Wenn der amerikanische Präsident George W. Bush und der iranische Präsident Mahmud Ahmadineschad aufeinandertreffen oder sich auch nur am selben Ort aufhalten, kommt es zu einem archaisch anmutenden Männerduell. Der Ort dieser Treffen, die keine sind, ist in der Regel New York, bei der jährlichen Plenumsdebatte der UN-Vollversammlung im September, bei welcher Bush und Ahmadineschad meist am gleichen Tag ans Rednerpult treten. Am Dienstag war es, seit dem Amtsantritt Ahmadineschads im August 2005, das dritte rhetorische Armdrücken, das sich vor den Vertretern der 192 UN-Mitgliedstaaten im ausladenden Saal der Vollversammlung im Sitz der UN am East River abspielte.
Doch vor dem eigentlichen Kampf pflegt sich Ahmadineschad in einer Art Rede-Sparring auf seinen in mancherlei Hinsicht stärkeren Gegner einzuboxen. Das tat Ahmadineschad in diesem Jahr in Interviews mit verschiedenen Fernsehsendern und Nachrichtenagenturen, mit einem Auftritt per Videokonferenz vor dem „National Press Club“ in Washington und vor allem mit seiner denkwürdigen Rede an der Columbia University im Norden Manhattans.
Leugnet Mord an sechs Millionen Juden
Schon im vergangenen Jahr war der iranische Präsident zur Teilnahme an der Ringvorlesung „World Leaders Forum“ eingeladen und hernach aus Sicherheitsgründen, wie es hieß, wieder ausgeladen worden. Offiziell hieß es seinerzeit, die Iraner hätten erst nach dem Eintreffen Ahmadineschads in New York, genau drei Tage vor der geplanten Veranstaltung, die Bereitschaft zur Teilnahme des Präsidenten signalisiert; in der Kürze der Zeit habe man nicht mehr die erforderlichen Vorkehrungen treffen können. Dieses Jahr verliefen die Planungen fast reibungslos und es kam zu dem Auftritt Ahmadineschads vor 600 Studenten und Fakultätsmitgliedern der New Yorker Universität.
Universitätspräsident Lee Bollinger, der für die Einladung des iranischen Staatschefs von mancher Seite kritisiert worden war, stellte in seinen Einleitungsworten den Gast als „engstirnigen und grausamen Diktator“ vor. Ahmadineschads beständiges Leugnen zeuge von seinem „entweder schamlos provokanten oder erstaunlich ungebildeten“ Wesen. Mit seiner Behauptung, der Mord an sechs Millionen Juden sei keine historische Tatsache, sondern allenfalls eine Theorie, könne der iranische Präsident vielleicht Ungebildete und Unwissende täuschen, sagte Bollinger weiter. „Wenn Sie aber an einen Ort wie diesen kommen, machen Sie sich damit einfach lächerlich. Der Holocaust ist das am besten dokumentierte Ereignis in der Menschheitsgeschichte“, sagte Bollinger zu Ahmadineschad, der die Begrüßungsworte mit gefrorenem Lächeln aufnahm.
„Feindselige amerikanische Presse“
Zu Beginn seiner eigenen Ansprache, in welcher es um die Wissenschaften als nobelstes Instrument zum Fortkommen der Menschheit ging, wies Ahmadineschad die Begrüßungsworte als Beleidigung zurück und warf Bollinger vor, unter dem Einfluss „der feindseligen amerikanischen Presse und Politik“ zu stehen. Er werde diese „unfreundliche Behandlung“ nicht mit gleicher Münze bezahlen und versicherte, eine solche Verletzung der Gastfreundschaft wäre in Iran - zumal in akademischer Umgebung - nicht vorstellbar.
Zu den Höhepunkten der Veranstaltung kam es dann nach dem Ende der Ansprache Ahmadineschads, als er auf Fragen der Studenten antwortete, die dem iranischen Präsidenten wohl zu mehr als zwei Dritteln skeptisch bis feindlich gegenüberstanden. Ahmadineschad bekräftigte seine Behauptung, der Holocaust sei eine unzureichend erforschte Theorie, für welche nicht „das palästinensische Volk den Preis bezahlen“ dürfe, schon gar, weil es mit diesem angeblichen Ereignis nichts zu tun hatte.
