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Abuja Viele Tote bei Anschlag auf UN-Gebäude in Nigeria

26.08.2011 ·  Die Vereinten Nationen haben einen Bombenanschlag auf eines ihrer Büros in der nigerianischen Hauptstadt Abuja gemeldet. Mehrere Menschen wurden getötet und zahlreiche weitere verletzt. Zuvor hatte es offenbar Drohungen von Islamisten gegeben.

Von Jochen Stahnke
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Bei einem Bombenanschlag auf das Hauptgebäude der Vereinten Nationen in der nigerianischen Hauptstadt Abuja sind am Freitag viele Menschen getötet oder verletzt worden. Die örtlichen Krankenhäuser seien zum Teil überfordert gewesen mit der Aufnahme der Verletzten, hieß es in Berichten aus Abuja. Die radikale islamistische Gruppe Boko Haram bezichtigte sich der Tat. Der nigerianische Präsident Goodluck Jonathan nannte den Anschlag „barbarisch, sinnlos und feige“. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon verurteilte den Anschlag und teilte mit, man müsse mit vielen Toten rechnen. Bundeskanzlerin Merkel bekundete Ban ihr Beileid.

In Abuja war zunächst von mindestens 18 Toten die Rede. Ein UN-Sprecher in der nigerianischen Stadt Lagos sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die unteren beiden Etagen des Gebäudes seien zerstört worden. Medienberichte, dem Anschlag sei eine Reihe weiterer Drohungen gegen die Vereinten Nationen in Nigeria gefolgt, wollte er zunächst nicht bestätigen. Die Polizei in Abuja bestätigte, dass es sich um einen Selbstmordanschlag gehandelt habe. Das viergeschossige Gebäude befindet sich im Diplomatenviertel Abujas unweit der amerikanischen Botschaft und des nigerianischen Verteidigungsministeriums. Die Explosion ereignete sich in jenem Flügel des Gebäudes, in dem sich die Abteilung des Kinderhilfswerks Unicef befindet. Insgesamt arbeiten in dem Gebäude etwa 400 Angestellte verschiedener UN-Organisationen.

Die Explosion ereignete sich um 10.30 Uhr Ortszeit. Nigerianische Medien berichteten, ein Auto habe die Absperrungen vor dem Eingang durchbrochen, sei in das Gebäude gerast und schließlich im Empfangsbereich explodiert.

„Akt des internationalen Terrorismus“

In einem Interview mit dem Sender BBC bezeichnete eine Staatssekretärin im nigerianischen Außenministerium die Explosion als einen „Akt des internationalen Terrorismus“. Ein UN-Mitarbeiter teilte der BBC in Nigeria mit, die Vereinten Nationen hätten schon im vergangenen Monat Informationen darüber erhalten, dass sie Ziel eines Anschlags durch Boko Haram werden könnten. Die Gruppe Boko Haram - zu Deutsch: „Westliche Bildung ist Sünde“ - existiert seit dem Jahr 2002.

Boko Haram wurde im Juli 2009 international bekannt, als im weniger entwickelten Norden Nigerias bei Kämpfen mit der Armee 800 Menschen getötet wurden. Seitdem dehnt die Terrorgruppe ihre Aktivitäten von ihrem Ursprungsort Maiduguri im Norden des Landes immer weiter aus und hat sich bis heute Hunderter Anschläge bezichtigt. Im Juni dieses Jahres verübte Boko Haram einen Bombenanschlag auf das Hauptquartier der nigerianischen Polizei in Abuja, bei dem zwei Menschen getötet wurden.

Mehrere tausend Menschen getötet

Boko Haram werden Beziehungen zu Al Qaida nachgesagt. Die Gruppe gibt vor, für eine Anwendung der Scharia in ganz Nigeria zu kämpfen. Sie möchte die Zentralregierung, der sie „Kollaboration“ mit dem Westen vorwirft, zerstören. Die Gruppe verübt mittlerweile nahezu wöchentlich Anschläge vor allem im Norden Nigerias. Ziele sind oft Kirchen, Polizeistationen und andere Regierungseinrichtungen sowie Bars, in denen Alkohol ausgeschenkt wird. Die nigerianischen Sicherheitskräfte gehen hart gegen Boko Haram vor. Im Jahr 2009 wurde der Gründer der Gruppe, Muhammad Yusuf, getötet.

Etwa die Hälfte Nigerias sind Muslime, etwas weniger als die andere Hälfte Christen, deren Siedlungsgebiete sich ganz grob in Norden und Süden unterteilt. Der Norden ist wirtschaftlich weit weniger gut entwickelt als der Süden. In den vergangenen Jahren wurden mehrere tausend Menschen bei Kämpfen getötet, die über religiöse Zugehörigkeit gerechtfertigt wurden.

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Jahrgang 1980, Redakteur in der Politik.

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