ladungsstärke von zehn Kilotonnen schließen. „Da es in diesem Gebiet nur eine sehr geringe Erdbebentätigkeit gibt, ist aus Sicht der BGR davon auszugehen, dass es sich tatsächlich um einen Kernwaffentest handelt“, hieß es. Zum endgültigen wissenschaftlichen Nachweis seien noch weitere Untersuchungen nötig.
Russland und China haben eine gemeinsame Grenze mit Nordkorea. In der 200 Kilometer vom nordkoreanischen Testgelände entfernten chinesischen Stadt Yanji heulten die Katastrophenschutzsirenen. Eine Hotelangestellte eines internationalen Hotels in Yanji sagte telefonisch, die Erde habe gebebt. Ein Mitarbeiter der Erdbebenbehörde in Yanji bestätigte, dass eine Explosion stattgefunden habe - „was für eine Explosion, ist aber schwer zu sagen“.
Japan forderte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats, wie der stellvertretende Außenminister Mitoji Yabunaka laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo erklärte. Kabinettsekretär Takeo Kawamura sagte, wenn Nordkorea tatsächlich einen Atomtest durchgeführt habe, wäre das eine klare Verletzung der UN-Resolutionen. „Wir werden das mit Sicherheit nicht zulassen.“