„Wir haben in Iran keine Homosexuellen“
Ausgelacht wurde Ahmadineschad für seine Antwort auf eine Frage aus dem Publikum, ob in Iran - wie von Menschenrechtsorganisationen ausführlich dokumentiert - Homosexuelle hingerichtet würden. „Wir haben in Iran keine Homosexuellen wie ihr in eurem Land“, sagte Ahmadineschad: „Wir haben in Iran nicht dieses Phänomen. Ich weiß nicht, wer Ihnen gesagt hat, wir hätten es.“ Präsident Bush kommentierte den Auftritt Ahmadineschads gelassen: Er spreche Bände über Amerikas Größe, sagte Bush.
Washington und Teheran verbindet eine unversöhnliche Feindschaft. Auf der von Präsident Bush bei seiner Rede zur Lage der Nation vom Januar 2002 auf der Weltkarte eingetragenen „Achse des Bösen“ - bestehend aus dem Irak, Iran und Nordkorea - nimmt nach dem Sturz des irakischen Diktators Saddam Husseins und angesichts der voranschreitenden Sechser-Verhandlungen über ein Ende des nordkoreanischen Atomprogramms Teheran die prominenteste Position ein.
Sponsorstaat terroristischer Organisationen
Washington ist davon überzeugt, dass Teheran radikale Schiiten im Irak mit Waffen, Ausrüstung und Wissen unterstützt, um einen blutigen Kampf gegen die amerikanischen Besatzungstruppen zu führen; dass Iran der schlimmste Sponsorstaat terroristischer Organisationen wie der Hizbullah im Libanon und der Hamas in den Palästinensergebieten ist; dass Teheran weiter nach Atomwaffen strebt und die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) wie die Staatengemeinschaft an der Nase herumführt.
Der eigentliche Kampf zwischen Bush und Ahmadineschad ist natürlich nicht jener vor der Öffentlichkeit und im grünen Saal der UN-Vollversammlung, sondern der im UN-Sicherheitsrat, wo Washington in Paris einen neuen Verbündeten beim Ringen um eine Verschärfung der Sanktionen gegen Teheran hat. Das ist ein bisher vor allem mit diplomatischen Mitteln geführter Kampf, bei dem aber immer wieder einmal mit dem Säbel gerasselt wird. In Washington wird von einem neuerlichen Machtkampf in der Regierung zwischen den Neokonservativen um Vizepräsident Dick Cheney und den Realisten um Außenministerin Condoleezza Rice über das Vorgehen gegen Teheran berichtet.
Jüngst kursierten Gerüchte, Cheney habe einen Plan ausgeheckt, die iranische Führung so zu provozieren, dass sie den Vereinigten Staaten einen Vorwand für einen Krieg liefern würden. Unter Berufung auf Aussagen von Cheneys früherem Berater David Wurmser berichtete die Wochenzeitschrift „Newsweek“, Cheney habe Israel zu Raketenangriffen auf iranische Atomanlagen überreden wollen, um dann auf einen Gegenangriff Irans mit massiven Luftangriffen auf militärische und atomare Ziele zu reagieren. Bush aber, heißt es, stehe auf der Seite seiner Außenministerin.
wenn die reporter falsch berichten....
Nice Day (rajabi)
- 26.09.2007, 00:47 Uhr
Gutgegangen
Wolf Doleys (Karneades)
- 26.09.2007, 01:52 Uhr
Seltsames Verhalten
Thomas Haase (Anotatta)
- 26.09.2007, 04:51 Uhr
Unterschied zwischen Freiheit und Unfreiheit
Josef Bujtor (Mramorak)
- 26.09.2007, 07:26 Uhr
Treffen der Hinterwäldler..
Michael Fichtner (ebaristo)
- 26.09.2007, 09:40 Uhr
