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Anschlag im Libanon Madrid verdächtigt Fatah al Islam

25.06.2007 ·  Die spanische Regierung macht die dem Terrornetz Al Qaida nahestehenden Islamisten verantwortlich für den Anschlag auf die Unifil-Truppe. Dabei waren sechs spanische Blauhelmsoldaten getötet worden.

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Die Terrorgruppe Fatah al Islam, die vor einigen Tagen schon die „Blauhelme“ der Vereinten Nationen im Libanon bedroht hatte, gilt im Madrider Verteidigungsministerium als hauptverdächtige Urheberin des Bombenanschlags vom Sonntag.

Dabei waren sechs Angehörige der spanischen Streitkräfte - drei Spanier und drei Kolumbianer - umgekommen. Zwei weitere Spanier wurden verletzt. Die Fatah al Islam, der enge Verbindungen zum internationalen Terrornetz Al Qaida nachgesagt werden, ist insbesondere in den palästinensischen Flüchtlingslagern im Libanon stark geworden. Demgegenüber hat sich die Hizbullah, deren schiitische Milizen weite Teile der Region im Süden des Landes kontrollieren, von dem Attentat distanziert.

Ferngesteuerte Autobombe

Ein gepanzertes Patrouillenfahrzeug der UN-Truppe Unifil mit insgesamt acht spanischen Soldaten auf einer „Routinemission“ auf dem Weg von Mardschaijun nach Chiam im Südlibanon war entgegen ersten Meldungen nicht auf eine Mine gefahren, sondern durch eine offenbar ferngesteuerte Autobombe zerstört worden. Es war dies der erste Angriff auf die internationale Friedenstruppe, die nach dem Krieg zwischen Israel und Hizbullah im vorigen Sommer im Libanon stationiert wurde.

Das spanische Kontingent ist in der 12.000 Soldaten aus 28 Ländern umfassenden Unifil-Truppe mit 1100 das drittgrößte nach dem italienischen und französischen. Verteidigungsminister José Antonio Alonso, der am Montag nach Beirut geflogen war, um die Leichname zurück nach Spanien zu begleiten, versicherte, dass die Truppen seines Landes trotz des Anschlags im Libanon bleiben und ihre eingegangenen Verpflichtungen erfüllen würden.

Bezichtigt hat sich der Tat zunächst niemand. Ein Sprecher der libanesischen Polizei sagte, in den zerfetzten Resten eines verdächtigen Personenwagen nahe des Tatorts habe man Leichenteile eines menschlichen Körpers entdeckt. Wahrscheinlich sei der Anschlag von einem Selbstmordattentäter begangen worden. Noch am Sonntag hatte die Polizei vermutet, dass eine ferngezündete Bombe am Straßenrand die starke Explosion ausgelöst haben könnte, bei der die zwei gepanzerten Wagen der Friedenstruppen völlig ausbrannten.

„In hoher Alarmbereitschaft“

Die Fatah al Islam liefert sich im Palästinenserlager Nahr al Barid nahe Tripoli seit mehr als einem Monat heftige Gefechte mit der libanesischen Armee. Anfang Juni hatte der Sprecher der Gruppe, Abu Salim Taha, der Unifil vorgeworfen, von See aus die libanesische Armee zu unterstützen, und Racheakte gegen Unifil-Soldaten angekündigt. Unifil wies die Vorwürfe zurück, verstärkte aber die Sicherheitsvorkehrungen. Die Sicherheitsstufe wurde von „grün“ auf „gelb“ verändert; höchste Sicherheitsstufe ist „rot“. Die Deutsche Marine ist an der Unifil beteiligt.

Bekannt sind weitere Drohungen von Al Qaida nahestehenden Gruppen gegen Unifil. Libanesische Regierungskreise werteten den Anschlag als ernsthaften Versuch, das Land zu destabilisieren, berichtete der Nachrichtensender Al Dschazira. Sie stellten einen Zusammenhang zwischen dem Anschlag und der Mission der Unifil-Truppen her. Es gebe Kreise, die über die Anwesenheit der Unifil-Soldaten an der Grenze nicht glücklich seien. Die libanesische Regierung zeige damit indirekt auf Syrien, kommentierte Al Dschazira. Der syrische Außenminister Muallim nannte den Anschlag indessen einen „verbrecherischen Akt“, der beabsichtige, die „Stabilität und Sicherheit im Südlibanon zu sabotieren“. Auch die Hizbullah verurteilte den Anschlag. Ihr Fernsehsender Al Manar kommentierte, diese „verdächtige Handlung“ schade die Menschen im Süden und im ganzen Libanon.

Entschädigung für Opfer

Der italienische Unifil-Kommandeur Claudio Graziano bezeichnete den Anschlag einen „Angriff auf die Stabilität der Region“. Die Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrats, die im vergangenen Sommer den Krieg zwischen der Hizbullah und Israel beendete, hatte die seit 1978 bestehende, in der Folge aber drastisch verstärkte Unifil-Truppe beauftragt, die Grenzen des Libanons zu überwachen und einen Waffennachschub für die Hizbullah zu verhindern.

Die Zahl der spanischen Opfer bei internationalen Einsätzen seit deren Beginn im Jahr 1987 hat sich nunmehr auf 135 erhöht. Im Jahr 2003 war die bislang größte Zahl von 62 Toten beim Absturz eines aus Afghanistan zurückkehrenden Flugzeuges über der Türkei zu beklagen. Der spanische Staat zahlt im Todesfall eine Entschädigung von jeweils 140.000 Euro, bei schwerer Invalidität bis zu 390.000 Euro. Das gilt auch für die ausländischen Armeeangehörigen, die gegenwärtig knapp sechs Prozent der rund achtzigtausend Soldaten in der spanischen Berufsarmee ausmachen. Von ihnen stammen mehr als drei Viertel allein aus Kolumbien und Ecuador. Ihr Anteil bei gefährlichen Auslandsmissionen macht bis zu einem Drittel der Kontingente aus.

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